Ein Tag im Leben

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    Die WBO ist beendet!
    Alle Beiträge wurden eingerecht und nun warten wir auf die Bewertungen der Juries.

    Wir wünschen allen Teilnehmern viel Erfolg!
    Das WBO-Orgatool findet ihr hier.

    • Ein Tag im Leben

      Wie sieht ein typischer Alltag im Leben eurer Völker aus? Sucht doch mal eine bestimmte Person raus - egal welche - und begleitet sie durch den Tag. Es soll wirklich ein ganz normaler Tag sein - keine dramatischen Veränderungen und Zerstörungen, keine Rettung schöner Drachen aus den Klauen böser Prinzessinnen, keine Ringe in Schicksalsberge werfen oder so. Einfach nur aufstehen, Dinge tun, sich wieder hinlegen. Eine simple Beschreibung ohne irgendwelche Kurzgeschichtenzwänge. Natürlich könnt ihr auch mehrere Personen auswählen, dann aber bitte für jede Person einen neuen Beitrag.

      Überschrift etwa: "Iveirdne niBerlot, Holzschnitzerin aus Lenangeh, Insel Iunis".

      Bin gespannt. :)

      Rabenzeit 1 gibt's bei Amazon für den Kindle und als gedrucktes Buch im Buchhandel. Als epub bei mir.
      Und Glitzi 8 ist fertich.
    • Ein Tag im Leben

      Ilvanorh, Bäckergehilfin in Sabessa
      Ilvanorh muß schon früh aufstehen, um in der Backstube zu helfen, allerdings nciht ganz so früh, wie die Bäcker selbst.
      Von 6 bis etwa 8 steht sie mit der Frau des Bäckers im Laden und verkauft den Menschen, die auf dem Weg zur Arbeit sind, Gebäck, da sowohl als Frühstück, als auch als Mittagessen herhalten muß.
      Danach hat sie etwas Luft, aber zwischen 10 und etwa 2 muß sie dann vor "ihrem" Tor der Universität stehen, und den Herren Studenten und auch dem einen oder anderen Professor ihre Waren anbieten. Besonders beliebt ist dort süßes Gebäck, aber auch herzhaftere Sachen, denn in der Universität selbst gibt es nichts zu essen.
      Den frühen Nachmittag verbringt sie dann wieder in der Bäckerei. Kundschaft gibt es da eher weniger, außer ein paar Hausfrauen, die Brot für die Abendmahlzeit holen. Doch das ist die Zeit, wo der Ablauf des nächsten Tages geplant wird und diverse organisatorischen Dinge stattfinden. Sie als Gehilfin muß beinahe jeden Tag mindestens einen Botengang machen, oder etwas besorgen.
      Etwa um 5 oder 6 ist dann ihr Arbeitstag vorbei. Als Bäckersgehilfin hat sie ein Anrecht darauf, ihr Brot kostenlos von ihrem Arbeitgeber zu bekommen, und so braucht sie nciht viel Geld für die Mahlzeiten. Wohnen kann sie auch kostenlos über der Backstube. Ihr kleiner Verdienst bleibt ihr also fast vollständig übrig, um ihn des Abends oder am "Sonntag"[1] für diverse Kleinigkeiten, den Eintritt zu einer Veranstaltung oder auch mal ein neues Kleid auszugeben.
      Sie führt kein Leben in Luxus, aber da sie von ihrem Verdienst außer sich niemanden ernähren muß, kommt sie ganz gut über die Runden und muß nciht jede Münze zweimal umdrehen. Allzulange kann sie sich aber nicht in das - zugegeben sehr interessante - sabessische Nachtleben stürzen, denn am nächsten Morgen muß sie wieder früh raus.

      [1] Die sabessische Woche hat 6 Tage, 5 Arbeitstage und ein freier Tag, an dem aber viele Geschäfte geöffnet haben.
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Khiashakh, Sklave von einem Mitglied des Adelshauses Thekhal in Shuk


