[Charakterinterview] Zacharias von Tissen, Treibstoffalchemist und Raumschiffmechaniker

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    • [Charakterinterview] Zacharias von Tissen, Treibstoffalchemist und Raumschiffmechaniker

      Zacharias von Tissen ist Ritter vom Orden der fünf Schwalben und arbeitet als technischer Angestellter an der Akademie von Jaehasa, an der Knappen seines Ordens ausgebildet werden.
      Als praktischer Alchemist ist er unter anderem dafür zuständig, die Qualität des Treibstoffs für Raumschiffe und andere Fahrzeuge sicherzustellen, aber er befasst sich auch nebenbei mit Materialien im Raumfahrzeugbau und wurde auch hin und wieder als Lehrassistent für Alchemie eingesetzt.
      Vor seiner Anstellung an der Akademie war er mehrere Jahre auf dem Vulkanplaneten Isenwart als Fluidmechaniker tätig, aber mittlerweile geht er dieser Aufgabe nur noch gelegentlich auf Flügen im niedrigen Sapphiria-Orbit nach.

      Zacharias ist ein ca. 45 Jahre alter Halblefhe von eher gedrungener Statur. Er hat mittellanges, schwarzbraunes Haar und einen markant gezwirbelten Schnäuzer, den er sorgsam mit diversen Duftölen pflegt. Letztere benutzt er auch gerne mal, falls seine Vorliebe für Knoblauchbrot mit ihm durchgeht. (Vor diesem Interview konnte er sich allerdings recht gut beherrschen.)



      Beschwingt, wenn auch in seiner massigen Paraderüstung etwas tapsig, kommt er in den Raum gepoltert. Er macht es sich auf einem Sofa bequem, während einer seiner Knappen ihm in einem grazilen Porzellanservice Tee serviert. "Danke, Yamil!", nickt Zacharias mit einem freundlichen Lächeln seinem jungen Gehilfen mit zu, bevor er sich schließlich dem Publikum zuwendet, "Hollarö, allerseits! Habe ich es richtig vernommen, dass wir hier ein kleines Interview führen wollen?"
      "Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"

    • Also zunächst einmal vielen dank, daß sie sich persönlich hierher bemüht haben. Eine Person ihres Standes mit einer bedeutenden Aufgabe wie der ihren muß seine Zeit sicherlich sehr sorgfältig einteilen
      Über die Wichtigkeit einer gründlichen Kontrolle der hohen Qualitätsstandards für Treibstoffe muß man ja wohl nicht viele Worte verlieren, persönlich würde mich aber mehr das Fluidum interessieren. Kann man sagen, daß ihre Erfahrungen als Fluidmechaniker ihre spätere Karriere in den alchimistischen Berufen sehr geprägt har?
      Wie darf ich mir das denn bitte vorstellen, als vollkommener Laie auf dem Gebiet?
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    • Nun, es auch mir eine Ehre, hier im Namen der Akademie und unseres Ordens sprechen zu dürfen.

      Zu Ihren Fragen: Als Fluidmechaniker ist es meine Aufgabe, verschiedenste Systeme für Flüssigkeiten und Gase instand zu halten: Treibstoffpumpen, kryogene Odemsstofftanks, Hydraulikleitungen und so weiter.
      Besonders die alchemisch verstärkten Treibstoffe haben mich dabei schon relativ früh fasziniert, als ich all die magischen Bauteile kennengelernt habe, die man braucht, um sie optimal zu nutzen: Magiefluxrektifikatoren, Dwemrückschlagkompensatoren....
      Als ich mich dann an der Akademie näher damit beschäftigt hatte, musste ich allerdings feststellen, dass mir das nötige Feingefühl fehlte, diese Art von Mechaniken selbst zu entwerfen. Wenn ich aber ein fertiges Bauteil in den Händen halten konnte, hatte ich allerdings ein gewisses Gespür für die Fluide an sich, die dort durchgepumpt werden.
      So kam ich also zur Treibstoffalchemie. Dort in den Experimentalbereich zu gehen, war mir am Ende aber auch etwas zu heikel, als ich mehr oder weniger am eigenen Leib erfahren habe, warum Dul Hammad auch "die Stadt ohne Fensterscheiben" heißt. Also habe ich mich auf Qualitätskontrolle von bekannten Treibstoffen spezialisiert.
      "Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"

    • (Zacharias wirkt ein bisschen stutzig über die Stille im Raum.)

