Charaktere vs. Plot

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    • Charaktere vs. Plot

      Ja, wie schreibt ihr? Entwickelt sich da ein Charakter in euer Geschichten (character-driven) oder bewegt die Geschichte sich dadurch, das es einen Plot gibt (Plot-driven)? Oder gibt es noch was anderes, zB World-Driven (die Geschichte entwickelt sich aus die Welt, bzw die Welt entwickelt sich innerhalb der Geschichte).

      Und wie lest ihr?

      Ich hab festgestellt, das ich Character-driven Geschichten nicht mag, nicht beim schreiben und nicht beim lesen. Oder man muss eine Welt als Charakter betrachten, dann schreibe ich das schon (wenn auch nicht oft) aber lesen: besser nicht.

      Sonst wer noch Gedanken zum Thema?
      Es ist doch Deine Schuld, dass Deine Welt ist, wie sie ist. :P
      Aquilifer: die Weltenbastler: Wir zerstören deutsches Kulturgut seit 1999
    • RE: Charakter vs plot

      Ich hab mit den beiden Kategorien noch nie so wirklich was anfangen können. Meine Geschichten entwickeln sich eigentlich alle nach dem gleichen Schema:
      Zuerst ist da irgendeine Idee, eine Szene, ein Bild, das mir gefällt, das mich fasziniert. Dann suche ich aus meinem Personenfundus den passenden Charakter raus. Diese Personen stammen aus älteren Geschichten und mittlerweile hab ich da eine ganze Menge davon angesammelt.
      Oft endet es auf dieser Stufe, aber manchmal geht es weiter. Dann kommen mir Ideen, wie diese Person in der Situation gelandet ist, wie sie weitermacht, was sonst noch passieren könnte - und mit neuen Situation kommen wieder neue Personen dazu und natürlich auch neue Schauplätze.
      Ich glaube, ich mach so einen Mischmasch. Die Personen (und die Welt) sind irgendwo das Rückgrat meiner Geschichten, denn sie tauchen immer wieder auf, entwickeln sich von Geschichte zu Geschichte weiter. Aber die Geschichte selbst entsteht wohl eher aus der Handlung heraus.

      Ob dir meine Geschichten jetzt gefallen oder nicht, kann ich nicht sagen. ;)

      Vielleicht kann ich es am Beispiel meines "großen Projekts" erklären (ich weigere mich, das Ding Roman zu nennen ;) )
      Das ganze hat eigentlich mit einem Liebespaar angefangen, aber lange wußte ich nur, daß sie ein Paar waren, aber nicht, wie sie es geworden sind. Dann kam mir irgendwann der Einfall für eine bestimmte Szene. Bei der hab ich dann gemerkt, daß ich ein neues Volk brauche, für das Volk hab ich Gedanken zu diversen Städten entwickelt und beim Städteausdenken sind mir wieder neue Gedanken zu Szenen gekommen, die wieder neue Personen nötig gemacht haben. Einfach alles durcheinander. ;)
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • RE: Charakter vs plot

      Original von Shay
      (ich weigere mich, das Ding Roman zu nennen ;) )


      Geht mir genauso, das klingt immer so hochgestochen bzw. nach einer gewissen Qualität... ;)

      Bei mir entstehen Geschichten immer folgendermaßen: ich habe eine Idee für ein paar interessante Personen, dann überlege ich mir, was ihnen zustoßen könnte und daraus bastle ich dann die Handlung. Ich stütze mich dann aber nicht unbedingt auf die Veränderungen, die ein Charakter währenddessen erfährt, also würde ich meine Geschichten nicht unbedingt als "character-driven" bezeichnen, vielleicht eher als plot-driven.

      Mein aktuelles Projekt *das Wort "Roman" hartnäckig vermeid* könnte man sogar als world-driven bezeichnen, da sich der Hauptkonflikt der Story aus der aktuellen politischen Lage heraus entwickelt, weswegen ich mich zur Zeit fast ausschließlich dem Weltenbasteln und nicht dem Schreiben widme, da ich sonst leicht Fehler in die Geschichte einbaue (z.B. was historische Ereignisse betrifft), und dann später womöglich viel umändern müsste.

