[Schlaufe] Der Consultant

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    • [Schlaufe] Der Consultant

      Sie waren wieder nicht da. Nur Simon, Martin und der Fähnrich. Welan setzte sich seufzend. Zwar war es nichts Ungewöhnliches, Zentralenmitglieder aus Zufall mehrere Schichten lang nicht anzutreffen, aber Welan hatte in solchen Dingen oft so eine Ahnung. Und nun war sie sich sicher: Daywar, Thorstein und Degor hatten die inneren Sphären der Schlaufe verlassen. Etwas gedankenverlorennahm Welan sich ihre Nadeln und klickerte mit ihren Perlen herum. Am Fenster zog Esper vorbei. Sie sah genau hin, ob es ihr schon etwas blasser vorkam. Aber noch nicht, noch nicht. Vor einiger Zeit hätten sie sich noch darum kümmern können, aber im Moment war sie froh, überhaupt noch etwas zu sehen. Zumindest waren Öckel und Gaar nicht da. Das Podcast-Gelaber hätte sie heute nicht ausgehalten. Simon und Martin führten ein herrlich banales Gespräch über Fußball. Videobeweise machten das Spiel unnötig kompliziert. Aha. Aber es half nichts. Sie musste mit dem Fähnrich sprechen.

      Sie gingdie kleine Treppe zur Brücke hoch, wo der Fähnrich wie immer über die Apparaturen flitzte und den gewohnt unbekümmerten Eindruck machte.

      „Yugurt?“ Mit seinem Vornamen konnte man Fähnrich Wurms Aufmerksamkeit immer erregen

      „Welan? Auch mal wieder da? Wie sehen die Stabilitätswerte unten aus?“

      „Gewohnt mittelmäßig. Aber das ist nicht so wichtig. Hör mal, ich bin mir ziemlich sicher, dass Daywar, Degor und Thorstein sich im Moment nicht in der Nähe der Zentrale aufhalten. Weißt du, wo sie sind?“

      „Sie wollten Olivius Coch besuchen.“

      „Olivius?“ An den hatte Welan schon ganz lange nicht mehr gedacht. Und wollte sie auch eigentlich gar nicht. Die Zeiten waren vorbei. Zum Glück, würde sie normalerweise sagen, aber so viel besser war es zurzeit nicht.

      „Ja sie meinten, er könnte uns hier helfen. Können sie gerne machen.“

      Welan war einen Moment sprachlos. Dann begann sie nachzudenken. Es musste Daywars Idee gewesen sein, Thorstein und Degor kannten Olivius gar nicht mehr. Und Daywar wusste auch, dass Olivius vermutlich nur durch eins der alten Kommunikationsprotokolle zu erreichen war. Vermaledeite Embas! Wenn es nach Welan gegangen wäre, wäre der Zugang zu denen längst versiegelt. Wenn es tatsächlich so war, mussten sie auch zumindest irgendwie erfolgreich gewesen sein, sonst wären sie wohl schon wieder zurück. Na dann schien Olivius seine API ja instand zu halten. Das überraschte Welan tatsächlich. Aber trotzdem: Dass das ohne Absprache mit ihr passiert war, ärgerte sie. Daywar wusste zwar in der Regel, was sie tat, aber so ganz den Überblick über die aktuelle Lage hier hatte sie auch nicht.

      „Und du hast sie einfach gehen lassen?“, herrschte Welan den Fähnrich schließlich an.

      „Warum denn nicht? Wenn sie es schaffen, Olivius wieder her zu bringen, schadet das doch nicht.“

