Noch so'n Oktoberding

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    • Noch so'n Oktoberding

      So, ich wollte auch eine Oktobersache machen. Und ich dachte, ich benutze die Inktoberliste. Allerdings ist es kein Inktober, denn ich benutze keine Tinte. Ich zeichne nicht einmal. Ich schreib zu jedem Stichwort ne Kleinigkeit und hoffe, dass das am Ende irgendwie einen Sinn ergibt. Kann noch nichts versprechen.
      Wer Lust hat, kann mitmachen.

      Erstmal für den ersten, am Abend schnell hingeschrieben und sieht auch so aus:

      Kapitel Eins: Am Anfang war der Fisch

      Es war ein verdammt großer und hässlicher Fisch. Und natürlich dachte er gar nicht daran, da zu bleiben, wo Fische eigentlich hingehörten, nämlich im Wasser. Nein, dieser Fisch war einfach aus dem See gekrochen und robbte nun durch die Straßen von Niansstadt.
      Und natürlich jagte er Leute.
      „Was ist das?“, fragte Squire Soul. „Der ist nicht besessen, oder?“
      Sie war eine Polarfüchsin, vielleicht zwischen achtzehn und zwanzig Jahre alt. Sie trug ein knappes Hemd mit einem goldenen, pink gerahmten Kragen und einer ebensolchen Knopfleiste, einen kurzen Rock mit goldenem, pink gerahmten Saum, ein goldenes Diadem mit einem Diamanten, weiße Handschuhen und so etwas wie Ballettschuhe.
      Alles in allem sah sie nicht wie jemand aus, der sich einem alles fressenden Riesenfisch in den Weg stellen sollte.
      „Nein“, bestätigte Squire Cups, die den Squire-Computer auf das Monster richtete. „Es ist auch kein Roboter. Nur ein sehr großer und hässlicher Eisschollenkarpfen. Vielleicht genmanipuliert? Nein, warte – da ist etwas magisches ganz tief drin. Vielleicht im Magen.“
      Cups ähnelte Soul in vielerlei Hinsicht, wie Alter, Spezies, Geschlecht und auch Kleidung – allerdings waren die Akzente bei ihr blau, nicht golden, und auch nicht gerahmt. Und sie trug weder Handschuhe noch Schuhe oder ein Diadem.
      Sie ließ den blauen Laptop verschwinden und hielt stattdessen in jeder Hand einen silbernen Kelch.
      „Locken wir es her.“
      Es, also der Fisch, war gerade damit beschäftigt, nach einem Eisbären zu schnappen, der sich auf die hohe Ampel an der Kreuzung geflüchtet hatte.
      „He, du!“, rief Squire Soul lauter, als man ihr zugetraut hätte. „He! Schau gefälligst her!“
      Der Fisch unterbrach kurz seine Tätigkeit um zu sehen, woher die laute Stimme kam. Er fand die Antwort aber wohl nicht sehr interessant.
      „Für Vergangenheit und Zukunft aber vor allem die Gegenwart, die Strahlende Wächterin – Squire Soul!“
      Squire Soul zog ein Bein hoch und begann, sich auf einem Fuß zu drehen. Plötzlich hielt sie auch etwas in den Händen. Das Seelenzepter, einen goldenen Stab, auf dessen Spitze ein Herz aus rotem Glas oder Kristall saß.
      Ein roter Strahl schoss daraus in den Himmel.
      Das fand der Fisch interessant.
      „Der kommt aber schnell“, fand Squire Cups.
      In der Tat legte der Karpfen die sechzig bis siebzig Meter innerhalb weniger Sekunden zurück. Er hätte die sich immer noch drehende Squire Soul mit einem Biss verschlugen, hätte Cups ihn nicht mit einer Peitsche aus Wasser, die aus dem linken Kelch wuchs, schmerzhaft abgelenkt.
      Etwas Wasser hielt ihn nicht davon ab, nach Cups zu schnappen. Er verfehlte sie nur deshalb knapp, weil sich eine goldene Kette um seine Schwanzflosse geschlungen hatte.
      „Sorry, bin etwas spät dran!“, rief Squire Coins. Gelbe Akzente, Ballettschuhe und Handschuhe wie Soul, auch eine Polarfüchsin. Sie hielt das andere Ende der Kette und zog an dem Fischmonster mit einer Kraft, die es offensichtlich überraschte.
      Was ihr natürlich fehlte, war das entsprechende Gewicht. Und so musste der Fisch nur plötzlich mit dem Schwanz schlagen um seine Gegnerin durch die Luft zuschlagen.
      Ein plötzlicher Windstoß verhalf Coins zu einer weichen Landung und so trat Squire Swords, grüne Akzente, keine Handschuhe, Sportschuhe, in die imaginäre Arena. Ein Schwert erschien in jeder ihrer Hände.
      „Gibt's Sushi?“
      Ein Schlag mit einem brennenden Kampfstab (der eigentlich aus zwei Schlagstöcken zusammengesetzt war) hielt den Fisch davon ab, Squire Cups beim zweiten Versuch zu erwischen.
      „Nein, es gibt gegrillten Fisch“, sagte Squire Batons. Sie trug keine Handschuhe und ihre Schuhe hatten hohe Absätze.
      Der Fisch war weiterhin unbeeindruckt. Er öffnete sein Maul und – eine Fangzunge schoss daraus hervor und blieb an Batons kleben.
      „Welcher Fisch hat denn sowas?“, fragte sie.
      Ihr Kampfstab wurde länger und verhinderte, dass sie ins Maul des Fisches passte. Der brennende Stab verkokelte das Tier etwas, ließ es aber nicht aufgeben.
      Auch als Sword ihm ihre Schwerter in die Seite schlug, Coins erneut an der Schwanzflosse zerrte und Cups zwei kräftige Wasserstrahlen direkt auf seine Augen richtete, blieb er standhaft.
      „Was immer ihn mutiert, es ist damit noch nicht fertig. Aus dem Vieh könnte noch etwas viel Schlimmeres werden“, erklärte Squire Cups.
      In der Tat wuchsen aus den Brustflossen des Tieres nun lange Stacheln, mit denen es nach Swords schlug.
      Endlich hörte Squire Soul auf, sich zu drehen. Das Zepter war voll aufgeladen.
      „Aus dem Weg!“, rief sie, als sie es auf den Fisch richtete.
      „Wie denn?“, fragte Batons zurück.
      Das Problem leuchtete Soul ein. Mit einem gewaltigen Sprung positionierte sie sich an der freien Seite des Fisches und zielte erneut.
      „Seelenstoß!“
      Ein goldener Strahl traf den Fisch in die Flanke und kippte ihn um – direkt auf Swords.
      „Ups. Aäh – Lebenswelle!“
      Transparente pinke Wellen brandeten über den Fisch hinweg. Er verlor die Stacheln und auch die Zunge schrumpfte und war offensichtlich nicht mehr klebrig, denn Batons konnte sich lösen.
      „Schieß ins Maul!“, rief Cups.
      Soul machte noch einen Sprung und richtete das Zepter auf das nun freie Maul des Monsters.
      „Seelenstoß!“
      Dieser Strahl warf den Fisch nicht nur ein Stück zurück und damit auch von Swords herunter, sondern bereitete ihm auch einiges Unbehagen. Das Tier verkrampfte sich und würgte etwas aus.
      Dann blieb es einfach nur liegen.
      Squire Cups ließ wieder den Laptop erscheinen und klappte ihn auf.
      „Ja. Das ist die Magiequelle. Der Fisch sollte nun wieder atmen müssen und … oh, er verblutet sowieso, weil Swords ihn nach der Lebenwelle nochmal verletzt hat.“
      „Och“, machte Soul. „Ich hatte gehofft, wir fangen mal eins lebend.“
      „Ich weine dem jedenfalls keine Träne nach“, urteilte Swords.
      „Die Medien rücken an“, meldete Coins.
      „Dann mal weg hier.“
      Und in fünf verschiedene Richtungen machten sich die Minor Arcana aus dem Staub.
      Die Behörden stellten kurz darauf den toten Fisch sicher. Und ein geheimnisvolles und definitiv magisches rote Objekt.
    • Kapitel Zwei: Für ein Büschel Fell

      Gilor, der echsenartige Kopfgeldjäger, hatte seine Beute ihm Visier. Sie hingegen sah ihn hoffentlich nicht, handelte es sich doch um einen drei Meter langen Dämonen, der wie ein behaartes Krokodil aussah und sich bewegte, als hätte sie keine Knochen – oder zu viele davon.
      Niemals hätte er versucht, eine solche Kreatur zu fangen, aber das war auch gar nicht der Auftrag. Er brauchte nur ein Haarbüschel.
      Was sein Auftraggeber damit wollte, hatte er nicht verraten. Ein Büschel Dämonenfell und zwar von einem großen Dämonen, keinem kleinen Imp, war die ausdrückliche und gut bezahlte Bestellung.
      Gilor hatte bereits einen extrascharfes Messer zur Hand, zur Sicherheit gesegnet von Priestern diverser Götter um gut durch Dämonenhaar zu schneiden. Jetzt musste er nur noch nahe genug heran kommen. Und lebend wieder weg.
      Am einfachsten war wohl, sich von hinten anzuschleichen. Der Dämon hatte nach vorne gerichtete Augen und keine sichtbaren Ohren und am Schwanz saß ein auffälliges Haarbüschel.
      Als der Dämon und der Wind passend standen, kam Gilor hinter dem Stein hervor. Sein gelbbraunes Muster tarnte ihn in der Steinwüste gut, also war er relativ sicher, auch wenn der Dämon sich umdrehte.
      Vorsichtig schlich er auf den Schwanz zu.
      „An Crocodemon kann man sich nicht anschleichen.“
      Gilor zuckte zusammen. Wer hatte das gesagt? Der Dämon hatte sich nicht bewegt. Und was war Crocodemon überhaupt für ein bescheuerter Name? Was war aus Klassikern wie Master of All Evil oder Demon of Madness geworden?
      Plötzlich war die Situation völlig anders.
      Das Dämonenkrokodil sah Gilor nun direkt an. Außerdem war es noch größter als zuvor, stand aufrecht und hielt ihn mit einer Hand am Kragen.
      Es trug sogar einen Lendenschurz, wozu auch immer ein Krokodil den brauchte.
      „Also, was willst du von mir?“
      Ja, das war die Stimme. Das Ding nannte sich also selbst Crocodemon.
      „Nur eine Kleinigkeit. Ein Büschel Fell.“
      Zufällig war die harmloseste Erklärung, warum sich ein Kopfgeldjäger mit einem Messe an einen Dämon anschlich auch die Wahrheit.
      „Das lässt sich machen.“
      Ja, natürlich ließ sich das machen. Es war ein Dämon. Dämonen gaben gerne alles her, solange sie dafür mehr zurückbekamen.
      „Ich bin Kopfgeldjäger. Ich finde Leute. Für ein Büschel deines Fells finde ich jeden, den du suchst.“
      Crocodemon ließ Gilor los.
      „Interessant. Das wäre mir nicht eingefallen, aber es passt mir gut in den Kram. Ich bin einverstanden. Du willst das Fell nicht für dich selbst, oder?“
      „Nein …“
      „Gut. Ich gebe dir ein Büschel und du bringst mir deinen Auftraggeber.“
      „Das ist eigentlich gegen die Regeln der Branche.“
      „Es war dein Angebot und ich habe es angenommen. Der Pakt ist gültig.“
      Das konnte nicht gut sein.
    • Kapitel Drei: Das geht niemals durch die Tür