      Ach, ich glaube, meine literarischen Ergüsse :rofl: sind irgendwie eine Mischung aus allen drei Kategorien - eine Geschichte, die sich nur auf die Entwicklung einer bestimmten Person stützt, fände ich nämlich auch todlangweilig.
    • Die Geschichten zur Welt Chatarc sind in erster Linie eindeutig world-driven, denn es geht mir hauptsächlich darum, daß die Charaktere mit ihrem Erlebnissen ihre Umwelt näher beschreiben. Darauf ist alles ausgerichtet.

      In zweiter Linie sind sie plot-driven. Ich weiß, was in Folge von was passieren soll, und die Charaktere handeln entsprechend.

      Aber zuweilen geht meine Planung flöten, und die ganze Angelegenheit wird character-driven. Das passiert, wenn ein Charakter irgendwie so viel Potential entwickelt, daß er entweder mehr tun kann, als ursprünglich vorgesehen, oder bestimmte Aufgaben für den Handlungsverlauf eben nicht mehr erfüllen kann.
      La locura nunca tuvo maestro / Para los que vamos a bogar sin rumbo perpetuo.
      La muerte será un adorno / Que pondré al regalo de mi vida.
      (Heroes del Silencio: Avalancha)
    • Gute Frage(n)!
      Bei mir war als erstes die Figur, und der Plot hat sich gefälligst anzupassen, weil ich gemerkt habe, dass die Figur den Teufel tun wird, und sich meinem Plot anpassen ;D
      Deshalb wurde der Plot auch schon umgeschmissen. Die Figur wollte früher Sex als vorgesehen - ich gebe nach. Die Figur will ein wenig geekig sein - ich gebe nach. Es passt mir nicht, aber ich lasse ihn mal gewähren.
      Das macht das schreiben auch spannender. Es ist mir egal, ob ich diesen Character fischen gehen lasse, in den Krieg ziehen lasse, oder ob er den halben Tag pennen will - ich will ihn einfach nur beobachten und mich daran ergötzen ;D

      Wie ich lese... als auch lieber character-driven. Wenn eine Figur spannend ist, ist es mir recht egal, ob die Geschichte nicht so stimmig ist, oder langweilig. Natürlich ist es ideal, wenn der plot & der Character beide spannend sind. ;D
      We are born naked, wet and hungry. Then things get worse.
    • Gibts auch eine Mischung aus plot-driven und character-driven?
      Ich glaube, wenn, dann hab ich das. Es gibt einen großen Plot, aber ich will auch, daß sich manche Charaktere während der Story ein bißchen verändern, reifer werden usw. So entsteht auch das Konzept meiner Stories bei mir, eine Mischung aus dem, was passieren muß, damit sich die Charakter weiterentwickeln, und am besten dadurch noch die Handlung vorantreiben. (Ob ich das gut hinkriege oder nicht, wird sich zeigen, wenn ich endlich mal weiterschreibe :-[ )

      Reines plot-driven mag ich jedenfalls beim lesen nicht immer. Man setzt ein typisches Heldenteam, einen Krimiinspektor oder sonstjemanden irgendwo hin, die machen was sie sollen und danach hat sich für sie nichts verändert? Auf Dauer ist das langweilig. Aber mit Charakter-driven ist das auch so ähnlich. Die richtige Mischung machts.
      Mit world-driven hab ich noch nicht so die Erfahrung.
    • Hm, bei mir is es wohl eine Mischung aus allem - zumindest bei dem, was ich irgendwann gern mal "Roman" nennen würde (zur Zeit ist es eher ein Schlachtfeld). Zuerst wollte ich in erster Linie einen bestimmten Plot erzählen, aber dann haben die Charaktere beschlossen, dass sie das Sagen haben und ich ließ sie eine Weile einfach in dem Glauben. ;D Seit kurzem hab ich festgestellt, dass sich die Welt runderhum teilweise in eine ganz andere Richtung entwickelt hat und dass da noch mehr dahintersteckt, als ich eigentlich dachte, und so muss ich nun wegen der Welt kräftig umändern.

      Bei den Kurzgeschichten ist es ganz unterschiedlich:
      Eine entstand, weil üben wollte, wie man Spannung aufbaut, eine andere entstand, weil ich eine neue Rasse näher kennenlernen wollte und eine weitere, weil ich mehr über die Kindheit eines Charakters erfahren wollte. Ich hab also die unterschiedlichsten Ansätze. Die Entwicklung der Charaktere ist mir zwar sehr wichtig, aber trotzdem ist bei mir nicht alles character-driven.

