Schlüsselloch-Welten

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    • Schlüsselloch-Welten

      Heute habe ich mir die Frage gestellt, wieso ich mit keiner der diesjährigen WBO Aufgabe etwas anfangen konnte. Klassisches Weltenbasteln scheint nicht meinen Fähigkeiten zu entsprechen, früher noch eher als gegenwärtig. Warum nicht, frage ich mich? Mein Wunsch war immer, eine dieser toll ausgearbeiteten Welten mit logischer Physik, Biologie und Erklärung zu bauen. Eine Welt, für die man ein ganzes Wiki schreiben könnte. Eine Welt, in der alle Antworten zu finden sind.

      Gestern habe ich zum wiederholten Male den Film "ARRIVAL" geschaut. Und ich glaube, dass der Film die Antwort auf mein Problem ist. Die Welt und die Wesen, denen wir in Arrival begegnen, bleiben schemenhaft, unerklärt, fraglich. Und auch ihre Schiffe lösen sich letztendlich auf, dematerialisieren sich. Wir erfahren nichts. Oder nicht genug. Wir blicken lediglich durch ein Schlüsselloch, erhaschen eine vage Ahnung von der Welt, der sie - die Heptapoden - entstammen. Ihre Sprache - universal, mehrdimensional und der Zeitlinie enthoben - bleibt uns ein Rätsel.

      Sobald ich das, was durch das Schlüsselloch von meinen Welten zu erhaschen ist, genauer ausarbeite und beginne, den Dingen einen Namen zu geben, Erklärungen und Zusammenhänge zu liefern... genau dann beginnt diese Welt in mir abzusterben. Sie wird plötzlich vorhersehbar, ihr Zauber des Nebulösen und Geheimnisvollen verschwindet und wandelt sich in sachliche Flachheit. Meine Welten leben vom Zauber ihres Geheimnisvollen. Nur die eigene Hand ist im Nebel dieser Welten zu erkennen, immer nur ein Stückchen, aber niemals das Ganze. Immer nur Ausschnitte, Mosaik-Steinchen eines größeren Ganzen, dessen Ausmaß selbst ich nicht kenne.

      Nur ein Blick durchs Schlüsselloch - mehr ist nicht da. Ich sehe einen Saal voller Türen - jede Tür anders. Sind es Traumtüren oder Türen in andere Welten? Jedes Schlüsselloch so einzigartig, wie die Welt dahinter. Erhaschen wir einen Blick, aber nur kurz, ganz seicht. Nicht zu viel sollen wir sehen, und nicht zu wenig. Gerade genug um zu erahnen, was uns hinter dieser Tür erwarten mag.

      Bastelt ihr auch manchmal Schlüsselloch-Welten?
    • Hm ... ich bin mir nicht sicher. Ich habe manchmal das Gefühl, meine Welt (Yrdanea) ist eher eine Fetzenwelt, weil ich so faul und selten bastle und so vieles nicht ausgebastelt habe. Erklärungen und Zusammenhänge zu erzwingen, also mir bewusst auszudenken, liegt mir gar nicht so (Politik und Zeitstrahlen oder so), und ich kann mich spontan nicht erinnern, wann ich das zuletzt gemacht habe. Zufriedener war ich immer mit solchen Zusammenhängen, die sich ungeplant und spontan eröffnet haben und die ich dann nur aufgeschrieben und ausformuliert habe. Und damit wurde die Welt für mich nie uninteressanter, sondern lebendiger. Sowas ist mir aber auch selten genug passiert.

      Für mich haben Welten, in denen nicht alles bis zum Ende erklärt ist, auch mehr Reiz. Zum Beispiel wenn ich über Magie oder Götter genauso wenig weiß, wie die Weltbewohner, und trotzdem ein Gefühl dafür bekomme, dass sie mächtig ist und in der Welt funktioniert - und nicht einfach nur generische Standard-Magie ist (wobei, was ist das überhaupt...). Vielleicht auch eine interessante Frage - wie weit und tief muss der Blick durchs Schlüsselloch sein, damit das Element, was man betrachtet, nicht mehr generisch und beliebig wirkt? Damit die Eigenart erkennbar genug wird, die das Element typisch und zu zusammengehörig zu der betrachteten Welt macht?