      „Das geht niemals durch die Tür“, sagte Pia Tenaugen.
      Dimakia Johal gab es ungern zu, aber die menschliche Einbrecherin hatte Recht. Das Ausstellungsstück, wegen dem sie überhaupt in das Squire-Soul-Museum in Niansstadt eingebrochen waren, würde nicht auf dem Weg hinaus kommen, auf dem sie hinein gelangt waren.
      Der große Kessel mit den zahllosen angeschweißten Rohren und Schaltern passte durch keine normale Tür und war wohl durch den Haupteingang hinein gebracht worden.
      „Aber wir können nicht durch den Haupteingang raus“, wandte die graue Katze ein. „Das ist mitten in der Innenstadt, da gibt es Kameras.“
      „Weiß ich auch. Aber vielleicht …“
      Pia sah nach oben.
      Dimakia folgte ihrem Blick.
      „Das Oberlicht? Könnte klappen, aber wie kriegen wir das Riesending da hoch?“
      „Wie schon? Mit einem Flaschenzug.“
      „Sollten wir nicht doch was anderes nehmen?“
      „Das ist der Kessel, in dem Modani gemacht wurde. Der Ektogolem, der die Squire Soldiers für Wochen in Atem gehalten hat. Nichts anderes hier ist so wertvoll.“
      „Ich frag' ja nur.“

      Dimakia konnte Schlösser knacken und Alarmanlagen ausschalten, aber im Fassadenklettern und Abseilen war sie Anfängerin. Daher staunte sie nicht wenig, als die doch etwas untersetzte Pia mühelos an der Decke herumturnte und aus ihrer Ausrüstung und etwas Museumseinrichtung einen Flaschenzug improvisierte.
      „Häng den Kessel dran!“, rief die Menschenfrau und ließ das Seilende mit den vier Spanngurten fallen.
      Dimakia machte sich wortlos an die Arbeit. So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Das hatte mehr etwas von Umzug als von Fischzug.
      „Ist fest!“, meldete Dimakia.
      Die Wachfrau war in ihr Büro eingesperrt, ihr Handy hatte Dimakia in der Tasche und die Telefonleitung war zusammen mit der Alarmanlage lahmgelegt, also konnten die Einbrecher so laut sein, wie sie wollten.
      Ein weiteres Seil kam herunter. Weiter oben hing bereits Pia daran, doch ihr Gewicht genügte nicht ganz, um den Kessel bis zur Decke zu heben. Also zog Dimakia und schließlich war Pia unten und der Kessel oben.
      Pia band das Seil um eine fest installierte Vitrine in der ein unförmiges rotes Ding lag
      „Willst du außen aufs Dach steigen oder hier das Seil hoch und das Fensterschloss knacken?“, fragte sie.
      „Äh … muss ich?“
      „Alleine wuchte ich das Ding nicht da durch.“
      „Dann lieber das Seil.“

      Dimakia hing unter dem Oberlicht und fummelte im Schloss herum. Es war kein schwieriges Schloss, aber die Perspektive war ungewohnt. Dennoch schnappte es bald auf. Pia hob von draußen das Fenster an.
      Es ließ sich nicht das ganze Oberlicht öffnen, aber die Öffnung war groß genug für den Kessel.
      „Dann reich mal das Seil rüber. Ich binde es hier oben fest und dann machst du den Kessel vom Flaschenzug los und kommst rauf, damit wir ihn hochziehen können.“

      Bis zu „Kessel vom Flaschenzug los“ funktionierte es. Dann merkte Dimakia, dass sie am falschen Seil hing.
      Die Katze baumelte am Kessel, der unter dem Oberlicht hing.
      „Wie hast du denn das gemacht?“
      „Ich mach das zum ersten Mal, okay?“
      „Also, ich ziehe dich jetzt nicht auch noch hoch. Kletter rauf!“
      Dimakia versuchte es. Aber der Kessel war so groß, dass sie nicht an ein Rohr oder ein anderes vorstehendes Stück kam. Und ganz umfassen konnte sie das Ding erst recht nicht.
      „Das klappt so nicht, lass noch ein Seil runter.“
      „Ich hab keins mehr.“
      „Das Seil vom Flaschenzug liegt auf dem Boden, das müssen wir eh einsammeln.“
      „Na gut, ich komme runter!“

      Dimakia kam sich vor wie die letzte Idiotin, während sie darauf wartete, dass Pia vom Dach stieg und wieder durch den Seiteneingang herein kam.
      Sie wartete erstaunlich lange. Zu lange.
      Dafür bemerkte Dimakia etwas anderes. Da waren Leute im Museum. Mehrere.
      Vermutlich hatte Pia sie gesehen und blieb daher draußen.
      Dimakia sah nur eine Lösung. Sie musste sich losbinden und fallen lassen.
      Sie löste den Sicherheitsknoten vor ihren Hüften und hielt sich nur noch mit den Pfoten fest. Langsam rutschte sie zum Ende des Seils, da sah sie schon Lichtkegel von Taschenlampan aus dem nächsten Raum.
      „Wer ist hier?“
      Dimakia ließ sich fallen. Sie kam auf den Füßen auf und huschte gerade nicht rechtzeitig hinter die Vitrine an der das Flaschenzugseil angebunden war, bevor zwei Polizisten den Raum betreten. Und die Wachfrau.
      „Hallo? Hier ist doch jemand!“
      „Die sind durchs Oberlicht weg“, begriff der zweite Polizist. „Wieso kann man das überhaupt öffnen?“
      „Weiß ich doch nicht“, antwortete die Wachfrau.
      Wie kam Dimakia da nur raus?
      Die Antwort kam plötzlich und in Form eines riesigen Kessels, der von der Decke fiel. Pia musste ihn losgebunden haben um die Polizisten und die Wachfrau abzulenken und das funktionierte auch ganz gut. Zu gut vielleicht. Der Kessel prallte vom Boden ab, sprang herum und zerschlug Vitrinen. Die Uniformierten sprangen in Deckung. Dimakia stand auf. Die Vitrine vor ihr war zerschmettert, das rote Ding lag ungeschützt da.
      Besser als nichts. Dimakia schnappte sich das komische Objekt und rannte zum offenen Nebeneingang.
    • Kapitel Vier: Traumsendung

      Kaia hörte eigentlich nie Radio. Dass die junge Rotkatze es nun doch tat, lag daran, dass sie Fernsehverbot hatte, vom Wohnzimmer aus nicht an den Computer kam und irgendetwas einschalten musste, um das Gespräch in der Küche nicht hören zu müssen. Um zum Computer oder nach draußen zu kommen hätte sie durch die Küche gehen müssen und das kam nun erst recht nicht infrage. Ihre Mutter und deren Freundinnen sprachen leider selten über jugendfreie Dinge.
      Im Radio lief eine bescheuerte Sendung in der ein Elefant dauernd Leute aus Versehen umbrachte. Es schien eine Parodie auf irgendetwas zu sein, das Kaia nicht kannte.
      Oh nein! Das war ja mal mein Kollege! Törööö!“
      Wer hatte diesen Text geschrieben?
      Plötzlich änderte sich das Programm. Das komische Hintergrundrauschen der Elefantensendung verschwand und eine Melodie war zu hören. Eine merkwürdige Melodie, von der Kaia ein bisschen schwindelig wurde. Nur ein wenig. Sie lehnte sich im Sessel zurück. Funken tanzten vor ihren Augen. Besser sie schloss sie kurz. Nur um sie mal auszuruhen.

      Ein Radio tanzte im Nichts. Es war ein tragbares Radio, wie Kaia es nur aus Comics kannte. Aus seinen Lautsprechern kam irgendwie ein Regenbogen, der das Nichts überbrückte. Kaia merkte, dass sie auf dem Regenbogen stand. Zusammen mit einem großen, nicht-anthropomorphen Elefanten.
      „Wo bin ich?“, fragte der Elefant und machte einen Schritt, bei dem er beinahe auf Kaia trat.
      „Das fragst du?“, fragte Kaia zurück. „Bist du überhaupt echt?“
      „Nein, aber ich bin trotzdem verwirrt. Törööö!“
      Hier spricht die Königin der Nacht!“, tönte es aus dem Radio.„Funktioniert das mit diesem Apparat? Hört ihr mich? Träumt ihr mich?“
      Ich höre Sie, aber ich sollte Sie nicht hören“, sagte eine Stimme.
      Kaia kannte diese Stimme. Das war Dominian, ein Weißer Hirsch, der eine Anrufer-Talkshow im Radio und Fernsehen hatte. Aber die gab es doch nur nachts?
      Gehen Sie bitte aus dieser Frequenz raus, das ist ein Rdiosender.“
      Radio! Perfekt! Hört auf meine Stimme! Gehorcht der Königin der Nacht! Öffnet das Unterirdische Sternenreich!“
      Der Elefant machte noch einen Schritt. Kaia sah sich selbst von außen, als sie zerquetscht wurde wie eine Tomate und rote Pampe auf dem Regenbogen verteilt wurde.
      „Oh nein“, sagte der Elefant. „Das war ja mal Kaia. Törööö!“
      Wir haben bereits die Polizei eingeschaltet. Verlassen Sie die Frequenz bevor die Polizei Sie findet!“
      Mein Sender ist ein magischer Talisman! Den findet niemand!“
      Doch, unsere Polizei hat Ausrüstung genau dafür.“
      Oh. Wirklich?“
      Ja.“
      Ich hypnotisiere überhaupt niemanden, oder?“
      Nein, ich glaube nicht.“
      Meine Rache wird furchtbar sein!“

      Kaia schlug die Augen auf. Sie saß im Wohnzimmersessel. Draußen war es dunkel. Laut Uhr war es nach eins.
      „Wieder wach?“, fragte Kaias Mutter.
      „Was?“
      „Du bist vor dem Radio eingeschlafen.“
      So, nachdem wir nun wieder allein auf der Frequenz sind, fangen wir an mit unserer ersten Anruferin und das ist Aujilei, 47. Hallo, Aujilei!“
      Hallo, Dominian. Hier in Niansstadt passiert gerade was ganz merk … krrrrrrrr …“
      Aujilei? Ich hör gerade, sie ist weg. Wir versuchen, sie nochmal anzurufen.“
      Nua machte aus.
      „Ab ins Bett. Du hast zwar schon geschlafen, aber es ist trotzdem Nacht.“
      Kaia war damit zufrieden. Hoffentlich würde sie nicht wieder von dem blöden Elefanten träumen.
    • Kapitel Fünf: Der Dämon hat ein Messer

      Vor langer, langer Zeit, genau gesagt im Jahr 1984, lebten im Dreieck zwei Einhörner.
      Das Dreieck war ein Land, das so hieß, weil es die Form eines Dreiecks hatte und die beiden Einhörner wohnten fast in der Mitte, in einer riesigen, ausgehöhlten Perle.
      Das eine Einhorn war eine Stute und hieß Tornada. Tornada hatte ockerfarbenes Fell und hellgraues Langhaar. Ihre Augen waren silbern und ihr Horn hellgrau. Auf jeder ihrer Flanken hatte sie aus dunkelgrauem Fell das Bild eines Tornados.
      Das andere Einhorn war Tornadas Schwester Kugelblitz. Kugelblitz hatte grelles, gelbes Fell und ganz weißes Langhaar. Ihre Augen waren rot und ihr Horn war hellblau. Auf jeder Flanke hatte sie das Bild einer hellblauen Kugel, aus der rundum noch hellere, blaue Blitze ragten.