      Beim Lesen hab ich keine bestimmten Vorlieben, aber ich kann eher was mit einer Geschichte anfangen, in der die Charaktere spannend sind und der Plot sehr einfach als umgekehrt.
    • @ Shay & Ehana: hört sich ungemein an wie character-driven (Ohne die entwicklung der Chars geht die Geschichte überhaupt nicht, oder?).

      Bei mir kommt erst die Idee der Geschichte, dann erfinde ich erst die Charaktere die die Rollen die für die Idee wichtig sind, am besten erfüllen. Damit sind die genau so wichtig wie das Setting. Wobei ich das Setting in eine Welt stelle, und aus dieser Welt kommen dann die Ideen für eine Geschichte. Also: world-driven.
      Ich finde Charaktere nun mal uninteressant (99% der literären Chars sind IMO extrem langweilig), und mit uninteressante Chars wird ein charater-driven Geschichte nie interessant, wo ein plot-driven Geschichte auch fesseln kann wenn die Chars einen nicht sympatisch sind.
      Es ist doch Deine Schuld, dass Deine Welt ist, wie sie ist. :P
      Aquilifer: die Weltenbastler: Wir zerstören deutsches Kulturgut seit 1999
    • Hm, ich seh meine Geschichten wirklich nicht unbedingt als charakter-driven. Seit ich eine eigene Welt bastle, am ehesten vielleicht noch world-driven, aber da die meisten Geschichten älter sind als meine Welt, kann das auch nicht ganz sein :gaga:

      Neue Charaktere entstehen immer im Rahmen einer Geschichte, weil sie eben da für den Plot nötig waren, aber dann wird eben mehr daraus. Ich erklär meine Geschichten jetzt einfach zu "why-driven" ;)
      Die meisten Geschichten entwickeln sich bei mir aus der Frage nach dem warum. Warum treffen die Hauptcharaktere aufeinander, warum reden sie überhaupt miteinander, woher haben sie eigentlich ihre Fähigkeiten, etc...
      Und ab und zu ist eine Geschichte einfach da, das sind dann die schönsten.
      Vielleicht kann ich es so erklären: am wichtigsten ist mir, daß die Handlung der Geschichte in sich stimmig ist, aber Handlung braucht handelnde Personen. Da hab ich mir über die Jahre einen reichen Fundus angesammelt und diese Figuren kenne ich einfach so gut, daß ich in jeder Situation weiß, wie sie reagieren. Ich hab also eine Situation, setz meine Figuren rein und dann schau ich zu, was sie so alles anstellen. Auf die Art und Weise entstehen eine Menge Geschichten, aber nur die, die handlungstechnisch einwandfrei sind, werden behalten.

      Ich kann leider kein Beispiel für meine Art zu schreiben anbieten. Nur die ersten vier Kapitel von meinem großen Projekt. Sonst ist halt nichts fertig. Aber wer mag, kann sich gern bei mir melden.
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Irgendwie setzt world-driven, character-driven, plot-driven hin und wieder viel zu viel denken ueber die geschichte voraus. jedenfalls hab ich so das gefuehl.

      wenn ich selber klassifizieren muesste dann wuerde ich es headache-driven nennen*huestel*
      naja okey es ist irgendwo ein mix, man hat manchmal im kopf in welche richtung es gehen sollte,
      andereseits kollidieren bei mir ganz gerne die charaktere und ihre umwelt bzw die welt in der sie leben.

      .oO(warum planen so viele ihre geschichten.. bei mir machen die was die wollen)
      m vi: Dis Praisfrake was rehließd ander se Dschäneral Puplik Laizenz.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von skyven ()

    • Eindeutig character-driven. Ich hab sehr viel Liebe und Gedanken in meine Charaktere, vor allem mein Grüppchen an Hauptcharakteren, gesteckt und würde gerne den Fokus auf sie legen. Da kann ich schon sagen, dass diese nicht nur Charaktere in einer Geschichte sind, sondern mir etwas bedeuten. Ich hatte auch erst Charaktere, bevor ich sie in diese Welt gesetzt (und sie ihr etwas angepasst) habe.
      Ich denke, das liegt zwar auch daran, dass ich zwar nun nicht außergewöhnlich extrovertiert bin, aber ich bin sehr "menschenbezogen" und interessiere mich sehr für die Lebensgeschichten und co. anderer Leute.
      Zudem möchte ich mein Projekt am Ende doch noch in die Young Adult-Kategorie einordnen und verschiedene Persönlichkeit- und Gesellschaftsthemen sind mir darin wichtig.