      Aber gut, anscheinend teilen hier nicht alle direkt meine Begeisterung für dieses Thema... Für gewöhnlich werde ich aber auch gerade zum Einstieg eher allgemeine Dinge zu meinem Orden oder dem Raumfahrtprogramm der Akademie gefragt.
      "Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"

    • Verzeihen Sie, ich war ein wenig verlegen.

      Welchen Rat können Sie denn jungen Leuten geben, die sich eventuell für eine Karriere in der Treibstoffalchemie - oder viel allgemeiner, an Ihrer Akademie - interessieren, aber sich nicht sicher sind?

      Und wie sind Sie denn Ritter geworden?
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    • *jemand stolpert ein den Raum und stößt zwei Stühle um*

      Entschuldigen Sie meine Verspätung, es gab einige Probleme bei der Reise hierher. Suezkanal...

      Mich würden ihre Erfahrungen in der Raumfahrt interessieren. In welchem Alter machten Sie Ihren ersten Weltraumflug und wie wurden Sie darauf vorbereitet? Und was war das Überraschendste dabei? Sie erwähnten dass sie heute nicht mehr an interplanetaren Reisen teilnehmen. Hat das einen bestimmten Grund?
      Und manchmal, manchmal, reimt sich irgendwas auf "od"


      Ich bleib hier noch eine Zeitlang. Ihr findet mich in der Wederwelt im Huftierministerium.
    • (zu @Jundurg:)
      Oh, ich kann Ihre Verunsicherung gut verstehen. Die Standes- und Geschlechternormen von Ritterorden können oft ziemlich einschüchternd sein. Als Fydan habe ich da meine eigenen Erfahrungen....

      Zu Ihren Fragen: Ich würde eine Karriere in der Treibstoffalchemie und an der Akademie von Jaehasa als getrennte Ziele sehen.

      In der Treibstoffalchemie, oder der energetischen Alchemie generell, sollte man sich im Klaren sein, wie wichtig sowohl Theorie als auch Praxis sind. Nicht wenige junge Leute denken, man würde dort den ganzen Tag mit Explosionen und Feuer herumspielen, aber wenn sie dann mit der Theorie konfrontiert werden, verlieren sie schnell die Lust. Ich war eher das Gegenteil und im Praktikum überrascht, wie viel von dem, was ich liebevoll im Murmelkasten modelliert hatte, als reale Substanz in Flammen aufging, bevor es überhaupt den Reaktionsbehälter verlassen hatte.
      Ich denke, hier sollte man in der Lage sein, Kompromisse einzugehen, auch wenn gute Professoren einem helfen, die richtige, persönliche Balance zu finden. Wenn man sich auf Treibstoffe spezialisieren will, ist es natürlich auch sehr hilfreich, wenn man sich mit den entsprechenden Fahrzeugen auskennt oder zumindest interessiert, darüber zu lernen.
      Ansonsten fällt mir noch ein Spruch ein: "Die Kunst findet ihre Opfer schon selbst, da braucht der Leichtsinn nicht nachhelfen." - Wer den nicht ernst nehmen kann, sollte vielleicht einen Beruf wählen, in dem Leichtsinn weniger schwere Konsequenzen hat.

      Zur Akademie muss ich vielleicht klarstellen, dass sie keine wissenschaftliche sondern immer noch eine Wehrakademie ist. Wir setzen uns zwar bewusst für Frieden ein, aber als Ritter müssen wir auch bereit sein, ihn mit der Waffe zu verteidigen. Das wird gerne mal vergessen, wenn ein Orden vor allem für humanitäre Hilfen bekannt ist. Wer es mit Pazifismus also ernst meint, wäre wohl in einem monastischen Orden oder einer zivilen Pilotenschule und später Raumfahrtorganisation besser aufgehoben.
      Umgekehrt wollen wir aber auch keine Kriegstreiber in unserem Orden. Wir bieten zwar ein reichliches Angebot Waffenübungen, Kampfsport und Schaukämpfen, aber wer vom Hass auf andere Völker oder Orden getrieben und auf Blutvergießen aus ist, ist bei uns fehl am Platze.