      Eines Tages standen Tornada und Kugelblitz an der Milchstraße und fütterten die Joghurtfische mit altem Brot. Da rannte plötzlich ein Glühhühnchen auf sie zu.
      „Ihr müsst mir helfen!“, rief das Glühhühnchen.
      „Wobei denn?“, fragte Tornada.
      „Bei meiner Offenschafherde ist ein Dämon! Und er hat ein Messer!“
      „Oh nein. Das sollten wir uns ansehen!“
      Tornada und Kugelblitz gingen zur Weide, auf der die Offenschafe grasten
      Offenschafe sind außen haarlos, aber ihr Bauch ist offen und auf ihren inneren Organen wächst die beste Wolle, die man im Dreieck bekommen kann.
      Und da stand auch wirklich ein Dämon. Es war ein Klingendämon. Das konnte man daran erkennen, dass sein Kopf eine Klinge mit einem Gesicht darauf war. Und er hatte auch wirklich ein Messer.
      „Was willst du mit dem Messer, sprich!“, befahl Kugelblitz.
      „Ich bin Bladeface, der Klingendämon!“, rief der Dämon. Und das war natürlich gar keine Antwort auf Kugelblitz' Frage.
      Und dann warf der Dämon ein Schaf um und griff in seinen Bauch.
      „Das darfst du nicht!“, rief Tornada. „Die Schafe gehören dem Glühhühnchen!“
      Das war dem Dämon aber egal. Er begann, die Herzwolle abzuscheren, denn das war die beste Wolle des Offenschafes.
      Da benutzte Tornada ihre Magie und schickte einen kleinen Tornado, der den Dämon vom Schaf wegriss.
      Deshalb wurde der Dämon sehr wütend. Er hob sein Messer und rannte auf die beiden Einhörner zu.
      Aber da benutzte Kugelblitz ihre Magie und hüllte sie beide in ein elektrisches Feld. Und als der Dämon zu nahe kam, bekam er einen Schlag und sprang zurück.
      „Gehst du jetzt weg?“, fragte Tornada.
      „Ja!“, sagte der Dämon. Aber dann rief er noch: „Aber ich komme wieder.“
      Dann lief er davon.
      „Jetzt müssen wir wohl die Schafe bewachen“, sagte Kugelblitz.
      Tornada nickte.

      In der Nacht kam der Dämon wieder, aber er hatte noch zwei andere dabei. Der eine war ein Krokodildämon, aber er hatte ein Fell. Der andere war eine Echse und schwarzgelb gefleckt.
      „Verschwindet!“, rief Tornada. „Die Offenschafe gehören euch nicht!“
      „Ich brauche die beste Wolle um Bettzeug zu weben, die mich direkt auf die Traumebene bringt!“, rief der Krokodildämon zurück. „Denn da ist die Person, der dieser Vollidiot meine Haare gegeben hat!“
      Als er das böse Wort sagte, zeigte der Dämon auf die Echse.
      „Dann kauft Wolle vom Glühhühnchen, wie alle anderen auch!“
      „Ich bin der mächtige Crocodemon! Ich bezahle niemals für etwas!“
      Da schickte Tornada drei Tornados, aber der Krokodildämon pustete und die Tornados lösten sich auf. Und Kugelblitz schoss einen Kugelblitz auf den Dämon, aber er packte den Klingendämon und schlug den Kugelblitz mit dessen Kopf weg.
      „Was machen wir jetzt?“, fragte Kugelblitz.
      „Wir verprügeln sie einfach“, sagte Tornada.
      „Aber der eine Dämon hat ein Messer.“
      „Lauf mit deinem elektrischen Feld auf sie zu, wenn er einen Schlag kriegt, lässt der Dämon das Messer bestimmt fallen.“
      Genau das tat Kugelblitz. Alle drei Dämonen bekamen einen elektrischen Schlag und der Klingendämon ließ dabei sein Messer fallen. Dann sprangen die beiden Einhörner gegen den Krokodildämon, warfen ihn um und trampelten auf ihm herum, bis er aufhörte, sich zu wehren.
      „Die hätte ich damals dabei haben müssen“, sagte die Echse.
      Der Klingendämon versuchte, sein Messer wieder aufzuheben, aber Kugelblitz sah es und verprügelte ihn auch.
      Da hatten die Dämonen genug und liefen weg.
      Kugelblitz hob das Messer auf mit dem Maul auf.
      „Jetzt hat der Dämon kein Messer mehr“, sagte Tornada.
    • Kapitel Sechs: Ratten

      Krian streckte vorsichtig die Hand aus. Die Ratte vom Format eines großen Hundes schnüffelte daran. Dann nahm sie das gekochte Ei mit den Zähnen auf und zog sich wieder zurück.
      „Sie sind wirklich völlig harmlos“, versicherte der Züchter, ein weißer Hirsch. „Und viel klüger als Hunde. Ihr Orden wird begeistert sein.“
      Krian sah Simka an. Die Katze wirkte skeptisch und bestätigte diesen Eindruck auch sogleich.
      „Ich bin nicht sicher, dass wir Tiere wollen, die viel klüger sind als Hunde. Die Hunde erfüllen schließlich ihren Zweck und wir wissen, dass sie nicht rausfinden, wie sie ins Vorratslager kommen, wo ihr Futter aufbewahrt wird.“
      Krian nickte. Der Fuchs stimmte Simka meistens zu. Deshalb funktionierten die beiden Ritter so gut als Team.
      „Ratten haben auch den großen Vorteil, dass sie keine anthropomorphe Variante haben“, gab der Züchter zu bedenken. „Niemand wird sich unwohl fühlen, wenn Ihr eine Ratte nachts draußen anbindet oder sie auf gefährliches Wild hetzt.“
      Das stimmte. Hunde machten Krian als Fuchs manchmal etwas betroffen.
      „Außer der Ratte“, wandte Simka ein. „Wenn sie so viel klüger ist als ein Hund, will ich ihr das vielleicht nicht antun.“
      „Aber sie tut es gerne. Ratten sind sehr loyal. Seht, sie teilt das Ei mit den anderen.“
      Die Ratte hatte des Ei geöffnet und ließ tatsächlich auch die anderen davon fressen, auch wenn damit für jede nur ein kleiner Bissen blieb.
      Plötzlich erstarrten die Ratten. Dann stellten sich ihre Ohren und ihr Fell auf, sie fiepten leise. Und zogen sich in ihren Stall zurück.
      „Ratten bemerken Gefahren, die ein Hund übersehen würde“, behauptete der Hirsch.
      Simka und Krian hatten ihre Schwerter bereits gezogen.
      „Aber wo ist die Gefahr?“, fragte Krian.
      Simka zeigte zum Himmel.
      Über das abendliche Firmament zog sich eine lila Lichtkugel, nur um hinter dem nächsten Hügel zu landen, alles in violettes Licht zu tauchen und dann zu erlöschen.
      Das letzte Mal, als Krian etwas Ähnliches erlebt hatte, hatte er anschließend gegen eine Art wütenden Monsterball kämpfen müssen.
      „Das sollten wir uns ansehen“, fand Simka.
      „Nehmt Listamori mit. Sie ist eine ausgebildete Erkundungsratte“, bot der Züchter an.
      „Haben sich die Ratten nicht alle verzogen?“, fragte Krian.
      Der Hirsch blies in eine kleine Pfeife und eine Ratte huschte aus dem Stall, kletterte mühelos über das Gatter und blieb neben ihrem Herrchen stehen. Dann ließ sie sich bereitwillig eine Leine anlegen.
      „Der Zaun ist nutzlos“, urteilte Simka.
      „Der ist nur da, damit sich niemand fürchtet.“
      „Und die Leine?“
      „Könnte sie leicht durchbeißen. Tut sie aber nicht.“
      Der Rattenzüchter drückte Simka das Ende der Lederleine in die Hand.
      Die Ratte sah das und verstand offenbar sofort. Sie stellte sich neben Simka und wartete.
      „Na gut. Versuchen wir das.“

      Der Ratte gefiel die Richtung nicht, aber sie kam widerstandslos mit Simka mit. Die Ritter umrundeten den Hügel auf verschiedenen Seiten, nur um sicherzugehen.
      Was sie auf der anderen Seite vorfanden, war überraschend. Der Einschlagskrater war minimal, als hätte die Lichtkugel die Fähigkeit gehabt, abzubremsen. Und was da nur ein wenig in die Erde gebohrt lag, sah aus wie ein glänzender, metallischer Sarg.
      Obwohl sie sich sichtlich unwohl fühlte, trat Listamori an das Ding heran und beschnupperte es. Der Geruch schien nicht beruhigend zu wirken.
      Als sich der Sarg auch noch öffnete, kehrte die Ratte zurück an Simkas Seite.
      Krian hielt Schwert und Schild bereit, während sich der Metallkasten weiter öffnete. Schließlich war zu erkennen, was, oder eher wer, darin lag.
      Es war eine menschliche Frau mit helllila Haut und sehr knapper Kleidung. Sie trug einen fremdartigen lila Kopfschmuck und ihre wenige Kleidung schien mit dem gleichen lila Metall gepanzert. Auch ihr zusammengebundenes Haar hatte diesen Ton.
      Die Frau setzte sich auf und öffnete gelbe Augen.
      War das wirklich ein Mensch? Oder nur etwas, das einen Menschen imitierte?
      Der Blick der Fremden wanderte von Krian zu Simka und schließlich zu Listamori.
      „Ah. Kind der Nacht. Komm zu deiner Königin!“
      Und es geschah genau das, was laut dem Rattenzüchter nicht passieren würde. Die Riesenratte durchtrennte mit einem Biss die Leine, die sie hielt, und verschwand so schnell in der Dunkelheit, dass Krian kaum eine Bewegung wahrnahm.
      Die Frau in lila stieg ganz aus dem Sarg.
      Krian war sich sicher, diese „Königin“ bedeutete Ärger.
    • Kapitel Sieben: Ein schöner Abend