      Normalerweise ist es aber kein entweder-oder. In den meisten Geschichten spielen die Charaktere, der Plot und die Welt zusammen und beeinflussen auch einander dauernd.
    • Bastet schrieb:

      Ich hab sehr viel Liebe und Gedanken in meine Charaktere, vor allem mein Grüppchen an Hauptcharakteren, gesteckt und würde gerne den Fokus auf sie legen. Da kann ich schon sagen, dass diese nicht nur Charaktere in einer Geschichte sind, sondern mir etwas bedeuten. Ich hatte auch erst Charaktere, bevor ich sie in diese Welt gesetzt (und sie ihr etwas angepasst) habe.
      Ich Schreibe ja sowieso keine Geschichten. Aber auch beim reinen Weltenbasteln spielen Charaktere bei mir nur eine sehr geringe Rolle. Das liegt allerdings nicht daran, dass mich die Charaktere auf meiner Welt nicht interessieren, sondern weil ich nicht wirklich weiß, wie man das Basteln eines Charakters sinnvoll angeht. Kannst du beschreiben, wie diese Charaktere, die du so liebst, entstanden sind? Wie hast du sie erschaffen? :D
      Ich glaube, für eine französische Hure ist Elatan ein bisschen zu provinziell.

      Kann man eigentlich mit Fäkalien töpfern? -- Tö.
    • Trajan schrieb:

      Bastet schrieb:

      Ich hab sehr viel Liebe und Gedanken in meine Charaktere, vor allem mein Grüppchen an Hauptcharakteren, gesteckt und würde gerne den Fokus auf sie legen. Da kann ich schon sagen, dass diese nicht nur Charaktere in einer Geschichte sind, sondern mir etwas bedeuten. Ich hatte auch erst Charaktere, bevor ich sie in diese Welt gesetzt (und sie ihr etwas angepasst) habe.
      Ich Schreibe ja sowieso keine Geschichten. Aber auch beim reinen Weltenbasteln spielen Charaktere bei mir nur eine sehr geringe Rolle. Das liegt allerdings nicht daran, dass mich die Charaktere auf meiner Welt nicht interessieren, sondern weil ich nicht wirklich weiß, wie man das Basteln eines Charakters sinnvoll angeht. Kannst du beschreiben, wie diese Charaktere, die du so liebst, entstanden sind? Wie hast du sie erschaffen? :D
      So genau weiß ich das leider auch nicht haha
      Ich hab ein Bild oder eben Gesicht vor Augen und such mir einen Namen dazu aus. Ich bin draufgekommen, je länger ich überlege, desto unpassender sind die Namen. Eigentlich such ich nur bei Nebencharakteren recht lange nach Namen.
      Bloß bei Nachnamen suche ich auch bei Hauptcharakteren länger, da ich diese zuerst nachschlagen muss.

      Dann beginn ich in Word eine Art Steckbrief anzufertigen, oder ich brainstorme eher und schreibe mir zuerst ein paar Adjektive auf und dann arbeite ich mich in Fließtextform vor. Da kommt alles hinein, was mir spontan einfällt und da beginnen meine Charaktere für mich schon "zu leben". Natürlich füge ich später noch Dinge hinzu oder bessere sie aus, aber im Grunde bleiben sie die Gleichen. Danach schreibe ich ein paar Alltagsszenen, fülle später hin und wieder Fragebögen aus und stelle mir zwischendrinnen in meinem Alltag Szenen vor; also von Szenen, die für den Plot wichtig sind, bishin zu einzelnen Dialogen, auch wenn es nur kleine Szenen sind. Also auch Gespräche unter Freunden, Romantikszenen etc.

      Weltenbasteln ohne Plot- und Charakterbezug kann ich gar nicht, da bin ich nicht motiviert dafür, da ist mein Kopf vollkommen leer und ich weiß nicht, wo ich beginnen soll.
      Wenn ich mir vorstelle, dass ich eine Sache und Recherche gebrauchen kann, ist das gleich etwas ganz anderes. Dann bin ich wiederrum sehr motiviert.
    • Um mich mal einzuklinken: Ich bastel Charaktere nicht, bei mir kommen sie von alleine und ich lerne sie dann kennen. Aber ich bin ja auch ein Eigenwelttourist und lerne meine Welt hauptsächlich durch die Augen meiner Charaktere kennen.