      Auch bei der Weltennetz-Welt (U*) bastle ich ja nur Facetten und Bruchstücke. Ich habe mich nie an so einem gezielten "Ich bastle heute X" versucht, wie die WBO es erfordert. Vielleicht auch ein Grund, warum ich da nie teilgenommen habe. Ebensowenig wie beim Speedbasteln. Man muss halt seine eigene Methode finden, mit der man sich den Spaß am Basteln nicht selbst verdirbt. :)
      nobody

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Yrda ()

    • Meine einzigen Schlüssellochwelten sind meine nächtlichen Dreistundenwelten, die ich manchmal bastle, wenn ich nicht schlafen kann. Die gehen tatsächlich immer genau dann kaputt, wenn ich anfange, zu hinterfragen oder zu verknüpfen. Ich glaube, ich bastle sie, während ich in einem Dämmerzustand bin, und wenn eine relative Wachphase kommt, dann rationalisiere ich sie mir kaputt.
      Im Endeffekt sind diese Welten aber nur Beschäftigung, damit ich nicht im Bett rum fadisier, eine weitere Bedeutung messe ich ihnen nicht bei. Meine richtigen Welten sind ja deutlich rationaler, verknüpfter, im Grunde fast das Gegenteil einer Schlüssellochwelt.
      Wer das liest, ist auch nicht schlauer als vorher.
    • Ich hatte tatsächlich zu Beginn meiner Welt En mehr von diesem "Schlüsselloch"-Gefühl, und es ist schade, dass es abhanden gekommen ist. Wie du auch sagst @Aurabytes kam das durch aktives ausarbeiten der Welt.
      Zum einen war das geheimnissvolle Unbekannte sehr reizvoll, zum anderen habe ich es aber auch nicht aushalten können. Z.B. war En eine Weile ein Gebiet unbestimmter Größe. Der Übergang von "Welt" zu "Weltall" (bzw. was auch immer sonst da noch war) war absichtlich unklar. Das war sehr reizvoll. Ich wollte das ISSO umarmen und liebhaben.

      Aber immer wieder fand ich mich an diesem Punkt, wo ggf. die Landmasse in diffusen Nebel übergeht, oder weiß der Geier was da passiert, und ich wollte was konkretes zum anfassen. So ging das Schlüsselloch ein bisschen kaputt, und ich beschloss dass ich mit "erklärbarem" besser zurecht kam. So wurde En eine Scheibe. Wenn man an den Rand segelt, sieht man Berge. Nach den Bergen kommt nichts mehr. Man könnte vermutlich draufklettern und hinten runterfallen.

      So wurde En konkret ausmessbar. Es ist schade, dass ich das Schlüsselloch nicht ausgehalten habe.
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    • Hmm, bei genauerer Betrachtung gibt es ja eigentlich in jeder Welt eine Menge Unerklärliches. Es ist nur nicht mehr so offensichtlich. Aber ich gebe zu, dass dieser Gedanke in der Praxis nicht wirklich eine Rolle spielt. Das Geheimnisvolle an der fremden Welt...

      Es erinnert mich wieder an meinen Wunsch nach dem Gefühl, dass da mehr ist, als das, was ich gebastelt habe. Dass ich hinter dem von mir gebastelten auf einen Reichtum zurückgreifen kann. Mein Versuch, Surrealismus wieder mehr zu integrieren, basierte auf diesem Wunsch. Aber eigentlich ist es letztlich ... die Traumwelt. Die ist verdammt groß und voller Wunder. Nur kann ich halt nicht meine Träume basteln. Ich kann Elemente aus meinen Träumen holen, und einbauen - als Eingebaute sind sie dann aber wieder nicht so geheimnisvoll. Ich kann aus der konkreten Welt Verweise auf die Traumwelt machen - das ist meine momentane Strategie.

      Ich hab also die konkrete Welt Xooi, mit all ihren Abstrusitäten doch sehr real für ihre Bewohner:innen, mit ganz alltäglichem Kram wie Ausbildung, Beruf, Forschung und Kunst. Dann gibt es Xoii dahinter, eine Ebene, wo diese konkrete Realität mit dem Unkonkreten zusammenläuft, verschwimmt. Und schließlich der Grundsatz von "Andere Welt, andere Logik" der bedeutet, dass die unendlich vielen anderen Welten sich insgesamt auch nicht konkretisieren lassen. Bzw.: Es gibt in den Weiten des Alls mehr Unkonkretes, Weirdes, als Alltägliches. Nur finde ich es praktisch, mich auf den Standpunkt des Alltäglichen zu stellen, um von dort in die Weirdness hinauszublicken.