      Jila sah sich im averoignischen Restaurant um. Die Einrichtung war hell, der Teppich rot, die Wände weiß, die Kerzenhalter Gold. Die Tische waren das Dunkelste, sicher auch irgendein teures Holz. Entsprechend hatte sich auch Jila in Schale geworfen und trug das rote Abendkleid, das sie von Nua bekommen hatte und sogar etwas grünen Lidschatten, obwohl sie sich normalerweise nicht einmal für die Arbeit schminkte.
      Die Wildkatze mit dem Leopardenmuster trat an das Pult am Empfang, hinter dem ein Fuchs im Frack stand.
      „Sie haben reserviert?“, erkundigte er sich.
      „Ja, also, nein, nicht ich, ich treffe hier jemanden, es gibt einen Tisch reserviert auf 'KatzeSuchtKatze4vC'.“
      Die Nase des Fuchses hob bewegte sich etwa einen Zentimeter nach oben.
      „Ja, den gibt es leider tatsächlich. Mein Kollege führt Sie hin.“
      Der Kollege war ebenfalls ein Fuchs in einem Frack und sah sie genauso verächtlich an.
      Jila verstand, warum. Einen Tisch unter einem Nickname zu reservieren war seltsam und irgendwie unelegant. Und dass sie eine anonyme Kundin traf, war auch nicht normal, aber sie hatte nicht nur einen Haufen Geld geboten sondern es auch im voraus überwiesen.
      Jila folgte dem Fuchs zu einem Tisch, an dem eine Alonokatze in einem weißen Kleid saß. Eine Alonokatze, die sie kannte.
      „Alika?“, fragte Jila.
      „Jila!“, antwortete die und stand auf. „Da bist du ja! Schön dich zu sehen!“
      Alika umarmte Jila, die noch zu verwirrt war, um die Geste zu erwidern.
      „Wieso buchst du mich auf meiner Seite? Du kannst mich doch jederzeit anrufen.“
      Alika ließ los und setzte sich wieder. Jila setzte sich gegenüber.
      „Ach weißt du, ich kann das hier alles als Spesen verbuchen. Ich treffe dich nämlich geschäftlich.“
      „Was machst du denn jetzt? Bist du immer noch bei Kroisos-Bionik?“
      „Fast. Ich habe mich zu Kroisos-Meditech versetzen lassen.“
      „Und wie passe ich da rein?“
      „Später. Lass uns erstmal das Geld der alten Ente verprassen. Kellner!“
      Ein Seehund kam. Alika bestellte etwas aus der Karte und sprach es schrecklich falsch aus, aber Jila verstand, dass es sich um die Zwiebelsuppe handelte. Sie selbst bestellte auch eine.
      „Wie läuft es bei dir so?“, fragte Alika, als der Seehund wieder weg war. „Ich hätte ja nie gedacht, dass du mal als Edelprostituierte arbeitest.“
      „Tue ich auch nicht.“
      Das geschah immer wieder. Die Leute buchten, bevor sie sich das Angebot durchgelesen hatten.
      „Ich bin eine Begleiterin. Man kann mit mir ausgehen, irgendwelche Feste besuchen, mit den Eltern zu Abend essen und ich spiele dann die Freundin.“
      „Kein Sex?“, fragte Alika mit gespielter Enttäuschung.
      „Kein Sex gegen Geld“, präzisierte Jila.
      Mit den meisten Kunden lief tatsächlich gar nichts, aber es kam natürlich ab und zu vor, dass ihr einer gefiel. Und auch dieser Abend mochte im Bett eines teuren Hotelzimmers enden, vorausgesetzt, Alikas eigentliches Anliegen stand dem nicht im Wege.
      Die Suppe kam. Das war schnell gegangen. Wärmten sie die etwa nur auf? Schönes Nobelrestaurant.
      Alika stieß sofort ihren Löffel durch die Decke aus geschmolzenem Käse.
      „Der Käse ist toll. Aber ich wünschte, die Suppe hätte noch eine Fleischeinlage. Ach ja – Kellner, wir bestellen noch den Hauptgang!“
      Es überraschte Jila gar nicht, dass Alika rohes Mett bestellte und das sogar richtig aussprach. Jila selbst nahm lieber die Muscheln.
      Jila probierte ihre Suppe. Ja, der Käse war gut und die Suppe selbst etwas schlicht, aber es war ja auch nur die Vorspeise.
      Als auch dieser Kellner endlich weg war, musste sie fragen.
      „Was will nun Kroisos-Medtech von mir?“
      „Müssen wir schon darüber reden?“
      „Ja, das müssen wir.“
      „Na gut. Du warst doch dabei, als Kat und Ket den alten Schatzhort der Ritter von Thaine ausgegraben haben.“
      „Ich habe nicht gegraben. Ich war immer für die Theorie zuständig.“
      „Aber du warst mal bei der Ausgrabungsstelle.“
      „Klar.“
      „Und du erinnerst dich an die Stasiskammer?“
      Jila hätte die Raumkapsel mit Stasisfunktion aus dem Gedächtnis nicht mehr mit dieser Ausgrabung in Verbindung gebracht, aber jetzt wo Alika es sagte, erinnerte sie sich gut.
      „Oh ja, das Ding. Außerirdische Technologie. War sehr spannend. Klar, dafür interessiert sich Kroisos.“
      „Und dann ist das Ding irgendwie verschwunden.“
      „Es wurde sichergestellt. Gab ein langes Theater darüber, wer dafür zuständig ist. Die Ritter von Thaine, die Raumflotte, die Spezialeinheit für Archäologie und Kunst … die Uni hat es so lange irgendwo aufbewahrt.“
      „Und du weißt nicht zufällig, wo es letztlich gelandet ist?“
      „Nö. Ich hab nichts mehr davon gehört. Vielleicht lagert die Uni es immer noch irgendwo, vielleicht ist es bei irgendeiner Behörde.“
      „Und könntest du es … herausfinden?“
      Jila lachte.
      „Ich habe doch nichts mehr mit der Uni zu tun.“
      „Du nicht. Aber Ket.“
      „Ah. Und da ich ihn gut kenne, soll ich mal versuchen, was aus ihm rauszukriegen.“
      „Ja, so dachte ich mir das.“
      Alika grinste, was bedeutete, sie zeigte ihr blitzend weißes Raubtiergebiss.
      „Ne“, sagte Jila.
      „Hm?“
      „Vergiss es. Ich spiel doch nicht den Schnüffler für eine reiche Ente, die noch reicher werden will und lege dazu meine Freunde aufs Kreuz.“
      Soviel zu einem schönen Abend.
      „Okay. Dann nicht.“
      Alika schien es tatsächlich egal zu sein.
      „Moment, was?“
      „Es ist mir doch egal, ob ich tatsächlich an das Ding ran komme oder nicht. Klar, es wäre vielleicht eine Gehaltserhöhung drin, aber die brauche ich nicht. Wenn ich hier nicht voran komme hakt Kroisos das ab und schickt mich woanders hin.“
      „Du hast den Auftrag nur genommen, weil du mich in dieses sündhaft teure Restaurant einladen wolltest, stimmt's?“
      „Kann sein. Übrigens wohne ich solange ich hier bin in auch in einem sündhaft teuren Hotelzimmer.“
      Na bitte. Das wurde ja doch noch was.
    • Kapitel Acht: Der Tempel des Allzahn

      Dimakia Johal überquerte eine schmale Hängebrücke. Tief unter ihr, am Boden der Schlucht, wartete ein Fluss voller hochgiftiger Süßwasserschlangen, vor ihr wartete ein Pfad durch den Dschungel und hinter ihr erhob sich der uralte Tempel des Haigottes Allzahn, aus dem sie gerade einen goldenen Riesenhaizahn entwendet hatte.
      Dass sich der Tempel erhob bedeutete in diesem Fall, dass er aufstand und sich Teile von ihm verschoben, bis er eine riesige humanoide Gestalt angenommen hatte. Das Haigesicht am Eingang war nun auch voll beweglich und ausgestattet mit Obsidianzähnen.
      Entsprechend überquerte Dimakia die Hängebrücke sehr schnell. Der Koloss konnte ihr wohl kaum folgen, aber sehr leicht die Brücke hinter ihr zerstören.
      Leider war es eine sehr lange Brücke. Während sich der aufgerichtete Tempel orientierte, während er nach ihr Ausschau hielt, während er sie entdeckte und langsam auf die Brücke zu stapfte, schien Dimakia dem anderen Ende der Schlucht kein Stück näher zu kommen.
      Die Katze musste sich nicht umdrehen um zu wissen, dass der Tempel die Brücke nun erreicht hatte.
      Würde er versuchen, sie zu betreten? Oder sie einfach abreißen? Oder gar nichts tun, weil er die Situation nicht verstand?
      Ein Ruck ging durch die Brücke, als der Koloss stattdessen in die Schlucht sprang. Mit wenigen Schritten war er unter Dimakia – warum war er jetzt so schnell? – sah nach oben und riss sein Maul auf.
      Und egal wie schnell Dimakia lief, das Maul blieb immer unter ihr, auf und zu schnappend.
      Dann griff der Tempel nach oben und steinerne Hände versperrten der Diebin den Weg vor und zurück.
      Dann rissen sie an der Brücke und Dimakia fiel. Sie stürzte in das Haimaul, vorbei an den schwarzen Zähnen, auf eine Rutsche und in die Tiefe des Tempels und schließlich ins Wasser.
      Kurz war sie orientierungslos, dann kam sie an die Oberfläche.
      Sie war nicht in einem Tempel. Sie war in einem Freibad. Kinder spielten auf einer aufgeblasenen Gummiinsel oder rutschten eine Wasserrutsche hinunter und am flachen Ende lagen ein paar Leute, die Dimakia kannte.
      „He, komm doch rüber!“, rief Kat, die Kojotin.
      „Hier gibt es Massagedüsen!“, fügte Grolog, der Krokodilwurm, hinzu.
      Natürlich war Grolog in Wirklichkeit tot.
      Etwas tauchte vor Dimakia aus dem Wasser auf. Es sah aus wie ein Krokodil, aber es hatte Fell.
      „Du bist es“, sagte es. „Du träumst das hier!“
      Ach, ein Traum war das? Das erklärte ein paar Dinge. Einschließlich des Krokodils mit Fell. Oder warum ein Tempel des Allzahn mitten im Dschungel stand statt an der Küste.
      „Ja“, antwortete Dimakia. „Warum?“
      „Du hast meine Haare besessen. Wem hast du sie gegeben?“
      „Deine Haare?“
      „Oder das Amulett, das mit ihnen gemacht wurde.“
      „Amulette habe ich im Laufe meines Lebens viele gehabt …“
      Theoretisch war das Krokodil furchterregend. Es war ziemlich groß und hatte das Gebiss eines wilden Krokodils. Aber Dimakia konnte sich gerade nicht richtig fürchten.
      „Kannst du das Amulett beschreiben?“, fragte sie.
      „Natürlich nicht. Was weiß ich denn, in welche Form sie es gegossen hat?“
      „Dann weiß ich auch nicht weiter.“
      „Du hattest es vor vielen Jahren. Vor mehr als zehn Jahren, mindestens.“
      „Hm. Dann kann es gut sein, dass ich es an meinen Hehler verkauft habe. He, da ist er ja.“
      Im Wasser schwamm nun der Hehler Karian, ein großer, kräftig gebauter Fuchs mit blauem Fell.
      „Wer ist das?“
      „Karian. Na ja, so sah er damals aus. Ich mache schon lange nur noch Auftragsarbeiten, also habe ich ihn seit Jahren nicht gesehen.“
      „Ein Name und ein Gesicht. Besser als nichts.“
      Das Krokodil tauchte wieder unter.
      Dimakia zuckte mit den Schultern.
      Dann tauchte wieder etwas auf. Der Tempel war sehr viel kleiner als zuvor, hatte aber immer noch die bedrohlichen Obsidianzähne.
      „Och ne. Nicht schon wieder.“
    • Kapitel Neun: Throwdor!

      „Throwdor!“, rief der blauhäutige Halbriese seinen Namen und demonstrierte sogleich, wofür er ihn bekommen hatte, indem er Gilor wie ein Katapult zehn Meter weit durch die Luft warf.
      Der Echsenmann landete hart auf dem Bauch.
      So ein Mist. Dabei war der Plan so gut gewesen.
      Er hatte seinem Auftraggeber das Fellbüschel gegeben und war dafür bezahlt worden. Dann hatte er die vorbereitete Geschichte über den Schatz erzählt, um ihn zu Crocodemon zu locken.
      Leider hatte der Kerl ihn durchschaut und seinen hünenhaften Leibwächter auf ihn gehetzt.
      „Throwdor!“, sagte besagter Leibwächter nun zufrieden und kehrte zurück in die kleine Festungsanlage.
      Gilor brauchte einen neuen Plan.
      Langsam ging er den gewundenen Weg den steinigen Hügel hinab und hinter einen besonders großen Felsen.
      „Und?“, fragte Crocodemon.
      „Er ist nicht darauf reingefallen.“
      „Dann mach es anders. Du hast gesagt du bringst ihn mir.“
      „Ich habe gesagt, ich kann finden, wen du willst. Dass ich ihn bringen soll, hast du gesagt.“
      „Und du hast das Fellbüschel zu meinen Bedingungen angenommen.“
      „Nur weil du gesagt hast, der Pakt sei bereits gültig.“
      „Jemanden zu finden, ja. Ihn mir auch zu bringen war erst damit festgeschrieben.“
      Diese Dämonen und ihre Wortklauberei.
      „Ich bringe ihn dir ja. Aber ich brauche einen neuen Ansatzpunkt. Am besten steige ich in der Nacht über die Mauer. Da wird er entweder in seiner Schreibstube oder im Schlafzimmer sein.“
      „Weißt du, wo das Schlafzimmer ist?“
      „Nicht genau, aber es kann nicht so weit von der Schreibstube sein.“
      „Es ist einen Versuch wert.“

      Gilor war ganz gut im Fassadenklettern. Seine kleinen Krallen hielten sich in Mauerritzen und wenn er seine gelben Flecken nur etwas einstaubte, war er auch unauffällig.
      Unbemerkt kam er oben auf der Mauer an.
      Und da in der Schreibstube brannte noch Licht. Der Hof hingegen schien leer zu sein.
      Perfekt. Gilor musste nur runter, zum Fenster hoch, seinen Auftraggeber aus dem hinterhalt überfallen und mit seinem Gift betäuben. Der Rückweg wäre dann natürlich schwerer, aber für den Notfall hätte er ja dann eine Geisel.
      Der Kopfgeldjäger kletterte die Mauer hinab und ließ sich den letzten Meter fallen.
      „Hallo“, sagte jemand.
      Gilor zuckte zusammen. Da, so dicht an der Wand, dass er von oben nicht zu sehen gewesen war, stand sein namenloser Auftraggeber mit der Metallmaske.
      „Ich dachte mir schon, dass du so schnell nicht aufgibst. Ich rate dir aber dazu, denn meine Sicherheitsmaßnahmen sind lückenlos.“
      „Du verstehst das falsch“, versuchte Gilor es noch einmal. „Wir werden beide reich, wenn du mitkommst!“
      „Und um mir das zu sagen, steigst du nachts über die Mauer. Ich verzichte. Throwdor?“
      „Throwdor!“
      Eine große Hand packte Gilor von hinten. Der Halbriese würde ihn doch nicht …
      „Throwdor!“
      Hatte Throwdor ihn das letzte mal noch in einer eher flachen Parabel geworfen, so stieg Gilor nun fast senkrecht auf, um auf der anderen Seite der Mauer wieder auf den Boden zu prallen.

