Der Podcast über die Sprache: Das Präteritum

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Der Podcast über die Sprache: Das Präteritum

      (Rascheln eines Mikrofons)


      Öckel: Ich habe angeschaltet, wir können beginnen.

      Gaar: Einen Moment!

      (Rücken eines Stuhls)

      Gaar: So, bereit!

      Öckel: (räuspert sich geräuschvoll) Einen guten Tag wünsche ich den Zuhörerinnen und Zuhörern. Ein weiteres Mal werden wir heute über die Eigenschaften unserer Sprache sprechen. Herr Gaar, würden Sie das heutige Thema vorstellen?

      Gaar: Sehr gerne, Herr Oberstudienrat! Wir nehmen uns heute, wenn ich die Vorbereitungsnotiz, die Sie mir vorhin zukommen ließen, in der richtigen Art und Weise verstanden habe, wovon ich bei ihrer üblichen Präzision ausgehe, die Zeitform des Präteritums vor.

      Öckel: Ganz richtig! Das Präteritum, auch erste Vergangenheit genannt, ist neben dem Konjunktiv I vermutlich die interessanteste der in der Sprache verwendeten Zeiten und vermutlich die, die uns am meisten über unsere Vergangenheit lehrt.

      Gaar: Es ist auch die Vergangenheit, oder?

      Öckel: (lacht) Da muss ich Ihnen recht geben. Bevor wir uns das Präteritum genauer ansehen, möchte ich noch kurz erwähnen, dass die für die lateinische Vergangenheitszeit verwendete Bezeichnung Imperfekt für das Präteritum eine falsche Bezeichnung ist! Ein Imperfekt gibt es im Deutschen nicht! Das wird immer wieder falsch gemacht.

      Gaar:(denkt für ein paar Sekunden nach) Richtig, der zeitliche Aspekt des Imperfekt, des unabgeschlossenen Betrachtens einer Handlung oder auch eines Zustands, wie er in vielen Sprachen fester oder optionaler Bestandteil ist fehlt unserer Sprache, wobei ich aber der Ansicht bin, dass er nicht wirklich fehlt, um die literarisch notwendigen Subjekte zu beschreiben. Wir haben dafür zumeist gute Präpositionen und Partikel, die zum Einsatz kommen können, das zu beschreiben, was beschrieben werden soll. Wenn man Partikel richtig verwendet kann man damit alles machen!

      Öckel: Ganz ihrer Meinung. In nichtiterativen Welten und auch hier im nichtsequentiellen Bereich wäre eine zu strikte Grammatisierung der Temporalzustände auch eher hinderlich.

      Gaar: (zögerlich) Ich hoffe, ich verschrecke die Zuhörenden nicht, aber an dieser Stelle kann ich Ihnen Beispiele aus meinen literarischen Werken in meiner Thiioer Zeit nennen, wo ich durchaus Experimente mit kaskadierendem Futur und hyperbolischem Metaperfekt, die sozusagen sprachlich schwer zugängliche Zeitebenen, die in ganze speziellen benutzerdefinierten Anwendungsfällen zum Einsatz kommen könnten, erforschen, gemacht habe. Literarisch hatte das seinen Wert, auf jeden Fall, aber für den Hausgebrauch... muss das allem praktischen Verstand nach nicht sein.

      Öckel: Klare Sprache ist der Eckpfeiler aller Kommunikation, ja, ja! Nun aber zum Präteritum. Bei der Bildung des Präteritums unterschieden wir zwischen starken und schwachen Verben. Die schwachen Verben bilden ihre Vergangenheitsform durch das anhängen de -te-Stamms: Sie machte, sie suchte, sie redete, während es bei starken Verben zu einer Lautverschiebung im Stammvokal kommt: Sie rief, sie fuhr, sie brach. In vielen Schulen werden die starken Verben als unregelmäßige Verben bezeichnet, das finde ich überhaupt nicht richtig. Sie sind, wenn man sich etwas genauer damit beschäftigt, sehr regelmäßig. Die sieben Hauptablautklassen gehen bis auf das Altgermanische zurück und lassen sich in vielen germansichen Sprachen verfolgen.

      Gaar: Die starken Verben sind, nach allem was ich summarisch über sie aussagen möchte, der Sprachintuition, also dem Sich-Annähern an sprachliche Phänomene ohne formalistische Präansätze, aus meiner Sicht meist näher.

      Öckel: (nutzt eine kurze Sprechpasue) Haben Sie eine Lieblingsablautklasse?

      Gaar: (etwas irritiert) Eine Präferenz in diesem Bereich könnte ja beinahe als unseriös eingeordnet werden, wenngleich ich zugeben muss, dass ich die in der Thiioer Klassifikation als Nummer 4b bezeichnete von hellem a nach dunklem u immer mochte. Im Konkreten; ich schaffe, ich schuf, ich lade, ich lud, ich wachse, ich wuchs

      (Es raschelt)


      Öckel: Was soll das denn, Frau Juspels? Wir nehmen gerade auf!

      Juspels (gedämpft aus dem Hintergrund): Ich störe ungern, aber diese Leuchte, bei der der Fähnrich sagt, sie muss immer leuchten, flackert so komisch. Ich weiß nicht, was man da machen kann, ich bin ja noch nicht so lange hier.

      Öckel: Die Metastabilitätsanzeige. Die flackert in letzter Zeit manchmal. Wenn sie nicht länger als zwei Stunden am Stück aus ist und beim Schichtwechsel alles läuft, müssen wir im Moment damit leben. Du kannst einmal die Weltenzeile neu ausrollen, das bringt manchmal was.