      Meine wirklich surrealen Welten finde ich extrem schwer zu bebasteln. Islasht funktioniert praktisch nur mit einem gewissen Mindset, das ich nicht so lange durchhalte. Und ich weiß einfach auch, dass es da, wenn ich weiter graben würde, extrem verstörende Sachen ans Tageslicht gezerrt werden würden. Das kann ich dann nimmer im Forum posten.^^ Und für mich allein ist es anstrengend, weil ich mich zu gerne mitteile, bzw. weil es halt erdet, die Phantasie nicht nur privat zu haben.
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
      »Aus den Nacken waren Kehlköpfe geworden.« (2019)
    • Ich mag es auch nicht besonders, in meiner Welt alles systematisch und vollständig zu erklären, sondern mag es wie Yrda lieber, spontan "Fetzen" zu basteln und zusammenzufügen. Ich finde auch nicht, dass meine Welt automatisch uninteressanter wird, wenn ich mehr über sie erfahre, sondern im Gegenteil eher lebendiger.

      Manche Dinge, wie eine definitive Erklärung der Magie oder Götter, lasse ich bewusst offen, aber ich würde nicht sagen, dass ich damit speziell ein Gefühl von Rätselhaftigkeit bewahren will.
      Zu einem gewissen Grade vielleicht, aber ich würde sagen, dass es mir vor allem um Freiheit geht: Was mich am ehesten stören würde, wären zu viele rein zweckmäßig gebastelte Dinge, zu denen ich keinen oder kaum emotionalen Bezug habe, und die mir später die Freiheit nehmen würden, neues zu schaffen. Das ist unter anderem einer der Gründe, warum ich z.B. keine Weltkarte (oder zumindest keine "kanonische") habe.

      Der einzige Grund für mich, mehr oder weniger systematisch zu basteln, wäre für mich, die Welt als ganzes "präsentierbar" zu machen, aber ich fände das auf Dauer zu frustrierend, um es konsequent durchzuziehen, nicht zuletzt, weil ich wahrscheinlich vieles später wieder verwerfen würde.
      Alternativ zu dieser Top-Down-Perspektive suche ich nach Ausgangspunkten für eine Bottom-Up-Präsentation, aber ohne einen Gesamtüberblick ist es schwierig zu erfahren, was andere als einen interessanten Startpunkt sehen würden. Diese Zwickmühle ist wohl einer der Gründe, weshalb es mir so schwer fällt, ohne irgendeine Vorgabe meine Welt zu präsentieren.

      Ein anderer Grund wäre, dass mir schwer fällt, mich zu gewissen Widersprüchen zu bekennen, die sich aus dem fragmentarischen Basteln ergeben, obwohl es dafür bereits Vorbilder gibt:
      Welten wie Hyrule aus den Zelda-Spielen nehmen auch immer wieder eine andere Gestalt an, bleiben aber in manchen Aspekten konsistent genug, um trotzdem erkennbar zu bleiben. Etwas ähnliches möchte ich mit meiner Welt Sapphiria, aber es passt nicht ins Konzept des "klassischen", systematischen Weltenbastelns.
      "Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"

    • Ich denke, ein Problem besteht darin, dass diese Welten meistens aus der Perspektive eines omnipotenten Beobachters präsentiert werden. Sprache ist von Natur aus rationalistisch. Wenn man also Schrift als Medium verwendet, wäre es vielleicht besser, sich mehr auf die Wirkung der Sprache zu fokussieren, als auf das rein Inhaltliche. Entsteht beim Leser das richtige Bild und der richtige Eindruck, wird das Mysterium auch als solches Wahrgenommen, und nicht als vermeintlich Lücke.
      Oder man verwendet stattdessen ein anderes Medium statt Text. Viele Kunstwerke, Musikstücke, in gewissem Grad auch Videospiele (wie eben Zelda), sind ja auch Schlüssellöcher ihres eigen Mikrokosmos. Sie alle haben ihr eigenes "Feeling", und das hat für mich eine viel größere Wirkung, als das, was man darüber "weiss".
    • Ich glaube, alle meine Brain Farts sind mehr oder minder Schlüssellochwelten. Sie sind nur Fragmente von Welten oder bestenfalls Ideen von Welten. Da liegt ziemlich viel im Nebel.

