Fremdsprache in Texten, wenn ja wieviel?

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    • Fremdsprache in Texten, wenn ja wieviel?

      Hallo, wer meine Mitternachtsleben-Geschichten gelesen hat wird gemerkt haben, dass ich sehr viel Italienisch und Französisch verwende.

      Findet ihr das gut? Wann ist es zu viel?

      Und soll ich als Fußnote jedes einzelne Wort übersetzen, selbst ein Bonjour?
      Wollt ihr überhaupt eine Übersetzung nach dem Text?

      Verwendet ihr auch Sprachen. Bei eigenen Sprachen muss man ja die Übersetzung irgendwie mitliefern.
      Wie macht ihr das?

      Und würdet ihr bei einer realen Sprache übersetzen oder nicht?

      :thumbup:

      Lg meph
    • Hallo Mephistoria ^.^

      Ich finde, dass es sehr gut zu Deinem Stil passt, wenn Du Italienisch und Französisch benutzt. Ich fand auch beispielsweise dieses Wechseln zwischen Latein und auf Deutsch übersetztes Italienisch sehr stimmungsvoll. Mit 'auf Deutsch übersetztes Italienisch' meine ich, dass da ein deutscher Satz steht, und Du dazu sagst, dass der Charakter diesen Satz auf Italienisch sagt.

      Wann das zuviel ist, kann ich so pauschal nicht sagen. Aber ich würde erstmal voraussetzen, dass die Leser*in die Sprachen nicht beherrscht. Ich selbst kann nur eine Ecke Latein, aber weder Italienisch noch Französisch. Deshalb bin ich immer dankbar für eine Übersetzung!
      Es gibt aber auch Wörter wie "Si", "Oui", "Bonjour" oder so, die man meist auch als Laie kennt. In einem Roman kann man die vielleicht einmal pro Kapitel mit einem Sternchen versehen, und unten, also unter dem Romantext auf der gleichen Seite, übersetzen, um wirklich ganz sicher zu sein.


      Mephistoria schrieb:

      Verwendet ihr auch Sprachen. Bei eigenen Sprachen muss man ja die Übersetzung irgendwie mitliefern.
      Wie macht ihr das?
      Sprachen sind mir wichtig, ich hab ja meine erfundenen Sprachen. Im Wesentlichen mache ich es so: ich schreibe auf Deutsch, und wenn es interessant ist, auf welcher Sprache ein inwelt-Text eigentlich geschrieben ist, dann sage ich dazu, welche Sprache das sein soll.
      Aber gleichzeitig erfinde ich natürlich die Sprachen. Ich selbst finde das spannend. Durch dieses Prinzip, dass ich einfach sage, in welcher Sprache ein Text geschrieben ist, brauche ich ihn nicht zwingend noch zu übersetzen - es sei denn, ich will aus dem erfundenen Original zitieren. Dann muss ich nur das Zitat übersetzen.
    • Auch ich bin ja ein Sprachenbastler, und habe mir Gedanken gemacht, wie man das in Romanen usw. anbringt. Ich denke, ich werde es wie Tolkien im Herrn der Ringe halten, der Zitate (z.B. Lieder) in seinen Sprachen eingeflochten hat, mit den jeweiligen Übersetzungen. Die Sprachen spielen ja in meinem Elbenpfad-Romanprojekt Der Leinenkodex eine große Rolle! Dort werden zumindest das Altalbische, in dem der Kodex verfasst ist, sowie das davon abstammende Avalonische, das die meisten Elben heute sprechen, vorkommen.
      ... brought to you by the Weeping Elf
    • Hab ein kurioses Negativbeispiel.^^

      Ich hab neulich mal eine Fanfiction gelesen, deren Autor meinte, unbedingt einen Charakter, der aus der DDR kommt, permanent Deutsch reden zu lassen. (Die Fanfic war ansonsten auf Englisch) Nicht nur hat der Charakter dann ständig ein "Danke." oder "Guten Tag." oder sowas hineingeworfen, während alle um ihn herum Englisch reden, sondern es gab teilweise sogar ganze Absätze auf Deutsch, und lange Dialoge zwischen Leuten, die miteinander deutsch sprechen.
      Das Problem: Der Autor kann offenbar selbst nicht wirklich deutsch, bzw. nur auf einem Level von "hat mal kurz einen Deutschkurs besucht und verwendet ansonsten Google Translate". Das heißt, viele Sätze waren zwar grammatikalisch genaugenommen korrekt, aber auf eine Art und Weise ausgedrückt, wie niemand reden würde. :hmm:

      Wie das Leute lesen können sollen, die nicht beide Sprachen sprechen, weiß ich nicht.^^ Ich vermute mal, der Autor hat erwartet, dass man im anderen Tab ein Übersetzungsprogramm offen hat. XD

      Die Lektion daraus: Verwende Fremdsprachen nur dann, wenn du darin sicher genug bist, dass es für Muttersprachler*innen besagter Sprache nicht schmerzhaft ist, es zu lesen.^^

      ~

      Stimme ansonsten zu, ein "Bonjour" hineinwerfen in einen Text, der in Frankreich spielt, stört nicht. Allerdings muss es auch nicht sein, und es sollte vor allem nicht jeden zweiten Absatz sein, wie in der Fanfiction die ich gerade beschrieben habe.^^
      Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable. / / / You're forcing your norms on everyone else: You are normal. I am a freak: I will make you freak out.