      „Das war wohl wieder nichts“, urteilte Crocodemon.
      „Ich bin noch nicht fertig“, versicherte Gilor. „Das war nur eine von vielen Möglichkeiten, an jemanden heranzukommen, der sich in einer Festung verschanzt.“
      „Da bin ich ja gespannt.“
      „Morgen früh versuche ich es wieder. Ich muss mir nur eine gute Verkleidung besorgen.“

      Nach der Verkleidung versuchte Gilor die Bestechung eines Dieners. Dann das klassische hineinschmuggeln in der Ware eines Händlers und schließlich einen gefälschten königlichen Brief um das Opfer nach draußen zu locken.
      Alles endete gleich.
      „Throwdor!“
      „Ich glaube, er benutzt dich für Zielübungen“, vermutete Crocodemon. „Und er wird besser, er hat den einzigen Baum weit und breit getroffen.“
      „Sehr lustig“, erwiderte Gilor beim Abstieg vom Baum. „Mir reicht's. Mach den Quatsch alleine, ich gehe.“
      „Wie du meinst. Aber vergiss nicht, dass der Pakt trotzdem noch gilt.“
      „Und wie willst du ihn durchsetzen, hm?“
      „Das erledigt sich eigentlich von selbst. Wenn du nämlich stirbst, bevor du deinen Teil erfüllt hast, gehört deine Seele mir.“
      Verdammt. Im Wortsinne.
      „Na gut. Eine Idee habe ich noch.“

      Die Idee war schlecht. Sie bestand im Grunde darin, an der Tür zu klopfen und demütig um ein Gespräch zu bitten. Wie vorhergesehen bestand der Burgherr darauf, dass Gilor all seine Waffen ablegte. Zudem hielt Throwdor ihn die ganze Zeit fest.
      Und sie trafen sich im Burghof, wo es genug Platz zum Werfen gab.
      „Also, warum willst du wirklich, dass ich mit dir komme?“, fragte der Auftraggeber.
      „Ich musste einen Pakt mit dem Dämon schließen um sein Fell zu bekommen. Er will meinen Auftraggeber.“
      „Das ist doch schon eine viel glaubwürdigere Geschichte als irgendein Schatz. Aber warum sollte ich mich darauf einlassen?“
      „Der Dämon ist groß und gefährlich, aber nicht unverwundbar. Wir gehen zu ihm, dann ist der Pakt erfüllt. Wahrscheinlich will er nur von dir wissen, wozu du sein Fell brauchst. Falls er dich nicht mehr gehen lassen will, befreie ich dich. Und zur Sicherheit kannst du ja deinen Throwdor mitnehmen.“
      „Throwdor!“, bestätigte Throwdor, womit er wohl ausdrücken wollte, dass er keine Angst vor einem Dämon hatte.
      Der Auftraggeber lachte, was dank der metallenen Maske ziemlich unheimlich klang.
      „Wenn du dich nicht darauf einlässt, wird dich der Dämon weiter verfolgen“, gab Gilor zu bedenken.
      „Nein, das wird er nicht. Denn der Auftrag kommt gar nicht von mir.“
      Was?
      „Wie soll ich das verstehen?“
      „Ich bin nur ein Mittelsmann. Der Auftrag kommt von jemand viel mächtigerem.“
      Das fehlte gerade noch.
      „Von wem?“
      „Der Herrin der Träume. Der Königin der Nacht.“
      „Du meinst Ph-“
      „Sprich ihren Namen nicht aus. Aber ja. Sie.“
      „Aber sie wohnt …“
      Gilor zeigte zum dunkleren der beiden Monde, die gerade aufgingen.
      „Dann hoffe mal, dass dein Dämon einen Weg hat, da hin zu kommen.“
      Elende Rattenpisse.
      „Dann muss ich ihm wohl die schlechten Neuigkeiten überbringen.“
      „Oh, du musst nicht zu Fuß gehen.“
      „Hm?“
      „Throwdor!“
    • Kapitel 10: Die einzige Hoffnung

      Logbuch der SZR Perseus, Kommandierender Offizier Fuchs Ferrow. Das Datum ist unbekannt, begonnen hat dieser Mist am Siebten September 2000. Das Artefakt, das wir auf Outer Station aufgenommen haben, hat eine auf unbekannte Art mit dem FUM-Antrieb reagiert. Wir befinden und zweifellos noch am selben Ort aber in augenscheinlich sehr viel früher. Bis jetzt haben wir nicht herausgefunden, wie sich der Vorgang umkehren lässt.

      Fuchs, die Sensoren melden etwas Seltsames“, rief Dachs Raven, der Kommunikationsoffizier. Wie Ferrow war er ein Rotfuchs.
      „Es scheint baugleich mit unserer Fracht zu sein.“
      Interessant.
      „Könnte der blöde Kasten uns deshalb in die Vergangenheit geschickt haben?“, fragte Ferrow.
      „Schon möglich. Er könnte irgendeine Spur entdeckt haben, die in unserer Zeit noch existiert“, antwortete die Forschungsoffizierin, Dachs T'Cab, ein Fuchswolpertinger, also ein grauer Fuchs mit kleinen Hörnern.
      „Es ist sogar möglich, dass dieses Objekt nicht nur baugleich mit unserem Artefakt ist sondern sogar dasselbe.“
      Natürlich. Immer dieser Blödsinn bei Zeitreisen.
      „An Bord holen?“, fragte der Erste Offizier Dachs Dunkelfuß, eine nicht-anthropomorphe Stockente vom Mars.
      „Ja. An Bord holen.“

      EuleIo, der genmanipulierte Katzenseestern vom Jupitermond Europa und Leiter des Magicalogielabors stand vor der sargartigen Raumkapsel.
      Eigentlich hätte sie auf einer Forschungsstation mit ähnlichen Weltraumfunden verglichen werden sollen. Aber nun, wo die Perseus in der Vergangenheit festsaß, musste er sich darum kümmern.
      Nun ja, er und Eule Mand As, momentan Leiterin der Abteilung Teilchenphysik.
      „Vergesst nicht, dass dieses Ding unsere einzige Hoffnung ist, je wieder nach Hause zu kommen“, erinnerte Io das Team.
      Es bestand aus Wissenschaftlern aus allen Abteilungen, hauptsächlich aber der Teilchenphysik. Er selbst hatte nur eine einzige Assistentin, die natürlich auch dabei war. Wassermolch Kaili war das Phantom einer Maskenlöwin aus Grachadan.
      Obwohl sie als Teenager verstorben und seitdem physisch nicht gealtert war, galt sie inzwischen als volljährig und schwebte nun vor dem metallenen Kasten und versuchte vergeblich, die Hände durch das Material zu schieben.
      „Hören Sie auf, es bringt ja doch nichts“, befahl Io. „Ganz offensichtlich ist das Ding gegen Geister gesichert.“
      Kaili nickte und nahm sich stattdessen einen Ankorder um normale Untersuchungen vorzunehmen.
      „Alle Analysen sagen dasselbe“, meldete Mand As, ein genderfluider Mensch, momentan eine Frau. „Es ist magische Technologie und enthält deutliche Spuren göttlicher Essenz.“
      Achtung Magicalogielabor, hier spricht Dachs T'Cab. Wir bringen gerade ein zweites Objekt an Bord. Schicken Sie ein Team in Hangar C.“
      Ein neues Objekt? Nun, warum nicht. Mit diesem kamen sie ja doch nicht weiter.

      Ferrow selbst war natürlich dabei, als das zweite Artefakt in den Hangar geholt wurde. Der Traktorstrahl hatte es herangezogen, nun übernahmen die Greifer und trugen es durch das Kraftfeld, um es dann auf dem Boden abzusetzen.
      Ja, es sah genau aus, wie das, das sie schon hatten.
      „Werte wie bei unserem“, meldete Io. „Allerdings ist es aktiv. Es könnte sogar jemand drin sein.“
      Wie auf Stichwort, begann die Kapsel, sich zu öffnen. Im Inneren lag eine Person, die wie eine menschliche Frau aussah, wenn man von lila Haut und Haaren mal absah. Sie trug wenig und sehr knappe Kleidung und war offenbar hellwach.
      „Ich brauche gar kein Instrument um das zu spüren“, sagte Kaili. „Das ist eine Gottheit. Nicht die Mächtigste, aber trotzdem eindeutig.“
      „Nicht die Mächtigste?“
      Die Frau – die Göttin – stand plötzlich aufrecht.
      „Ich bin Phantos, Herrin der Träume und Königin der Nacht. Eine Uralte der Ersten Generation!“
      „Dann seien Sie uns willkommen, Frau Phantos“, versuchte Ferrow höflich zu grüßen.
      Die letzte Gottheit an Bord dieses Schiffes hatte einen seiner Offiziere entführt und zwei andere getötet.
      „Nur Phantos. Oder Eure Hoheit. Herrin ginge auch.“
      „Dann so: Willkommen, Eure Hoheit.“
      „Es geht doch. Das hier ist ein Raumschiff, oder? Die Technologie ist unvertraut, aber irgendwie … doch, ich kenne zumindest Ähnliche.“
      „Das kann schon sein. Wir kommen vom Planeten Erde.“
      „Erde … da klingelt irgendwas. Ich komme nicht drauf. Egal, ich kann alles nötige direkt aus euren Datenbanken erfahren.“
      Die Göttin trat aus der Kapsel und das sargförmige Objekt verändere sich plötzlich. Seine Struktur faltete sich auseinander und teilte sich in kleinere Elemente, die trotzdem verbunden blieben. Die Kabel im Inneren reichten bis an die Wände das Hangars und verbanden sich, ihre Form anpassend, mit den Kommunikationsknotenpunkten.
      „Das haben wir nicht so gerne“, sagte Dunkelfuß.
      „Wie niedlich, die Ente kann sprechen. Moment. Etwas stimmt hier nicht. Eure Systeme zeigen an, dass meine Kapsel noch in einem anderen Teil des Schiffes ist? Aber sie ist zeitverschoben – oh, ich verstehe. Sie hat euch aus der Zukunft zu mir geholt.“
      Hier ist Eule Mand As. Die Kapsel hat sich gerade aktiviert. Und jetzt ist sie keine Kapsel mehr. Eher eine Art Spinne, die ihr Netz mit allen Bordsystemen verwebt.“
      Hier spricht Dachs Blai. Warum haben wir keinen Zugriff auf den Antrieb mehr?“
      Hier ist Dachs Raven von der Brücke. Wir können das Schiff nicht mehr steuern.“
      „Geben Sie und bitte die Kontrolle über unser Schiff zurück“, sagte Ferrow.
      „Und wenn ich das nicht tue?“
      „Ich bitte nicht noch einmal so höflich. Wir haben Methoden, um auch Götter außer Gefecht zu setzen.“
      „Davon würde ich abraten. So wie ich das sehe, bin ich eure einzige Hoffnung, wieder nach Hause zu kommen.“