      Das macht dann auch mein Schreiben character-driven, das war ja wohl die Frage in dem Thread. Ich hab zwar meist schon eine grobe Idee, wo ich hinwill mit dem Plot, aber ob die Charas das mitmachen ist dann noch mal eine andere Frage...

      Gute Möglichkeiten, um Charaktere kennenzulernen, sind, finde ich, Interviews (oder allgemeiner Dialoge und kurze Alltagsschnipsel). Beispielhaft könnte ich da auf meinen Personen-Beitrag bei der WBO dieses Jahr verweisen :pfeif: Sowas macht sich auch immer gut als Schreibübung.
      Mir hatten doch nüscht! Damals, kurz nach dem Krieg!
    • Ich mach das wie Vinni. Ich bastel die Pappnasen nicht, die rennen mich irgendwann einfach um und sind da. Und wenn sie dann da sind, stellen sie mir ihre Bekannten auch einfach direkt vor.
      Plot-driven ist das ganze aber trotzdem. Ich weiss nicht, ob ich hier mein Netz-Plotten schon mal näher beschrieben habe, also mache ich das mal:
      Ich weiss ziemlich genau, was meine Charaktere sich wünschen, wie die Handlung weitergeht. Da die sich aber verschiedene Dinge wünschen, kommen sie sich damit in die Quere und es gibt Konflikte dort, wo sie miteinander interagieren. Diese Interaktionsszenen an den Knotenpunkten sind die interessantesten, denn da entscheidet sich, wer mit seiner Sicht auf die Zukunft recht hat oder eben nicht. Daher kann es vorkommen, dass ein Charakter, den ich noch nicht so gut kenne, wenn er in so einer Szene dann anders handelt, als ich gedacht habe, das ganze noch zukünftige Netz an eine andere Stelle ziehen kann. (Daher muss ich chronologisch schreiben oder riskieren, zukünftige Szenen wegschmeissen zu müssen.)
      Für diesen Charakter ist das dann character-driven, für die anderen ist es mitunter wie ein Klavier, das aus heiterem Himmel ihnen auf den Kopf fällt, also, der Plot bestimmt ihre weitere Charakter-Entwicklung. Dummerweise muss der eine "Entscheider" in einer Knotenpunkt-Szene durchaus kein für die gesamte Geschichte wichtiger (will heissen: mir bis in die Innereien bekannter) Charakter sein, also kommt das durchaus gelegentlich vor.
      Wer das liest, ist auch nicht schlauer als vorher.
    • Yaghish schrieb:

      Ja, wie schreibt ihr? Entwickelt sich da ein Charakter in euer Geschichten (character-driven) oder bewegt die Geschichte sich dadurch, das es einen Plot gibt (Plot-driven)? Oder gibt es noch was anderes, zB World-Driven (die Geschichte entwickelt sich aus die Welt, bzw die Welt entwickelt sich innerhalb der Geschichte).

      Und wie lest ihr?

      Ich hab festgestellt, das ich Character-driven Geschichten nicht mag, nicht beim schreiben und nicht beim lesen. Oder man muss eine Welt als Charakter betrachten, dann schreibe ich das schon (wenn auch nicht oft) aber lesen: besser nicht.

      Sonst wer noch Gedanken zum Thema?
      Ich sehe da keinen Unterschied. Für mich ist das so, als würde ich fragen, ob mein Körper Nährstoff-Driven ist oder Ego-Driven. Irgendwie beides und wenn ich zu viele Wochen nix esse, wird nix mehr driven. Aber ohne Ego, wäre mein Körper nur Körper. Oder Fleischmaschine. Je nachdem, was man sieht.

      Der Plot scheint mir mehr wie eine Abstraktion, die aus den einzelnen Charakterentscheidungen entsteht. Für einen Charakter ist alles außer seinem eigenen Willen Plot. Für den Plot selbst ist alles außer ihm nur Charakter.


      Oder ein anderer, hoffentlicher besserer Vergleich: Ist die Loveparade nun eine eigene Entität oder besteht sie nur aus Menschen? Bin ich nur ein Haufen von Atomen oder ein Haufen von Organen oder ein Mensch mit Seele? Meine Meinung ist: Immer beides. Und man kann auch nicht sagen, was ich primär bin. Atomhaufen oder beseeltes Individuum.


      Gibt es denn prominente Beispiele für beides? Dann wäre die Frage vielleicht besser zu beantworten, wenn man etwas Konkretes hat.