      Welan setzte zum Sprechen an, brach dann aber ab. Mit dem Fähnrich konnte man über solche Sachen nicht reden. Er war ein Genie, was die Technik hier betraf und hatte ein perfektes Gedächtnis, aber für zwischenmenschliche Konflikte hatte er einfach kein Gespür. Es war jetzt nicht so, dass Welan Olivius persönlich nicht leiden konnte, aber die Arbeit, die er in der Schlaufe gemacht hatte, war aus ihrer Sicht nicht förderlich gewesen und sie hatten sich seinerzeit oft in die Haare gekriegt. Sie waren gerade so weit, dass sie die Schlaufe unabhängig von Olivius‘ Tricksereien lauffähig hatten, jedenfalls war sie das vor den abbrechenden Verbindungen. Welan hatte ihre letzten Schichten damit zugebracht, minutiös jedes Detail zu untersuchen, was die Ursache sein könnte und war, ebenso wenig wie der Fähnrich, nicht fündig geworden. Dem Fähnrich machte so was nichts aus, ihm schien es ziemlich egal zu sein, wie stabil die Schlaufe im Moment war. Vermutlich lag das daran, dass er vermutlich noch da sein würde, wenn der Rest der Schlaufe schon auseinander gefallen war.

      Welan überlegte ein paar Sekunden, ob sie sich wieder an die Fehlersuche machen sollte, als im Raum unter der Brücke neue Stimmen zu hören waren. Sie beugte sich hinunter und sah Frau Juspels mit einer hoch geschossenen Kreatur, die sie nicht kannte. Sie sah fast aus wie ein Mensch, nur irgendwie… glatter. Äußerlich wirkte sie männlich, hatte ein breites Lächeln im Gesicht, und dunkle, nach hinten gekämmte Haare.

      „Das hier ist der Zentralenhauptraum. Ihr Arbeitsplatz wird aber vermutlich oben an der Brücke sein.“ Das war die Stimme von Frau Juspels.

      Welan schnellte auf und ging mit schnellen Schritten auf die beiden Neuankömmlinge zu. So lief das doch normalerweise nicht. Oder hatte der Fähnrich auch Frau Juspels irgendeinen Unsinn machen lassen?

      „Wer ist das denn jetzt?“, rief sie nach unten.

      „Sampelmann mein Name. Sebastian Sampelmann! Ich bin Weltenconsulter und wurde von Ihrer Kollegin beauftragt, hier die Prozesse einmal zu untersuchen und optimieren.“

      „Oha“

      „Seien sie versichert, ich habe Erfahrungen in den unterschiedlichsten Welten gesammelt und werde ihnen in einem klar sturkturierten Plan dazu verhelfen, ihre Ziele zu erreichen.“

      Wütend wendete sich Welan Frau Juspels zu: „Was verleitet Sie dazu, zu denken, dass wir hier so etwas nötig haben. Yugurt, komm her! Das hier geht eindeutig zu weit!“

      Fähnrich Wurm schlängelte sich an der Reling entlang und sah mit seinem gewohnt freundlichen Blick den Neuankömmliing herab. Frau Juspels wandte sich ihm und Welan zu:

      „Hier läuft doch seit ich da bin, nichts zusammen. Ihr tut immer so, als wüsstet ihr, was hier vorgeht, aber wenn ich mal frage, kommt immer nur schwammiges Drumrumreden. Ich merk doch, dass da was nicht stimmt! Ich habe das schon mehrfach angesprochen, aber da das anscheinend nichts hilft, muss ich mal Hilfe holen.“

      Welan musste sich bemühen, ruhig zu bleiben: „Und Herr… Sampelmann, wie genau stellen Sie sich das hier vor? Ich sags gleich, das hier funktioniert anders als andere Welten. Und normalerweise bezahlen wir hier auch niemanden.“

      „Ich habe mit Frau Juspels bereits über die Konditionen gesprochen. Ich erwarte keine Bezahlung in herkömmlicher Form. Ich bitte nur darum, die bei der Arbeit hier gewonnenen Erkenntnisse auch zukünftigen Welten zur Verfügung stellen zu können. Ich bin mir voll bewusst, dass es sich hier um einen ganz speziellen Auftrag handelt. Aber ich bin stets auf der Suche nach diesen ganz besonderen Herausforderungen.“

      „Kannst du den einfach rausschmeißen?“, raunte Welan Fähnrich Wurm, obwohl sie die Antwort schon ahnte. Der Fähnrich war der Ansicht, dass Personen nicht gegen ihren Willen aus der Schlaufe entfernt werden dürften. Sie war nicht sicher, ob er es könnte.