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    • Kapitel Elf: Der ekligste Fund

      Kat Koyo sah sich vorsichtig um. Das faulende Fleisch des riesigen Tieres bildete eine Art Schlamm auf dem Boden, weshalb die Rippen schon größtenteils frei lagen und einen Anblick boten wie im Magen eines Zeichentrickwals. Die Atemmaske schützte vor dem Geruch aber leider nicht davor, dass sie knietief einsank.
      Hoffentlich hielt der Schutzanzug dicht …
      „Auf diesen Fund hätte ich wirklich verzichten können“, sprach Ket aus, was wohl alle dachten. Der Kojote war Kats Zwillingsbruder und im selben Kurs für Ausgrabungstechnik, dessen Leiter ein Stück zurückblieb und die Studenten vorschickte.
      „Persönliche Präferenzen kann ich nicht berücksichtigen“, erklärte Professor Tey, ein weiterer Kojote. „Jeder Fund muss genauestens untersucht werden. Dieses Monster war vielleicht für Jahrhunderte eingefroren, bevor es zu einem Matschhaufen wurde. Hier drinnen kann etwas liegen, das uns beim Datieren hilft und es ist eine gute Gelegenheit, um zu lernen, wie man Schlamm durchsiebt und eventuelle giftige Gase vermeidet.“
      „Kein Wunder, dass Dimakia sich gedrückt hat“, fand Katissa, die Menschenfrau mit dem blauen Haar.
      Jarken, der orange Kater, nickte.
      „Genug gejammert, an die –“
      Ein Stück vergammeltes Fleisch fiel von oben in den Schlamm und bespritzte nicht nur Kats Maske sondern zerstörte auch eine Art Blase, aus der nun grünlicher Nebel entwich. Großartig.

      Das Monster hatte einiges gefressen. Hauptsächlich Tiere, deren Knochen die Archäologiestudenten nun fanden, manchmal auch Gegenstände. Ein paar Waffen, Werkzeuge und Gebäudeteile deuteten auf Aktivität im sechsten Jahrhundert vor Ende der Dunkelheit hin.
      Als Kat in ihrem Schlammsieb einen von vielen Schädeln fand, diesmal wohl den einer sehr großen Ratte, geschah etwas Ungewöhnliches.
      Die Augenhöhlen des Schädels glühten plötzlich blau.
      Erschrocken ließ Kat ihn fallen.
      „Passen Sie besser auf, Frau Koyo!“, mahnte Tey.
      „Professor, der Schädel hat geleuchtet.“
      „Interessant. Natürlich kann es in einer solchen Umgebung biolumineszente Mikroorganismen – was ist das?“
      Es war der Schädel, der wieder aus dem Fleischschlamm auftauchte. Gefolgt von mehr Rattenknochen, die sich anfügten. Und schließlich dem Schlamm selbst, der die Knochen hinauffloss und das Fleisch ersetzte.
      Die komplette Gammelfleischratte fiel wieder auf den Boden und bespritzte alle mit noch mehr von der ekligen Brühe.
      „Raus hier!“, rief Tey.
      Das ließ sich Kat nicht zweimal sagen.

      Kurz darauf waren die Studenten wieder außerhalb des vor sich hin modernden Fleischberges. Die Flucht war nicht einfach gewesen, sie waren alle mehrfach ausgerutscht oder gestolpert und hatten sich nur mühsam gefangen und waren entsprechend über und über mit der Mischung aus modernden Körperbestandteilen bedeckt. Kat war nicht in der Lage, ihre Schutzbrille sauber zu wischen, sie musste die ganze Maske abnehmen.
      Sie bereute es sofort, als ihr der Geruch des gammelnden Fleisches in die Nase stieg. Das nicht eindeutig zu identifizierende Tier war lange in Eis eingeschlossen gewesen, bis es bei einem Erdrutsch von den Bergen der Ungeheuer hinab geglitten und im Tal aufgetaut war.
      Vermutlich war der Geist der Ratte gerade erst erwacht und hatte instinktiv einen Körper improvisiert.
      „Ihk! Das Viech kann raus!“
      Die meisten Geister waren an etwas gebunden, bis dieses zerstört wurde. Dieser vermutlich auch, an den eigenen Schädel nämlich. Nur war die Ratte in der Lage, den Schädel mitzunehmen und konnte sich daher wohl frei bewegen.
      Die Moderschlammratte rannte auf Kat zu, die langsam zurückwich, bis sie gegen ein Hindernis stieß.
      Sie konnte nicht sehen, was es war, vermutlich nur ein kleiner Stein oder ein Ast, aber es genügte, damit sie stolperte und hintenüberfiel.
      Schon saß die Ratte auf ihr und schnupperte an ihrem Gesicht. Was nicht so schlimm gewesen wäre, wäre nicht ständig trübe Flüssigkeit von ihr heruntergetropft. Vom Geruch mal ganz abgesehen.
      Die Ratte fiepte und rollte sich zufrieden auf Kat zusammen, wobei sie ihr Gesicht mit der Schnauze anstieß.
      „Ich glaube, der Rattengeist mag dich“, urteilte Ket.
      „Das ist mir doch egal! Holt das Ding von mir runter!“
      Oh nein. Sie hatte beim schreien etwas von der Flüssigkeit ins Maul bekommen. Sie schmeckte gleichzeitig süß und bitter, aber das schlimmste war das Wissen, was es war.
      Kat drehte den Kopf zur Seite und erbrach sich.
      Professor Tey rief jemanden an.
      „Hallo? Hier ist die Ausgrabung im Vahtal. Ja, genau, das aufgetaute Tier. Wir haben hier einen Geist. Und bringen sie gleich noch den Arzt mit, das scheint hier alles etwas infektiös zu sein. Danke.“
      Er wandte sich an die Studenten.
      „Die Geisterjäger sind gleich da. Und der Arzt. Wer weiß, vielleicht können sie einen Rattengeist, der sich körperlich manifestiert sogar gebrauchen, Geister von wilden Tieren sind selten. Es wird doch gerade dieser große Zoo für seltsame Kreaturen gebaut, vielleicht –“
      „Hören Sie auf zu labern und geben Sie mir eine neue Maske!“
      Ket hatte recht. Auf diesen Fund hätten sie alle gut verzichten können.
    • Kapitel 12: Action Features

      „Nein. Im Ernst, nein. Die Idee taugt nichts.“
      „Das sagst du immer.“
      „Und ich habe immer Recht. Guck dir deinen Crocodemon an. Das ist bloß ein Krokodil.“
      „Mit Fell.“
      „Das macht es nicht besser.“
      „Aber die Kinder spielen gerne mit Krokodilen.“
      „Deshalb gibt es die auch schon haufenweise. Wir brauchen prägnante Figuren mit eingängigen Namen.“
      „Was war dann falsch mit Gilor? Ein Echsenmenschen-Kopfjäger mit dem Muster einer Gila-Krustenechse. Das ist doch gut.“
      „Aber dir ist kein Action-Feature für ihn eingefallen. Und für den Maskierten auch nicht. Herrje, der hatte ja nichtmal nen richtigen Namen!“
      „Ja, gut, der Maskierte war wirklich nicht meine beste Arbeit. Aber Throwdor war doch gut.“
      „Ging so. Nur optisch ein bisschen simpel. Aber übergroße Figuren müssen sich halt auch richtig lohnen. Außerdem gab es Kritik, Katapulte betreffend. Sicherheitsbedenken. Kann ins Auge gehen.“
      „Na gut, aber Slime Eel hat doch alles. Action-Feature, Namen, Aussehen. Und ins Auge geht da auch nichts.“
      „Nie im Leben produzieren wir Slime Eel. Erstens ist er wirklich potthässlich …“
      „Er hat Charakter.“
      „Zweitens ist er eklig.“
      „Das mag unsere Zielgruppe.“
      „Drittens ist sein Action-Feature richtig schwer umzusetzen.“
      „Na ja, man müsste ihn eben mit dem Schmiermittel füllen und wenn man draufdrückt, tritt es durch kleine Löcher aus. Klar, dafür müssen wir weicheres Plastik verwenden und irgendwo eine Nachfüllöffnung verstecken, vielleicht kann man den Kopf abnehmen …“
      „Und das passende Schmiermittel finden. Es darf ja nicht austrocknen oder sonst wie zu zäh werden und die Löcher verstopfen.“
      „Das wird die Materialabteilung doch wohl hinkriegen.“
      „Und dann ist da das größte Problem: Wer will denn bitte eine glitschige Actionfigur?“
      „Kleine Jungs?“
      „Eben nicht. Denk doch mal nach. Das Ding flutscht ihnen doch beim Spielen immer aus den Händen.“
      „Ach so. Ja … Gut, sie müssen ja auch nicht immer draufdrücken.“
      „Und wann würden sie draufdrücken? Wenn sie es eh nicht tun, ist es doch wieder eine Figur ohne Action-Feature.“
      „Wir würden sie aber trotzdem als Figur mit Action-Feature verkaufen. Auch wenn die Kinder es dann in der Praxis unpraktisch finden, klingt es doch erstmal interessant.“
      „Nicht für die Eltern, die sehen das Problem sofort.“
      „Würde ich nicht drauf wetten.“
      „Aber denk doch mal an die Gefahren.“
      „Gefahren?“
      „Ja! Wenn da jemand drauftritt!“
      „Ja, gut, da rutscht man natürlich aus.“
      „Und das Schmiermittel kommt auf den Boden. Und die Schuhsohle.“
      „Zugegeben … na gut, dann kein Schmiermittel. Bloß der übliche Schleim.“
      „Schleim hat doch schon jeder.“
      „Na gut, na gut. Aber meine nächste Figur wird dir gefallen, wirst schon sehen.“
      „Und was wird das wieder? Eine Figur, die auseinanderfällt und sich schwer wieder zusammenpuzzeln lässt?“
      „… nicht gut?“
    • Kapitel Dreizehn: Durch die Dünen des Dunklen Mondes