      Zur Frage, wie ich Ritter geworden bin: Ich habe meine Schwertweihe zum Abschluss meiner Offiziersausbildung erhalten, also auf einem der denkbar unspektakulärsten Wege für jemanden mit adliger Abstammung wie mich, wobei es dank der Ehrenritterschaft zumindest in unserem Orden auch für Bürgerliche nicht allzu schwer ist.
      Mein größeres Problem war es eher, einen Orden zu finden, der bereit war, mich überhaupt als Knappe aufzunehmen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Rittern habe ich meine Grundausbildung an der Waffe in der zwergischen Fremdenlegion absolviert, bevor ich zu den Fünf Schwalben gefunden habe. Manchmal glaube ich, dass gewisse Verwandte väterlicherseits das als eine Art "Strafe" dafür sehen, dass ich nicht einfach eine brave Edeldame sein wollte.


      (Zu @Alpha Centauri:)
      Als Anfang meiner Laufbahn als Raumfahrer würde ich meine Pilotenausbildung sehen, die ich mit 22 Jahren begonnen habe, wobei ich da den Umgang mit Luftfliegern gelernt habe. Die eigentliche Raumfahrerausbildung habe ich dann zwei Jahre später begonnen, wo ich jede Menge über Himmelsmechanik gelernt habe aber auch ein gewisses Faible für Raketentriebwerke entdeckt. Es gab Schwerelosigkeitsübungen in speziellen Tauchbecken und einem Flugzeug, das im Volksmund - und ehrlich gesagt auch an der Akademie - gern als "Kotzbomber" bezeichnet wird. Ansonsten bestand die Ausbildung darin, die Technik der üblichen Raumfahrzeuge in Simulatoren kennenzulernen und Routine in Umgang und Reparaturen zu entwickeln.... Ach ja, und meine Niederzwergischkenntnisse durfte ich noch mit einigen neuen Fachbegriffen auffrischen.

      Mit 27 Jahren durfte ich dann nach meinem Abschluss in einer Gogora-M3 als Techniker auf eine Transport- und Wartungsmission zur Bender-Station. Die größte Überraschung dabei für mich.... Hmm...
      Dass keine Simulation mich auf den Anblick meines Heimatplaneten aus der Umlaufbahn wirklich vorbereiten kann, damit hatte ich ja schon irgendwie gerechnet. Aber da war auch dieser seltsame, angenehm warm metallische Geruch, von dem ich erst erfahren habe, nachdem ich mit anderen Raumfahrern darüber geredet habe. Jedes Raumschiff hat seinen eigenen Geruch, aber es gibt diese eine Duftnote, die sie alle gemeinsam haben - und das erst, wenn sie lang genug im All unterwegs sind.

      Für meinen interplanetaren Einsatz als Wachmann und Techniker in einer experimentellen Erzgrube auf Isenwart startete ich mit 33 Jahren und ich kam erst drei Jahre später wieder zurück. Solche langwierigen Missionen sind wegen der langen Flugzeiten und knappen Startfenster keine Seltenheit, wenn es zu anderen Planeten geht, und anstrengend sind sie zudem auch.
      Deshalb habe ich mir kurz danach vorgenommen, mich dem Studium der Alchemie zu widmen und meine Raumfahrten auf ein- bis zweiwöchige Stationsaufenthalte in den Semesterferien zu beschränken. Jetzt wo ich auch das Studium abgeschlossen habe, halten mich meine Verpflichtungen als Treibstofftester die meiste Zeit am Boden.
      Vielleicht ändern sich die langen Flugzeiten, wenn der Äthergravitationsantrieb weiter Fortschritte macht, aber ich fürchte, dass ich bis dahin zu alt für interplanetare Flüge bin.
      "Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"