      Bei den Thekhal geht alles aus Prinzip noch äußerst konservativ vonstatten.
      Seine Position ist die eines Kammerdieners, also ist er unter der höheren Dienerschaft auf dem untersten Rang.
      Khiashakh steht umgerechnet gegen 5 Uhr abends auf und pumpt das von den Wasserträgern vorbereitete warme Wasser aus dem Tank hinauf in den ersten Stock des Hauses, um das abendliche Bad seines Herrn vorzubereiten. Ist alles mit Ölen, Seifen, Parfums, Handtüchern und dergleichen fertig (gegen viertel vor 6), gibt er dem Leibdiener des Herrn Bescheid, welcher dann das eigentliche Bad vornimmt.
      In der Zeit geht Khiashakh Abendbrot essen, und da er in einem reichen Haus arbeitet, bekommt er echtes Trockenfleisch in Ziegenmilch anstelle von Heuschrecken oder leicht fauligem Frischfleich, und zwei, drei Feigen oder Datteln.
      Anschließend, so gegen halb 7, geht, Khiashakh zurück ins Bad und putzt: Wasser ablassen, Wanne und Waschbecken schrubben, gebrauchte Flaschen putzen und an ihren Platz stellen, Boden wischen, Spiegel putzen, kurz, hinterher müsste man von jeder Fläche esse können. Natürlich muss er auch die Fäkalien entsorgen, aber da er das mehrmals täglich macht, ist es gar nicht so viel jeweils.
      Danach hilft er der Hauswirtschafterin, das Abend-Geschirr in den Keller zum Abwasch zu bringen.
      Um halb 8 geht Khiashakh in die Räumlichkeiten des Herren und setzt dort seine Putzarbeiten fort: Staubwischen, Bett machen, Kleidung sortieren, schmutzige Kleidung zur Hauswirtschafterin bringen, eventuell Papierstapel ordnen und Schreibwerkzeug und Bücher an die angestammten Plätze bringen.
      Gegen 10 Uhr abends ist er damit fertig und füllt nun überall Kerzen und Lampenöl nach, wonach er in die Zimmer der Kinder und in deren Badezimmer geht und die Putzarbeit gemeinsam mit der Kammerdienerin der Hausherrin fortsetzt.
      Anschließend wird noch der Flur der 1. Etage geputzt, und schon ist es Mitternacht.
      Jetzt hat Khiashakh etwa eine halbe Stunde lang Pause und darf, wenn er sich gut benommen hat, vielleicht eine Kleinigkeit essen, die vom Abendbrot oder Mitternachtsmahl der Herrschaft übriggeblieben ist, und vor allem darf er etwas trinken und sich etwas frisch machen, damit er den Reststaub nicht überall verteilt. Anschließend bringt er das Mitternachtsgeschirr in den Keller zum Abwasch, wobei ihm die Leibdienerin der Herrin hilft, und sie nehmen gleich das abgewaschene Abendgeschirr wieder mit nach oben.
      Gegen 0:30 assistiert Khiashakh seiner Herrschaft: der Herr spielt mit seinen Kindern Murmeln, und Khiashakh darf die verschossenen Kügelchen zusammensuchen, während der Leibdiener des Herrn faul grinsend zuguckt - für solche Rumkriecherei ist er zu gut. Zum Glück müssen die Kinder dann zum Hauslehrer. Khiashakh räumt auf, besorgt auf Anweisung seines Herren neue Tinte und zwei Federn aus der Haushaltskammer, bringt den Abfall fort und kümmert sich anschließend um die Belange des Leibdieners, der etwas Schmutzwäsche abgibt und Khiashakh zusammenraunzt, weil die Wäsche von vor zwei Tagen noch nicht im Schrank liegt.
      Khiashakh entschuldigt sich und rennt los, die Wäsche zu besorgen.
      Mit all diesen Dingen ist er bis 2 Uhr morgens beschäftigt. Verschnaufen ist nicht drin, denn jetzt muss das Geschirr des Morgentees zum Abwasch gebracht werden und das Geschirr des Mitternachtsmahls muss an seinen Platz, und außerdem ist eine weitere Fuhre Wäsche fertig und muss in den Schrank zurück, und eines der Kinder hat sich auf den Boden übergeben - zu viele Süßigkeiten - und die Toiletteneimer müssen auch schon wieder geleert werden.
      Gegen 4 Uhr isst Khiashakh sein Morgenmahl: ein großes Stück halbgebratenes Fleisch (noch blutig, ein Festmahl!), ein Glas Milch, eine Orange und ein Kanten Brot. Er hilft noch beim Decken des Geschirrs für das Morgenmahl der Herrschaft und bringt es nach dem Essen zum Abwasch und holt das gesäuberte Geschirr des Morgentees ab. Dann muss wieder die Toilettenrunde gemacht werden, der Hausleherer verlangt neue Bettwäsche, warmes Wasser muss her für die Morgentoilette, anschließend müssen Flur und Badezimmer gereinigt werden - und dann zeigt er der Hauswirtschafterin bei der nächsten Anweisung den Vogel:
      Es ist 8:30 morgens.
      Shukische Sklaven müssen nicht mehr als 14 Stunden am Tag arbeiten.
      Khiashakh schleift sich in seine Kammer und haut sich aufs Bett, um bis 5 Uhr abends zu schlafen - allerdings nicht, ohne sich vorher seine Überstunden penibel in seinem Notizbuch zu vermerken. Hat er genug davon gesammelt, kann er mit etwas Glück einen freien Tag herausschlagen.
    • Daniel W. Geiger (*g*), Konzernchef Group G Industries / Dienstag, 25990921USD