      Gilor konnte es immer noch nicht glauben. Crocodemon hatte es tatsächlich geschafft, ein Fahrzeug aufzutreiben, das sie beide auf den dunklen Mond gebracht hatte.
      Leider war es bei der Landung auch irreparabel beschädigt worden und nun durften die beiden den Weg bis zum Palast der Königin der Nacht zu Fuß zurücklegen. Mitten durch die Mondwüste.
      Düne hinauf, Düne hinab. Düne hinauf, Düne hinab.
      „Sei froh“, sagte Crocodemon. „Wir hätten auch im Dschungel landen können. Die Pflanzen hätten dich längst gefressen.“
      Tatsächlich war Wüste kein Problem für Gilor, die war er gewohnt. Mehr Sorgen machte ihm die weite Strecke.
      Düne hinauf, Düne hinab. Düne hinauf, Düne hinab. Düne hinauf … Moment, da war doch jemand.
      Unten vor der Düne lag vor einem erloschenen Lagerfeuer genau die Art Kreatur, die man mitten in der Wüste erwartete: ein Fischmensch.
      Genau genommen war es wohl ein Aalmensch, eine Unterart, der Gilor selbst noch nie begegnet war.
      Vorsichtig schlich er sich an.
      Der Aalmensch schützte sich vor der Sonne durch blaue Binden, die offenbar einfach an seinem Körper klebten. Gilor beschloss, ihn zu überwältigen und zu fesseln. Er musste irgendeine Art von Transportmittel haben, sonst wäre er nicht hier draußen. Und dieses Transportmittel durfte auf keinen Fall entkommen.
      Gilor war ganz nahe dran – und warf sich auf den Fischmenschen!
      Nur um sofort abzurutschen.
      Der Aal erwachte und sah ihn an.
      „Denk gar nicht an Flucht!“, befahl der Kopfgeldjäger.
      „Wie du meinst“, sagte der Aal und stand auf.
      Gilor richtete sich ebenfalls auf. Er trat hinter das Fischwesen, drehte seine Arme auf den Rücken und legte eine Schlinge darum.
      Die Arme glitten einfach aus der Schlinge.
      „Was geht denn hier vor?“
      „Wenn ich mich vorstellen darf: Slime Eel. Glitschigster Söldner der Mondwüste. Ich stehe zu deinen Diensten, wenn du mich bezahlen kannst.“
      „Womit kannst du denn dienen?“
      Crocodemon war einfach plötzlich da.
      „Na ja, ich kann kämpfen, ich kann gut entkommen und ich kann euch aus der Wüste bringen.“
      Crocodemon holt von irgendwo einen Beutel hervor und gab ihn dem Aal. Dem rutschte er ein paar mal durch die Finger, ehe er ihn gut zu fassen bekam und öffnete. Münzen schimmerten darin.
      „Das ist schon mal gut. Was kann ich für euch tun?“
      „Bring uns zum Palast der Königin der Nacht!“
      „Das ist einfach.“

      Gilor fand es nicht einfach, sich auf dem riesigen Wurm festzuhalten, der die dünenreiche Wüste durchpflügte. Wie es ausgerechnet der glitschige Slime Eel schaffte, war ihm ein Rätsel.
      Das gewaltige blaue Tier jedenfalls bewegte sich schneller als jedes Pferd und brach einfach durch die roten und gelben Dünen.
      Als Gilor außer Sand auch das erstes Dünengras ins Gesicht bekam, wusste er, dass sie sich dem Ende der Wüste näherten. Kurz darauf blieb der Wurm im Schatten einer Klippe stehen.
      Absteigen war auch nicht so einfach und Gilor legte sich auf die Schnauze.
      Crocodemon sprang einfach und Slime Eel rutschte irgendwie hinunter und auf die Füße.
      Auf der Klippe stand das Schloss der Königin der Nacht. Es war von hier unten schwer zu sehen, aber es handelte sich um einen überkomplizierten Steinbau mit vielen Türmen.
      Unten in der Klippe gab es zwei große Türen. Vor ihnen stand ein Felsenmensch.
      „Eine der Türen ist der Eingang zum Schlosskeller. Die andere führt ins Verderben.“
      „Sagst du uns, welche welche ist?“, fragte Crocodemon.
      „Erst wenn ihr mich zusammengebaut habt.“
      Damit zerfiel der Felsenmensch in steinerne Puzzleteile.
      „Wir werfen einfach Teile durch beide Türen, bis wir Bescheid wissen“, entschied Crocodemon.
      Ein gewaltiger Knall ließ alle nach oben blicken. Irgendetwas schoss gerade vom Schloss nach oben und verschwand in den Himmel.
      „Oh, die Königin fliegt mit ihrer Raumkapsel weg“, sagte Slime Eel. „Das ist ein interessantes System, einer der Türme ist eine Kanone, die richtet sie aus und –“
      „Kommt sie zurück?“, fragte Crocodemon.
      „Sicher nicht für die nächsten hundert Jahre.“
      „Wenn wir das Zentrumssystem verlassen müssen, machen wir das besser über die Unterwelt.“
      „In der Unterwelt kann ein gewöhnlicher Sterblicher doch gar nicht überleben, oder?“, fragte Gilor vorsichtig.
      Crocodemon grinste furchterregend, wie es nur ein Krokodil konnte.
      „Keine Sorge. Überleben musst du ja gar nicht.“
    • Kapitel Vierzehn: Platte

      „Was trägst du denn da?“, fragte Simka.
      Krian wunderte sich über die Frage seiner Ordensschwester nicht. Es musste seltsam aussehen, wie er so ganz in Stahl verpackt herumlief.
      „Vollplatte. Das neueste aus der Rüstungsschmiede.“
      „Ist das nicht furchtbar schwer?“
      „Na ja, schwerer als die alten Rüstungen. Aber so schwer auch nicht. Schau mal.“
      Krian versicherte sich, dass der Burghof frei war. Dann schlug er ein Rad und landete wieder auf den Füßen.
      „Nicht übel“, fand Simka. „Aber wo ist meine?“
      „Wird noch bearbeitet. Du brauchst ja eine Spezialanfertigung, weil …“
      Krian hob die Hände vor die Brust, ließ sie aber gleich wieder sinken, als ihm die Geste unnötig vorkam.
      Simka rollte mit den Augen.
      „Das glauben die immer. Aber ich passe bequem in jede Männerrüstung. Das war nie ein Problem.“
      „Die neuen sitzen aber echt eng. Müssen sie wohl, sonst könnte man sich darin kaum bewegen. Schau mal.“
      Krian hob die Arme und Simka sah sich den Schulterbereich genauer an.
      „Das ist wirklich sehr eng … aber gut konstruiert. Kette an den Gelenken … Aber wird es darin nicht sehr warm?“
      „Schon etwas, ja. Ohne Not trage ich das Ding sicher nicht den ganzen Tag.“
      „Hat deine Frau dich schon darin gesehen?“
      „Noch nicht …“
      „Meinst du, sie kriegt dich da raus?“
      „Klar. Ist gar nicht schwer, man muss nur die Knoten aufmachen.“
      „Ah, dort zum Beispiel?“
      „Ja und lass bitte die Finger davon.“
      „Ich will ja nur sehen, wie gut die halten.“
      „Hast du doch gesehen, gehen beim Radschlag nicht auf.“
      „Und wenn man ins Wasser fällt?“
      „Das ist natürlich ungünstig. Aber man sollte genug abkriegen, damit man auftauchen kann.“
      „Und wenn nicht, dann läuft man eben zum Ufer.“
      „Genau.“
      Die beiden Ritter sahen sich eine Weile wortlos an. Krian war sich nicht sicher, ob Simkas Bemerkung ein Witz gewesen war und sie sich wohl nicht, wie er seine Antwort gemeint hatte.
      „Wie auch immer, ich wollte dich eigentlich fragen ob du mit zum Rattenzüchter kommst“, wechselte Simka das Thema.
      Krian wollte sich mit einem Finger im Ohr bohren. Nach ein paar Verrenkungen gelang es.
      „Sag das nochmal“, bat er, nachdem sein rechtes Ohr von Ohrenschmalz befreit war.
      „Ich wollte dich fragen, ob du mit zum Rattenzüchter kommst.“
      „Ich habe schon wieder 'Rattenzüchter' verstanden.“
      „Das habe ich ja auch gesagt.“
      „Wozu brauchen wir Ratten?“
      „Es sind Riesenratten. Sollen angeblich so gut sein wie Hunde. Oder besser. Ich soll mir das mal ansehen, vielleicht kauft der Orden welche.“
      „Also da komme ich auf jeden Fall mit.“
      Riesenratten. Auf Ideen kamen manche Leute.
      „Kommst du gleich in der Rüstung? Um dich weiter dran zu gewöhnen?“
      „Ne, ich ziehe mich um. Diese Rüstung ist wirklich mehr etwas für den Ernstfall. Und so groß können die Ratten ja nicht sein, oder?“
      Simka zuckte mit den Schultern.
      „So groß wie Hunde, schätze ich. Die sollen sie ja ersetzen.“
      Krian dachte darüber nach.
      „Ich nehme einen Schild mit.“
      „Gute Idee. Mache ich auch.“
      „Du gehst doch sowieso nirgendwo ohne Schild hin.“
      „Und meistens ist es eine gute Idee.“
      Da hatte Simka, wie üblich, Recht.
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      Kapitel Fünfzehn: Der Außenposten

      Logbuch der SZR Perseus, Kommandierender Offizier Fuchs Ferrow. Das Datum ist unbekannt, denn wir stecken immer noch in der Vergangenheit. Eine menschenähnliche Gottheit hat die Kontrolle über die Steuerung und den Antrieb und wahrscheinlich noch andere Systeme übernommen.
      Offenbar hat sie im Navigationscomputer den programmierten Kurs zur ForschungsstationMagsu 3 gefunden und wiederaufgenommen. Die Station existiert natürlich in dieser Zeit noch nicht, wohl aber der alte verlassene Kelda-Außenposten, in dem sie errichtet wurde.

      Der komische Weltraumsarg hatte sich überall mit den Wänden des Hangars verbunden und was übrig war, formte eine Art Thron auf dem die Göttin saß.
      Blai hatte gar nicht herkommen wollen, denn wenn sie etwas nie wieder in ihrem Leben sehen wollte, war es eine Gottheit, aber Befehl war Befehl.
      „Und?“, fragte Fuchs Ferrow flüsternd.
      „Die Technik ist eigentlich relativ simpel“, erwiderte die Wölfin, die Chefmechanikerin des Schiffs war. „Ein paar unorthodoxe Verbindungen und mir unbekannte magische Runen auf den Kontrollelementen aber alles in allem nichts zu futuristisches. Aber diese … Frau lässt ihre Essenz durch die Schaltkreise fließen, daher komme ich da nicht direkt ran.“
      „Was ist mit den Spezialwaffen?“
      „Sind bereit. Wir können ihre Essenz vorübergehend zerstreuen.“
      „Und dann können Sie herausfinden, wie man mit diesem Gerät zurück in unsere Zeit kommt?“
      „Kann ich nicht versprechen.“
      „Verflixt.“
      „Ich kann euch übrigens hören“, sagte Phantos. „Ah, da sind wir ja. Die Station auf der Weltraumartefakte untersucht werden und die selbst ein Weltraumartefakt ist.“
      Die Kelda waren eine wahrscheinlich ausgestorbene Spezies, die irgendwann einmal sehr verbreitet in diesem Spiralarm der Galaxis gewesen war. Bisher hatte man ihre Hinterlassenschaften nur im Weltraum schwebend und auf Himmelskörpern ohne Atmosphäre gefunden, daher war das genaue Alter unbestimmbar. Alles, was man von ihnen gefunden hatte, war militärischer Natur und ein guter Teil sehr gefährlich.
      Ein ungeklärtes Rätsel waren Aufzeichnungen in ihren Computern, die eine Sprache verwendeten, die stark albionisch ähnelte.
      Auf diesem Außenposten waren sogar tote Kelda gefunden worden. Und ein nekromantischer Mechanismus, der sie als Zombies wiedererweckt hatte um Eindringlinge zu töten.
      Nachdem man das Problem gelöst hatte, war die im Weltraum schwebende Station in einen stabilen Orbit des Planeten Lofje geschleppt und mit Forschern besetzt worden.
      Was natürlich bedeutete, dass das Problem in der Vergangenheit noch nicht gelöst war …
      „Sollen wir ihr von den Fallen erzählen?“, fragte Blai daher Ferrow. „Speziell den Zombies?“
      „Nochmal: Ich höre euch. Und um Zombies muss ich mir keine Sorgen machen. Ich werde euch nun kurz verlassen. Aber natürlich muss ich jemanden von euch als Geisel mitnehmen, sonst stehe ich noch ohne Schiff da.“