    • Neu

      Kann dem nur zustimmen. Verwende eine Sprache in deinem Text nur, wenn du zu 100% sicher bist, daß es nicht nur richtig, sondern auch angebracht ist.
      Das Maß ist eher Geschmackssache. Aber ich würde auf jeden Fall die Länge der Passagen im Auge behalten. An bestimmten Stellen mehrere Absätze in einer Fremdsprache zu haben ist durchaus okay, wenn es die Geschichte erfordert oder es sehr zum Ambiente beiträgt. Du mußt solche Passagen aber immer unbedingt auch übersetzen, setze niemals voraus, daß ein Leser das selbst tun kann.
      Bei einzelnen Sätzen oder Bemerkungen sieht das vollkommen anders aus. Solange deren Verständnis nicht für den Ablauf notwendig ist, kann man die Bedeutung ignorieren und sie wie Dekoration benutzen. Jemanden in brenzligen Situationen laut "Perkele!" oder "Curva!" brüllen zu lassen, ist ganz okay. Auch jemanden mit ganzen Sätzen auf etwas reagieren zu lassen, ohne dies zu übersetzen, ist auch in Ordnung, da man die Bedeutung meist erschließen kann bzw. die genaue Bedeutung nicht zum Verständnis der Situation beiträgt.
      Man kann das auch als Stilmittel verwenden und damit die Motivationen einer Figur verschleiern, wenn sich diese in einer Fremdsprache ausdrückt, die auch der Erzählende nicht versteht. Mit einer solchen konstruierten Sprachbarriere lassen sich gezielt Spannungen aufbauen.
      Aber man sollte das sparsam verwenden, da sich der Leser sonst schnell betrogen fühlt. Schließlich enthält man ihm so gezielt Informationen vor.

      Formuliere in der Erzählsprache.
      Verwende Fremdsprachen als Dekoration der Situation angemessen.
      Verwende Fremdsprachen als Instrument nur wenn es absolut notwendig ist.

      Wer das zum Beispiel recht schlecht gelöst hat, ist Tolkien. Er hat ganze Passagen in Fremdsprachen, die zwar alle Übersetzt werden. Aber die Passagen in Elbisch, Zwergisch oder Morgoth wären zu 90% unnötig gewesen.
      Das zeigt eine unglaubliche schöpferische Tiefe von Tolkiens Werk, die wir alle bewundern und die ich als beispielhaft und vorbildlich bezeichnen möchte - aus weltenbastlerischer Sicht. Als Erzähler bin ich gezwungen zu sagen, daß stört empfindlich den Erzählfluß.
      Aber auch hier: das ist eine Meinung und kann nicht als Maßgabe gelten! Andere Leser genießen diesen Ausflug in andere Sprachen, selbst wenn sie sie nicht verstehen - schließlich hat sich Tolkien diese ausgedacht!

      Es kann auf deine Frage also nur eine Antwort geben: verwende Fremdsprachen, gleiche welche und welcher Art, niemals leichtfertig.
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      - "To make an apple pie from scratch you must first invent the universe." Carl Sagan

      "Mehr pseudo als Mary geht nicht."
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      Ich kann mich den Kommentaren nur anschließen. Möchte noch ergänzen, dass ich es persönlich oft hinderlich finde, wenn Fremdsprache im Erzähltext vorkommt. Ich bin deutsche Muttersprachlerin und liebe es, mit Sprache zu malen. Genauso gerne lese ich zwischen den Zeilen, was mir am besten gelingt, wenn ich auf deutsch lese (oder Serien/ Filme schaue).

      Ich würde das Problem folgendermaßen lösen: In erzählenden Texten in der wörtlichen Rede auf unterschiedliche Weisen kenntlich machen, welche Sprache gesprochen wird und den Redesatz dann in der Erzählsprache (= deutsch in deinem Fall) schreiben. Z.B. "Mach mit ihm, was dir beliebt", flüsterte er. Sein Französisch klang akzentuiert. Kam er nicht aus der Stadt? ... usw.

      Wenn es um Lyrik, Inschriften, Stadtnamen o.Ä. geht, dann würde ich Fremdsprachen verwenden, da es sich sowieso um Eigennamen handelt. Also zusammengefasst: Erzähltext in Erzählsprache (fördert das flüssige Lesen) und Eigennamen in Fremd-/Individualsprache.
      Was wächst, wächst still.
      Wilhelm Raabe
      A U R A B Y T E S . D E
    • Neu

      Ich markiere gelegentlich einen Sprachwechsel (ins Makitáza) mit einem Satz unübersetzt in wörtlicher Rede und der Übersetzung im Nebensatz, und mache dann auf Deutsch weiter mit der Anmerkung, dass da eben die Sprache gewechselt wurde.
      Man kann gar nicht so rundum stromlinienförmig sein, dass es nicht irgendeine Pappnase gibt, die irgendetwas auszusetzen hat.
      - Armin Maiwald
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