      Daniel steht gewöhnlich gegen sieben Uhr Morgens mit seiner Frau Andrea auf. Anschließend macht man sich für den bevorstehenden Tag fertig. Und wie immer hat er das Problem, dass er absolut keine Idee hat, welchen Anzug, welches Hemd und welche Krawatte er heute tragen wird.

      Nachdem er sich endlich entschieden hat (Heute mal den schwarzen, klassisch geschnittenen Anzug und ein dunkelblaues Hemd mit passender Krawatte) und sie ebenfalls fertig ist, wird gegen acht Uhr gefrühstückt. Anschließend gehts dann auf die Arbeit ins Zentrum von Mainz City.

      Der Weg zur Arbeit wird nicht mit dem öffentlichen Personennahverkehr bewältigt, sondern wie jeden Morgen mit dem schicken schwarzen Lecadra. Das Haus verlassen beide gegen halb Neun. Gegen neun Uhr erreichen beide dann die Tiefgarage unter dem Group G Tower (Claudia Pfaffenroth Plaza 001). Daniel begibt sich in den 234ten Stock, Andrea in den 135ten. Beide arbeiten schon seit sie verheiratet sind für das gleiche Unternehmen, allerdings in unterschiedlichen Positionen.

      Als Daniel das Vorzimmer seines Büros betritt, wird er wie jeden Morgen von seiner Sekretärin mit einer Tasse Kaffee und den Terminen für diesen Tag begrüßt. Während Daniel seinen Kaffee trinkt und das Computerterminal einschaltet, gehen beide -ebenfalls wie jeden Morgen den Terminkalender für diesen Tag durch.
      Heute halten sich die Termine in Grenzen. Gegen 11 Uhr steht einer an und dann nochmal gegen 16 Uhr einer.

      Die Zeit bis 11 Uhr verbringt Daniel damit, sich auf den Termin vorzubereiten, den üblichen Papierkram zu erledigen und Material für die Vorstandssitzung am nächsten Tag zusammen zu stellen.

      Mittlerweile ist es 11 Uhr und Zeit für den ersten Termin. So gesehen ist es ein Verkaufsgespräch mit dem Leitenden der MagLev Transportation Authority. Es geht um die Anschaffung neuer MagLevs für den Nahverkehr.

      Um 13h steht dann das tägliche gemeinsame Mittagessen in einem der Restaurants in der Nähe an. Manchmal passiert es auch, dass ein Termin dazwischen kommt, aber heute sieht bei beiden der Terminkalender sehr gut aus, weswegen sich Daniel und Andrea um 13 Uhr im Foyer des Group G Towers treffen können.

      Für die Wahl des Restaurants war heute Andrea zuständig. So kommt es, dass beide asiatisch essen gehen.
      Über die Jahrhunderte hinweg haben sich die einzelnen Aspekte der unterschiedlichen Küchen gehalten, manchmal auch in ganz interessante Richtungen weiter entwickelt.

      Während des Mittagessens gibt es für beide ein Tabu: Kein Gespräch über die Arbeit. Um 14 Uhr ist es dann für beide Zeit, wieder an ihre Arbeit zu gehen. Daniel erledigt einigen Papierkram und bereitet sich anschließend auf den Termin um 16 Uhr vor.

      Um 16 Uhr trifft er sich dann in einem der Konferenzräume mit einem Konsortium des UFPA Militärs. Es geht um eine neue Revision des Gepard Angriffs-TerraDyns, welche sich momentan in der Entwicklung befindet. Das UFPA Militär wünscht einige weitere Änderungen, die mit anwesenden Ingenieuren von Geiger Warfare besprochen werden. Es ist das achte Meeting in dieser Angelegenheit. Daniel kümmert sich -sofern es ihm möglich ist- gerne persönlich um solche Dinge. Um 18 Uhr ist dann auch diese Besprechung zu Ende. Daniel begibt sich wieder in sein Büro, wo er letzte Dinge des Tages mit seiner Sekretärin bespricht.

      Um 19 Uhr tritt er dann den Feierabend an und begibt sich in das Foyer des Group G Towers. Seine Frau erwartet ihn bereits an einer der Sitzgruppen.