      Persönlich mag ich Welten, die nicht vollkommen ausgestaltet sind schon sehr. Weiße Flecken lassen Spielraum für Interpretationen oder - im Fall von Rollenspieler*innen - Freiraum für eigene Ideen. Daher habe ich auch überlegt, Teile Gaias komplett offen zu lassen, um mir den Freiraum zu geben, da noch spontan etwas einzustreuen. Gleiches gilt auch für Cimorra.
      Beziehungsweise, mein Hellborn-Sektor, denn ich in die Warhammer 40.000-Galaxis eingesetzt habe, ist eigentlich auch nur ein Fragment. Ein winziger Ausschnitt des Ganzen, obwohl es mehrere Welten besitzt, aber ich glaube, das driftet jetzt etwas vom Thema ab.
      "Barbarism is the true nature of mankind. Civilisation is unnatural!" - Conan
      "Das ist KEIN Müll! Das ist MEINE WELT!" - Rilli
      Gaia | Cimorra | Brainfarts
      Deviant Art | Logan's Fantastische Welten

    • Aurabytes schrieb:

      Bastelt ihr auch manchmal Schlüsselloch-Welten?
      Puh, da hast du mich zum grübeln gebracht. Wollte ich anfangs noch sagen "Nö", wurde mir immer klarer das "vermutlich schon" die bessere Antwort wäre. Auch wenn ich primär an einer logischen SciFi Welt für Kurzgeschichten und Rollenspiel bastle, die einen gewissen Rahmen für die Spieler erfordert, so bastle ich an sich nur einzelne Fragmente, Punkte auf die ein Spotlight scheint. Abseits davon wird es zunehmend diffuser. Und selbst wenn ich eine Rollenspielrunde leite, lasse ich mich selbst als Spielleiter gerne überraschen, indem ich Würfel entscheiden lasse, ob es etwas Bestimmtes gibt, wie es hinter der Ecke ausschaut, über die ich mir keine großartigen Gedanken gemacht hatte. Oder wie ein Planetensystem ausschaut, das meine Gruppe spontan erkunden will.
      Letztlich handelt es sich um viele Schlüssellöcher, die viele fragmentarische Einblicke in einen riesigen Saal ermöglichen. Die Schlüssellöcher sind dabei über mehrere Stockwerke verteilt, und offenbaren viele unterschiedliche Dinge. Ob sie einen Zusammenhang haben, von verschiedenen Seiten gänzlich anders aussehen, bleibt dabei offen. als Bastler mag ich etwas mehr wissen, aber bei Weitem nicht alles. Denn dann wäre die Welt fertig und für mich uninteressant. Auch ich will in den weiten des Sternenrings immer neue fantastische Spotlights finden und rätseln, was sie bedeuten.

      In meiner Fantasy-Welt Eskir ist mir das Fantastische besonders wichtig. Keine EDO-Welt, dafür viel Magie. Dabei nicht eine einzige spezifische Magieart, sondern viele völlig unterschiedliche Arten. Ohne zu erklären, warum sie mal die eine oder andere Ausprägung entwickelt. Oder warum sie manche Lebewesen verändert. Da ich darüber aber nur in Geschichten schreibe, bleibt diese Welt und ihre Bewohner viel vager.

      Also ist die Antwort ja. Ich bastle tatsächlich Schlüssellöcher. Doch ist nicht hinter jedem Schlüsselloch ein völlig anderes Zimmer. ;)
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

      Meine Welten und Geschichten
      Rollenspiel-Anekdoten
    • Hm, ich finde es faszinierend, dass ich ohne Begriff quasi keinen Zusammenhang zwischen den Welten sah und kein Konzept hatte. Rememberence von Logan war ja meine Einstiegsdroge zum Weltenbasteln. Ich liebe Islasht und hatte nicht unbedingt Verständnis dafür, dass Jundurg nur zögerlich und in speziellem Mindset daran bastelt. Auras Welten blieben mir lange verschlossen und haben sich erst vor kurzem für mich geöffnet. Auch Sapphiria wird in letzter Zeit immer interessanter für mich. Ich selbst habe in der Blumenwiese auch eine solche Schlüssellochwelt blühen lassen. Schön, dass wir jetzt ein Wort haben.