      Juspels: Ich weiß nicht, wie das geht!

      Gaar: Sie müssen einfach den Knopf über der Leuchte für fünf Sekunden gedrückt halten und dann warten.

      Juspels: Moment, Moment! Ich weiß überhaupt nicht, was das für Konsequenzen hat. Warum hat mir hier eigentlich nie jemand gezeigt, wie ich hier arbeiten muss?

      Öckel: Das Ausrollen kann ich Ihnen nach unserer Aufnahme gerne mal zeigen. Aber dazu gehört nicht viel mehr, als Ihnen Herr Gaar gerade gesagt hat, die technischen Details kenne ich auch nicht, das weiß wenn, dann der Fähnrich.

      Juspels: Ich finde das sehr bedenklich, wie hier alles laufen gelassen wird.

      Öckel: Als ob Sie das beurteilen könnten!

      Gaar: Können wir nun bitte trotzdem unsere Aufnahme fortsetzen?

      (Es raschelt wieder)

      Öckel: Nun denn, wir sprachen gerade von den Ablautklassen im Präteritum. Den a-u-Übergang halte ich auch für einen der Interessantesten. In der Partizipialform wird dann wider ein a daraus. geschaffen, geladen, gewachsen. Über die Partizipialform sprechen wir dann aber in einer eigenen Folge.

      Gaar: Es lässt sich ja auch ein schöner Kreis der involvierten Beugungsvolake sim Sinne einer sich selbst wieder schließenden Sequenz bilden: Im konkreten wieder: wachse-wuchs, rufe-rief, gießen-goss, kommen-kam. Nur das e ist hier außen vor.

      Öckel: Wobei das a am Ende hier lang ist und am Anfang kurz.

      Gaar: Nun ja, in den Details gibt es bei solchen harmonischen Kreisen immer kleiner Abweichungskomponenten. Zu meiner persönlichen Verteidigung muss ich aber anmerken, dass die Vokalqualität In einigen alten Thiioer Dialekten, zumindest nach allem, was hörber ist, zusammenpasst.

      Öckel: Ich bin hier wie immer ein Freund des Standards. Aber wie dem auch sei: Ich würde gerne noch etwas über die wirklich unregelmäßige Verben - Was ist denn nun schon wieder??

      Huber: Kennts eß vierekimma? Mei Zeit is vorbei fir heit und de Jusplerin bringt des alloa net zam

      Gaar: Dürften wir noch unsere Aufnahme zu Ende bringen, Franz Xaver? Ich bin sicher, das kann Frau Juspels so lange durchhalten alleine.

      Öckel: Und bitte bemühen sie sich doch, Herr Huber, sich etwas verständlicher auszudrücken! Nur weil Herr Gaar Sie versteht heißt das nicht, dass Sie sich gar nicht anpassen müssen!

      Huber: Mir wurscht! D'Jusplerin steht garantiert glei bei enk oder mocht an Paniksprung. Mir is gleich, aba I geh jetza auf jedn Foi. Servus!

      (wieder Rascheln)

      Öckel: Dass Herr Huber nicht einmal etwas Verantwortungsgefühl entwickeln kann!

      Gaar: Sollen wir aufhören für heute? Ich fürchte, wir werden vor weiteren Unterbrechungen nicht gefeit sein. Aufnehmen können wir dann wieder nachher. Ich suche bis dahin ein paar Verse im Metaperfekt heraus.

      Öckel: In Ordnung. Nun ja, dann beenden wir wohl diese Folge. Hmpf.

      Gaar: Ich verabschiede mich bei allen Zuhörenden. Ich wünsche einen schönen Tag und sage: Bis zum nächsten mal bei unserem Podcast über die Sprache.

      Öckel: Der Podcast mit dem Punkt!
      Und manchmal, manchmal, reimt sich irgendwas auf "od"


      Ich bleib hier noch eine Zeitlang. Ihr findet mich in der Wederwelt im Huftierministerium.
    • Ich erbitte eine Vertonung des Ganzen. :D
      "Barbarism is the true nature of mankind. Civilisation is unnatural!" - Conan
      "Das ist KEIN Müll! Das ist MEINE WELT!" - Rilli
      Gaia | Cimorra | Brainfarts
      Deviant Art | Logan's Fantastische Welten

    • Oh ja, unbedingt. Logan macht den Xaver! :D
      Gomeck bitte den Öckel!
      Und Ehana gibt die Juspels!
      www.das-drachenland.de
      www.hotel-apocalypse.net
      me on Facebook

      - "To make an apple pie from scratch you must first invent the universe." Carl Sagan

      "Mehr pseudo als Mary geht nicht."
    • Lord Finster schrieb:

      Oh ja, unbedingt. Logan macht den Xaver! :D
      Gomeck bitte den Öckel!
      Und Ehana gibt die Juspels!

      Wäre mir an sich natürlich eine Ehre (bräuchte aber natürlich vorher das Einverständnis von @Jundurg und @Tö.)!
      Franz Xaver müsste ich aber wohl selbst machen. Ich habe für ihn einen sehr spezifischen niederbayrischen Dialekt im Kopf, der nicht zu Logans Unterfränkisch passt. Idealbesetzung wäre hier vermutlich einer meiner Cousins, so müsste ich wohl versuchen, einen von denen zu channeln.

      Logan wäre übrigens ein idealer Thorstein, fällt mri gerade auf, falls ich den mal brauche...
      Und manchmal, manchmal, reimt sich irgendwas auf "od"


      Ich bleib hier noch eine Zeitlang. Ihr findet mich in der Wederwelt im Huftierministerium.