      „Wer in die Schlaufe kommt, hat hier wohl auch seine Aufgabe zu erfüllen. Also willkommen Herr Kollege!“, bestätigte der Fähnrich die Befürchtungen der Erzmegierin. Er stellte auch die anderen Anwesenden vor und ratterte noch ein paar technische Details zur Schlaufe herunter, die nicht mal Welan komplett verstand. Auch Sebastian Sampelmann sah nicht so aus, als würde er allzu genau zuhören.

      Als der Fähnrich geendet hatte, nickte Herr Sampelmann heftig: „Ich bedanke mich sehr für das herzliche Willkommen und die umfangreiche Einführung, Herr Wurm. Ich bin sicher, wir werden gemeinsam Lösungen erarbeiten, von denen wir alle etwas haben.“

      In Welans Kopf arbeitete es. Sie würden sich wohl in nächster Zeit mit dem herumschlagen müssen. Möglicherweise war er sogar fähiger, als er aussah. Aber sie musste ihn genau im Auge behalten. Umso ärgerlicher, dass Degor, Daywar und Thorstein nicht da waren. Das waren die einzigen drei, denen sie da vertraut hätte.

      „Ich schlage vor, dass wir in einem gemeinsamen Kick-Off gemeinsame Ziele und Meilensteine festlegen. Ich habe mir sagen lassen, dass sich die Terminfindung hier zuweilen etwas schwierig gestaltet, aber ich werde mich gleich an Vorbereitung eines asynchronen Meetings machen, da gibt es heutzutage vortreffliche Methoden, damit alle da abgeholt werden. Ich werde dafür etwa zwei Stunden brauchen Sie können mich vorerst in Ruhe lassen und Ihrer normalen Tätigkeit nachgehen.“

      Herr Sampelmann zog ein paar leuchtende Punkte aus seiner Anzugtasche, setzte sich an einen der Plätze in der Zentrale und begann eine leuchtende Ebene in die Luft zu malen, bunte Pfeile einzuzeichnen und Symbole zu markieren.

      Welan beobachtete die anderen Zentralenmitglieder. Der Fähnrich sprang schon wieder auf seinen Apparaturen herum, und auch Simon und Martin waren nach wenigen Sekunden wieder bei ihrem Fußballgespräch. Nur Frau Juspels blickte andächtig und erwartungsfroh auf Herrn Sampelmann. Welan trat an sie heran „Jetzt: wo hast du den aufgegabelt?“, raunte sie.

      „Ich habe recherchiert, was es für Möglichkeiten zur Behebung fundamentaler Weltenprobleme gibt. Reale WBTs finden ja zurzeit nicht statt und da wir hier ja anscheinend nichts zahlen können, können wir nicht einfach einen Ghostwriter engagieren, der die Probleme löst. Da war die Consulting-Agentur die einzige Option. Die Nummer stand in einem eurer Wälzer, der in der Zentrale liegt.“

      Welan wandte sich ab. Das zentrale Telefonbuch hätte sie wohl auch mal wegwerfen sollen. Auch ein Werk von Olivius damals. Hatte nie besonders viel gebracht. Hätte man ja auch drauf kommen können, dass sich weltenübergreifend nie ein einheitliches Vorwahlsystem durchsetzen würde! Nun ja, es blieb erstmal nichts als abzuwarten und der Dinge zu harren, die da kommen würden.

      to be continued...
      Und manchmal, manchmal, reimt sich irgendwas auf "od"


      Ich bleib hier noch eine Zeitlang. Ihr findet mich in der Wederwelt im Huftierministerium.
    • Ich liebe einfach wie ich ganz still und interessiert den Text gelesen habe, bis ich laut und in Character vorgelesen habe: „Sampelmann mein Name. Sebastian Sampelmann! Ich bin Weltenconsulter und wurde von Ihrer Kollegin beauftragt, hier die Prozesse einmal zu untersuchen und optimieren.“ :lol:
      Menschen sind großartig. Wir alle haben unterschiedliche Eigenschaften, Fähigkeiten und Schmerzen. Wir sollten von einander lernen und uns gegenseitig helfen, damit jeder Mensch großartig sein kann.