      Ich werde jetzt mal ganz dumm meine Analysemotoren anwerfen, um für mich ein Gefühl dafür zu bekommen was ich denn jetzt mit einer Schlüssellochwelt assoziere.
      Hm, also ich würde sagen, dass sie sich dem enzyklopädischen Ansatz verwehrt. Eine "Draufblicken" und erklären entfällt. Dadurch werden größere Strukturen (Handelssysteme, Regierungsformen, etc.) unsichtbarer. Die Perspektive aus der wir blicken erlaubt solche Abstraktionen nicht. Dadurch verschließt sich die Welt praktisch vor uns, sie will uns nicht ihre Geheimnisse erklären, gleichzeitig erlaubt das Schlüsselloch einen viel intimeren Blick in die Welt. Die Sinne werden angesprochen. Ein Tease, eine Spannung mehr sehen zu wollen, aber nicht mehr zu bekommen. (Das nenn ich gute Erotik ^^)

      In Schriftform sind solche Welten eher narrativ, was meiner Meinung nach eine Hürde darstellt. Sprache wird wichtiger und die Schreibfähigkeiten haben größeren Einfluss auf die Wirkung der Welt. Was auch Interesse mindern kann. Ich glaube, dass der enzykolädische Ansatz der forumsfreundlichere ist und hier mehr gelesen wird und mehr Fragen generiert. Aber ich mag mich irren.

      Was die Schlüsselloch-Welt meines Erachtens weniger bietet, ist das Gefühl von der eigenen Welt in der man Leben/Zeit verbringen möchte (Welt als Zufluchtsort). Und natürlich auch nicht das Megaprojekt eine neue Realität zu schaffen.

      Mich erinnert das ganze Konzept Schlüssellochwelt an gute Musikvideos. Die halten oft seltsame Bilder und ästhetische Ideen, welche nicht mit realweltlicher Logik hinterfragt und überdacht werden sollten, dennoch sind sie nicht oberflächlich, sondern einfach ISSO. In solchen Videos kann man nicht leben, aber sie haben emotionalen Wert, genauso sehe ich Schlüsselloch-Welten auch. Und einige Kommentare hier zeugen ja von der persönlichen und emotionalen Tiefe, die diese Welten leicht erreichen können. Auch klassischere Welten sind hochpersönlich und tief, jeder der mit Logan über seine Welten gesprochen hat weiß das; ich glaube nur das Schlüssellochwelten spezifischer darauf geskillt sind. ^^

      Mir gefällt das Geheimnisvolle. Es erlaubt sich zu verstecken, was mir mit dem klassischen Basteln weniger gelungen ist. Ich glaube ich werde mehr Schlüssellochwelten basteln und hoffentlich auch lesen. :)
    • Also "Schlüsselloch-Welten" sind für mich im Prinzip nur die Ergebnisse irgendwelcher Ideen, die dann einfach nicht weiter verfolgt werden. Eventuell kann man auch Welten wie jene in Filmen wie Equilibrium, Book of Eli oder irgendwelcher trashiger Barbarenfilme der 80er, die auf den Conan-Zug aufspringen sollten, (um nur einige zu nennen) als Schlüsselloch-Welten bezeichnen. Ich würde sie daher entweder als Vorstufe zu "richtigen" Welten ansehen und manche kommen niemals über diese Vorstufe hinaus. Ich überlege zur Zeit jedoch, eine Schlüsselloch-Welt, die mir im Kopf herumschwirrt, richtig zu bearbeiten. Ist vielleicht auch hier präsentabler als meine Hauptwelt.
    • Ich wünsche mir bei solchen Schlüssellöchern und kleinen Einblicken immer, dass ich den Eindruck/das Gefühl bekomme (und natürlich mit meinen Beschreibungen auch erzeuge), dass da in Wirklichkeit aber mehr ist, wovon ich jetzt aber nur einen Teil sehe/erfahre/erkenne. Das fällt mir aber schwer, das zu greifen, wie man diesen Eindruck erzeugt, dass es keine "nicht weiter verfolgte" Idee ist, sondern mehr dahinter steckt. Ob es da Kriterien gibt, anhand derer man das festmachen kann? Oder ist das einfach subjektiv?