      Kaili erschauderte, als der Blick der Göttin auf sie fiel.
      „Ja, den Geist kann ich am besten kontrollieren. Komm her.“
      Zu ihrem Schrecken bemerkte Kaili, dass sie tatsächlich zu Phantos schwebte. Aus der Nähe war ihre Essenz überwältigend.
      „Ihr glaubt vielleicht, dass ich einem Geist nichts antun kann, aber da irrt ihr euch. Das Schiff bleibt hier, bis ich wieder da bin.“
      Ein Schlauch aus Schwärze wuchs durch das Hangartor in den Weltraum. Phantos trat hinein und Kaili konnte es nicht vermeiden, zu folgen.
      „Nehmt keine Rücksicht auf mich!“, rief sie. „Findet raus, wie ihr zurückkommt.“
      Dann endete der Schlauch in einem engen Flur. Die kahlen Wände und die Klettergitter an der Decke ließen keinen Zweifel. Sie waren auf dem Kelda-Außenposten.
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      So, heute geh ich aber auf Nummer sicher:

      Kapitel Sechzehn: Im Tempel der Nacht

      Der Tempel zwischen den Bergen war eindeutig gleichzeitig ein Schloss. Auch erkannte man sofort, dass hier jemand gewohnt hatte, der Tageslicht nicht schätzte, gab es doch kaum Fenster.
      Anglia spürte außerdem Rest göttlicher Essenz, die mit der ihres Schöpfers oder auch nur der einiger Engel, die mächtiger als sie waren und selbst angebetet wurden, nicht vergleichbar war.
      „Erklär mir nochmal, was wir hier machen“, sagt Vladia.
      Die Vampirin passte in diese Umgebung, aber sie schien sich nicht sehr wohl zu fühlen.
      „Weißt du doch“, antwortete Anglia. „Tamino hat mich gebeten, im alten Tempel der Königin der Nacht nach dem Rechten zu sehen.“
      „Ja, aber warum hast du mich mitgenommen?“
      „Na, weil ich dich gerne mitnehme. Wieso, was gefällt dir daran nicht?“
      „Dieser Ort gehört der Königin der Nacht. Niedere Göttin, Nekromantin, Draculas Ehefrau. Was sollte mir daran gefallen?“
      „Die ist doch im unterirdischen Sternenreich eingesperrt.“
      „Ist sie das wirklich noch? Ganz sicher? Draculas Töchter sind auch von dort entkommen.“
      „Nein, Draculas Töchter wurden befreit. Aber der Typ, der wusste wie das geht, ist tot.“
      „Na das ist ja beruhigend.“
      Anglia trat auf das Tor zu. Natürlich war es magisch versiegelt, aber den Zauber konnte sie als Engel mit einer Berührung aufheben.
      Leider verschwand damit auch der Zauber, der das Tor öffnete und die Torflügel waren echt schwer.
      „Hilfst du mir mal?“, fragte Anglia.
      Vladia zuckte mit den Schultern.
      „Wenn's denn sein muss.“

      Vladia konnte nicht sagen, dass ihr die düstere Atmosphäre nicht gefiel. Der Glitzerstoff überall war schon weniger ihr Ding.
      Trotzdem war sie nicht gerne hier. Der Königin der Nacht verdankte Dracula die Fähigkeit, die Vampire, die er schuf, auch zu kontrollieren. Sie musste also über derartige Kräfte verfügen und da sie eine Gottheit war, waren sie sicher bei ihr noch stärker. Womöglich stark genug um Untote zu unterwerfen, die nichts mit ihr zu tun hatten.
      Außerdem kannte sie im Gegensatz zu Anglia diesen Tamino kaum.
      Und trotzdem war sie hier. Sie hatte Anglia ja schlecht allein gehen lassen können.
      Bisher hatten sie keine Spuren gefunden, die auf andere Eindringlinge hindeuteten. Hier war schon eine Weile niemand gewesen. Es lag auch kein besonders gefährliches Zeug herum. Ein paar Waffen, aber keine, die man nicht auch woanders bekam. Ein paar magische Gegenstände, aber keine gefährlichen. Ein riesiger Korb, wozu auch immer der gut war.
      Es gab einen eher hässlichen Thron, einen silbern glitzernden Sitz auf einem silbern glitzernden Stufenpodest hinter dem, hintereinander, zwei große silberne Sterne angebracht waren, die ein Mechanismus zum Drehen brachte.
      Von der Königin der Nacht hatte Vladia ein bisschen was anderes erwartet.
      „Vladia!“, rief Anglia. „Sieh dir das mal an!“
      „Wo bist du denn?“
      „Im Turm!“
      Vladia folgte der Stimme und sah, was Anglia so erstaunte. Der ganze Turm war hohl, ohne Treppe oder Zimmer, und darin stand … eine altmodische Mondrakete.
      „Das hab ich nicht kommen sehen.“
      „Es ergibt einen gewissen Sinn, oder?“, fragte Anglia. „Ich meine, Nacht, Mond, Sterne, Rakete. Passt schon irgendwie.“
      „Ja, aber trotzdem … was wollte sie damit?“
      „Ich habe keine Ahnung. Aber guck mal, da ist eine Leiter zur Einstiegsluke.“

      Innen sah die Rakete so altmodisch aus wie außen. Wie aus einem alten Comic. Anglia war sich inzwischen sicher, dass vom Tempel der Nacht keine Gefahr ausging und durchsuchte das Fluggerät eher aus Neugierde.
      Sie fand eine Landkarte.
      Jemand hatte „Amulett“ darauf gekritzelt und viele Orte durchgestrichen.
      War das eine Karte des Umringten Kontinents? Sah ganz so aus.
      Vladia sah Anglia über die Schulter.
      „Sie hat ein Amulett gesucht. Und zwar auf dem Umringten Kontinent. Und wahrscheinlich hat sie es nicht gefunden.“
      „Falls doch wäre es wohl hier oder mit ihr im Unterirdischen Sternenreich“, vermutete Anglia.
      „Und die Karte wäre wahrscheinlich nicht mehr in der Rakete. Hm, da ist noch einiges vom Kontinent übrig. Ganz Ctonia und die Südspitze. Auch der größte Teil des Landes der Eisechsen. Und der Schneeebene.“
      „Ist eine Rakete für einen Flug dahin überhaupt geeignet? Ich meine, die kann man doch nicht wiederverwenden, oder?“
      „Diese bestimmt schon. Ich konnte von außen jedenfalls keine einzelnen Zündstufen erkennen.“
      „In jedem Fall haben wir jetzt etwas zu berichten.“
      „Oh ja.“
      Vladia schien die Aussicht zu gefallen.
      „Wer weiß, vielleicht startet Prinz Tamino sein eigenes Raumfahrtprogramm.“
      Ein weitestgehend vorindustrielles Land mit Raumfahrtprogramm? Vladia wollte sich gar nicht vorstellen, wie das ausgehen würde.


      Und als Bonus zeige ich mal meine Lieblingsversion der Zauberflöte:
      youtube.com/watch?v=C9ic47r8ibc
    • Neu

      Kapitel 17: Tornada und das pustende Krokodil

      Vor langer, langer Zeit, genau gesagt im Jahr 1984, lebten im Dreieck zwei Einhörner.
      Das Dreieck war ein Land, das so hieß, weil es die Form eines Dreiecks hatte und die beiden Einhörner wohnten fast in der Mitte, in einer riesigen, ausgehöhlten Perle.
      Das eine Einhorn war eine Stute und hieß Tornada. Tornada hatte ockerfarbenes Fell und hellgraues Langhaar. Ihre Augen waren silbern und ihr Horn hellgrau. Auf jeder ihrer Flanken hatte sie aus dunkelgrauem Fell das Bild eines Tornados.
      Das andere Einhorn war Tornadas Schwester Kugelblitz. Kugelblitz hatte grelles, gelbes Fell und ganz weißes Langhaar. Ihre Augen waren rot und ihr Horn war hellblau. Auf jeder Flanke hatte sie das Bild einer hellblauen Kugel, aus der rundum noch hellere, blaue Blitze ragten.

      Eines Tages bewachte Tornada wieder die Offenschafherde, weil drei Dämonen immer wieder versuchten, Wolle zu stehlen. Leider war ihre Schwester Kugelblitz nicht dabei, denn sie traf sich mit ihrem Freund Wissenschaftstyp und das war für sie sehr wichtig.
      Weil Tornada gute Ohren hatte, bemerkte sie auch, wie die Dämonen sich anschlichen.
      Sogleich erschuf sie drei kleine Tornados. Einer zog links um die Offenschafherde, der andere rechts und der dritte um Tornada herum hinter sie, weil sich nämlich ein Dämon von hinten anschlich.
      Der erste Tornado erwischte Bladeface, den Klingendämon und wirbelte ihn ordentlich herum. Der zweite fing den Echsenmenschen ein, der Gilor hieß, was Tornada aber nicht wusste.
      Und der letzte wurde vom haarigen Krokodil Crocodemon leider einfach weggepustet.
      Tornada drehte sich zu dem bösen Dämonen um.
      „Verschwinde, du Dieb!“, befahl sie.
      Das Krokodil baute sich drohend vor ihr auf.
      „Oh nein. Deine Tornados können mir gar nichts. Und alleine kannst du mich auch nicht überwältigen. Siehst du diese Kiefer? Damit zermalme ich dich zu blutigem Brei!“
      Und Tornada war sehr erschrocken über diese lebhafte Beschreibung.
      Sie erschuf einen Tornado, aber das Krokodil pustete ihn weg. Sie erschuf drei, um das Krokodil von allen Seiten anzugreifen, doch es war zu nahe und konnte sie alle weg pusten, noch bevor sie zur Seite gezogen waren.
      „Gib auf!“, rief Crocodemon. „Das bisschen Wolle ist es doch nicht wert!“
      „Das Glühhühnchen lebt vom Verkauf dieser Wolle!“, widersprach Tornada.
      Und sie machte noch einen Tornado, doch sie machte ihn größer als jeden zuvor.
      Das Krokodil pustete, doch diesen großen Tornado konnte es nicht einfach wegpusten. Es pustete stärker und der Tornado kam ein bisschen auf Tornada zu, doch sie konzentrierte sich und er wanderte wieder in Richtung des Krokodils.
      Ein paar Minuten bewegte sich der Tornado vor und zurück, bis Tornada eine neue Idee hatte. Sie konzentrierte sich und der Tornado weitete sich aus und packte sie beide, dass sie hoch in die Luft geschleudert wurden und im Kreis wirbelten.
      Das war aber ein Fehler, denn nun konnte sich Tornada nicht mehr konzentrieren und der Tornado bewegte sich von allein. Er riss die ganze Offenschafherde und die beiden anderen Dämonen mit sich und so wurden sie nun alle herumgewirbelt und konnten nichts dagegen tun.
      Und Tornada stieß mit einem Offenschaf zusammen und ihr Kopf blieb stecken in seiner Bauchhöhle, die warm und weich war. Zum Glück hatten Ponyeinhörner ein kurzes und stumpfes Horn, sonst wäre das Schaf sicher verletzt worden.
      Da aber zeigte die Herzwolle ihre Wirkung und beruhigte Tornada. Und so konnte sie sich wieder konzentrieren und der Tornado setzte alle sanft ab und löste sich dann auf.
      Mit etwas Mühe zog sich Tornada das Offenschaf vom Kopf. Dann sah sie sich nach den Dämonen um. Sie fand sie auf einem Haufen auf dem Boden.
      Das Krokodil stand auf und sah sie an.
      „Bist du komplett wahnsinnig?“, fragte es. „Du hättest uns alle umbringen können mit diesem Sturm!“
      „Aber nein“, sagte Tornada. „Meine Tornadas sind ungefährlich.“
      „Aber Bladeface hat eine Klinge als Kopf! Du hast eine riesige Klinge herumgewirbelt!“
      Daran hatte Tornada nicht gedacht.
      „Tut mir leid“, sagte sie. „Das nächste Mal bin ich vorsichtiger.“
      „Das nächste Mal? Das nächste – na gut, ich gebe auf. Ich kaufe die Wolle einfach. Was kostet Herzwolle denn?“
      Und so fand alles ein gutes Ende.