      Habt ihr da Tipps und Tricks?
      nobody
    • Jundurg schrieb:

      Es erinnert mich wieder an meinen Wunsch nach dem Gefühl, dass da mehr ist, als das, was ich gebastelt habe.

      Tö. schrieb:

      Die Sinne werden angesprochen. Ein Tease, eine Spannung mehr sehen zu wollen, aber nicht mehr zu bekommen.
      In einem WB-Buch wurde so WB an sich beschrieben: Die Welt existiert nur in Medienfenstern, in Texten, Bildern, Tönen. Wir haben das Gefühl, dass wir durch verschiedene Fenster auf eine Welt blicken, dass mehr dahinter ist, aber in Wahrheit existiert sie nur in diesen Fenstern, nur eingerahmt. Die Gestaltung dieser Fenster ist die Präsentation der implizierten Welt.

      Den Thread wollte ich auch schon seit einer Weile eröffnen. Gut, dass er da ist. :) Ich hatte damals von Hello Future Me (HFM) ein WB-Video zu dem Thema gesehen. Da wird die Schlüsselloch-Welt als "Soft Worldbuilding" bezeichnet: youtube.com/watch?v=gcyrrTud3x4 (Die Kommentare zum Video sind auch sehr spannend :) )
      • Hard Worldbuilding ist dort der enzyklopädische (Tolkien-)Ansatz alles detailiert auszuarbeiten. Laut HFM wird Immersion hier durch detailierte Glaubwürdigkeit/Realismus erzeugt. Es wird genau erklärt, wie die Welt beschaffen ist, damit die Welt verstanden wird.
      • Soft Worldbuilding am Beispiel Miyazaki/Harry Potter(1-4) orientiert sich nicht an Logik, sondern an narrativen Themen, z.B. Charakter-Arcs und ihren Emotionen. Merkwürdige, unerklärte Situationen sind möglich, welche die Atmosphäre/Charakter/Bedeutung der Welt unterstützen. Hier werden Konsumenten eingeladen ihre eigenen Interpretationen beizusteuern, was eine imaginative Erfahrung ist. Man ist also beim Konsumieren einer Welt teilweise Mit-WBler, kein Wunder, dass das hier so viel Anklang findet. ;D "And that is fun. That is immersive. It's literally you putting yourself into the world."

      Tö. schrieb:

      Ich glaube, dass der enzykolädische Ansatz der forumsfreundlichere ist und hier mehr gelesen wird und mehr Fragen generiert. Aber ich mag mich irren.
      Als ich das Video gesehen hatte, musste ich sehr an diesen Beitrag zu meiner Welt denken: Hexenlande
      Hier werden Schöpfungsmythen in blumiger, mystischer Sprache präsentiert. Das ist eher Soft Worldbuilding bei mir. Sobald ich dann die "harten Fakten" zu Eiszeit-Kulturen und sowas nachreiche, wirds (behaupte ich mal) schlagartig langweiliger. ;D
      Jedenfalls ist mir hier ein Zwiespalt aufgefallen. Einmal das schöne Soft-Worldbuilding, das präsentabel ist, die mystische Stimmung einfängt und einfach zum drin verlieren einlädt, und dann die Wiki-Artigen Volksbeschreibungen, die ich sonst betreibe. Da ist sicher nützliches an Hintergrundinformationen dabei, aber künftig möchte ich doch mehr in die mystische Richtung einschlagen, weil die einfach mehr Spaß macht beim Ausarbeiten wie auch beim Lesen.

      Tö. schrieb:

      Und natürlich auch nicht das Megaprojekt eine neue Realität zu schaffen.

      Pappenheimer schrieb:

      Also "Schlüsselloch-Welten" sind für mich im Prinzip nur die Ergebnisse irgendwelcher Ideen, die dann einfach nicht weiter verfolgt werden. [...] Ich würde sie daher entweder als Vorstufe zu "richtigen" Welten ansehen und manche kommen niemals über diese Vorstufe hinaus.
      Da muss ich aber widersprechen. Das Schlüsselloch keine Frage der Ausarbeitung, sondern der Präsentation. Ich versuche auch in Weltentexten Informationen nicht enzyklopädisch klar und deutlich auszuformulieren, sondern zwischen den Zeilen zu implizieren. Das Soft Worldbuilding ist eine atmosphärisch-narrative Ausarbeitung, keine enzyklopädisch-logische. Lücken, Mehrdeutigkeiten und Schleier können sehr bewusst platziert werden und in diesem Zustand fertig ausgearbeitet sein. Für Konsumenten ist nicht erkennbar, ob Weltenautoren die fehlende Information bewusst weggelassen haben oder selbst nicht kennen. Der Sinn ist die Konsumenten der Welt hier eben auch zum Spekulieren anzuregen anstatt nur zur Informationsaufnahme und Übertragung in eine geistige Darstellung der Fakten. ...das eine oder andere spricht aber vermutlich auch einfach ein anderes Publikum mehr/weniger an.
      > Möchte in Fantasy-Ausrichtung an den Erfolg von Scientology anknüpfen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von Eru ()

    • Eru schrieb:

      Da muss ich aber widersprechen. Das Schlüsselloch keine Frage der Ausarbeitung, sondern der Präsentation.
      Bisher ging es in diesem Thread jedoch darum, dass Bastler so etwas sagten:

      Aurabytes schrieb:

      Sobald ich das, was durch das Schlüsselloch von meinen Welten zu erhaschen ist, genauer ausarbeite und beginne, den Dingen einen Namen zu geben, Erklärungen und Zusammenhänge zu liefern... genau dann beginnt diese Welt in mir abzusterben.
      Es ging hier also tatsächlich um den Bastelprozess und nicht nur die Präsentation. Dass nicht alles präsentiert werden kann in einem prosaischen Text, ist klar.
    • Ich denke, was die Schlüsselloch-Welt vielleicht noch charakterisiert, ist, dass es wirklich ein Zuviel an Information gibt. Das führt soweit, dass es sinnvoll sein kann, etwas bereits ausgearbeitetes zugunsten von Ungewissheit zu verwerfen.

      Meine frühen Entwürfe von Islasht hatten - weil ich halt automatisch über "wie funktioniert das" nachgedacht habe - einiges an "System" im Hintergrund, das ich verwerfen musste, um überhaupt wieder zur Weltenstimmung soweit vorzudringen, dass es Sinn macht, an der Welt zu basteln.

      Ich würde aber sagen, dass eine Schlüsselloch-Welt genauso viel oder wenig fertig ist, wie jede andere auch. Es gibt ganz selten mal ein Projekt, an dem nicht irgendwo noch viel dazugebaut werden könnte oder (wenn eins das so sieht) auch sollte. Vielleicht ist es bei Islasht so, dass das, was fehlt, nicht etwas ist, das es klarer, verständlicher macht, sondern eher sogar noch widersprüchlicher und verwirrender.^^

      Der Prozess, sich an etwas schier unvereinbar Widersprüchlichem die Zähne auszubeißen, dabei immer wieder doch etwas mitzunehmen, aber andere Vorstellungen verwerfen zu müssen, kann sehr faszinierend sein.

      -

      Mir ist gerade noch eine Schlüsselloch-Welt eingefallen, nämlich das Labyrinth von Michael Ende. (Erforscht in der Kurzgeschichtensammlung Der Spiegel im Spiegel) Ich erinnere mich, dass ein paar der Texte darin so weird waren, dass ich nach dem Lesen nicht wusste, was ich gerade gelesen habe. Aber sie sind alle miteinander verknüpft und bilden ein Netz, in dem es stets so scheint, als könnte alles Sinn machen, wenn nur die eine, entscheidende Verknüpfung gefunden würde, der Schlüssel sozusagen. Das wird sogar in mindestens einem der Texte direkt angesprochen, dass einige Bewohner:innen des Labyrinths auf der Suche nach etwas sind, das verlorengegangen ist, und das Zusammenhänge erklären würde.

      Es hat natürlich auch etwas von Traumanalyse, die naturgemäß sehr persönlich ist, und bei der der Prozess des Analysierens eigentlich im Vordergrund steht, und Erkenntnisse liefert, und weniger das analysierte Material an sich.

      Gegenüber Ende´s Labyrinth ist Islasht ja noch geradezu langweilig konsistent. ;D Da muss ich noch nachrüsten.^^
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