      Nachdem beide die abendliche Rush-Hour von Mainz City einigermaßen überstanden haben, betreten beide ihr Haus in einem der Vororte der Stadt. Der Abend klingt dann mit einem gemütlichen Abendessen und einem Film auf einem der zahlreichen Fernsehsender aus. Gegen 23 Uhr verabschiedet sich Andrea und begibt sich ins Bett, um noch etwas zu lesen. Daniel überfliegt nochmal kurz die Tageszeitung und begibt sich dann ebenfalls zu Bett.

      Nunja..hier ist dann für uns als Beobachter Schluß.... ;)
    • Niban, Perlentaucher in der Kaiserstadt, verheiratet, Vater einer zweijährigen Tochter.

      Niban erwacht in letzter Zeit bei Sonnenaufgang auf einer schmalen Schlafmatte im Vorraum. Seine Tochter Amia ist krank und schreit nachts häufig.
      Niban zieht sich dünn an, auch im Winter, er hat sich an harte Temperaturen gewöhnt. Er verlässt die Kaiserstadt durch das Osttor und begibt sich in das Lager der Perlentaucher, einige sind schon da, manche fehlen noch. Der Anführer Koré teilt Gewürzbrote zum Frühstück aus.
      Nach dem Frühstück holt Niban tief Luft und taucht das erste Mal unter. Im Laufe des Tages findet er Perlen im Wert von 3000-5000 Knoten. (10 Tage in einer billigen Absteige sind davon drin.) Noch vor Sonnenuntergang werden alle Perlentaucher ausbezahlt, Koré verwahrt die Perlen und bringt sie gemeinsam mit Niban und Zayadra auf den Markt. Viel Zeit haben sie nicht, bei Sonnenuntergang müssen die Marktstände schliessen.
      Viele Händler kaufen Perlen bei Koré, es gibt nur neun Perlentauchergruppen auf der ganzen Insel.
      Nachdem die Marktstände geschlossen sind, geht Niban nach Hause und sieht nun das erste Mal an diesem Tag seine Familie. Seine Tochter begrüsst ihn hustend, während seine Frau Tescha dieser mit einem Heiltrank hinterherläuft. Niban hält die Kleine fest, Tescha flösst ihr das übelriechende Gebräu ein. Amia spuckt den Grossteil wieder aus.
      Tescha macht den Boden sauber, Niban bereitet das Abendmahl, heute: gebratene Früchte mit Grünspitzchen und Pfeffer.
      Amia wird in eine Art Kinderhochstuhl gezwängt und bekommt eine gebratene Frucht in die Hand gedrückt (ohne Pfeffer, den mag sie nicht).
      Nach dem Essen tauscht sich das Ehepaar über die Geschehnisse des Tages aus und beschwert sich, dass Amia nicht gerade schläft, denn dann könnte man ja auch sexuelle Aktivitäten durchführen.
      Niban legt die meisten Knoten in eine verschliessbare Schublade und legt sich dann auf seine Matte. Tescha hingegen muss sich weiter mit Amia herumärgern.

      Veria
      Wer das liest, ist auch nicht schlauer als vorher.
    • Arivana (Riva), Parfümeurin in ihrem Winterquartier in Wolfshaven

      Während Riva vom Frühling bis zum Herbst auf Reisen ist, verbringt sie den Winter in ihren persönlichen Räume im Haus ihrer Freundin Kitani. Ein typischer Wintertag für Riva beginnt relativ spät, während Kitanis Haushalt langsam erwacht und die Kauffrau ihren Laden öffnet, räkelt Riva sich noch eine Weile in ihrem Federbett.
      Erst wenn Loran, ihr großer Jagdhund, signalisiert, dass es Zeit wird ihn rauszulassen, kann die Langschläferin sich überwinden aufzustehen.
      Nachdem Loran in den Garten gelassen wurde, wäscht sich Riva, flechtet sich ihren langen Zopf neu und zieht sich an.
      Gemütlich schlendert sie dann mit Loran in die Küche, wo ein üppiges Frühstück auf die beiden wartet. Nach dem Frühstück geht Riva zu Kitani in den Laden, schwatzt ein wenig mit ihrer Freundin und beobachtet die Kunden.
      Gewöhnlich kommen zu dieser Zeit auch die Damen in den Laden, die zu Rivas speziellen Kundenkreis gehören. Egal, ob eine der Edelfrauen oder eine Dame aus reichem Handelshaus, jedes Gespräch mit einer dieser Kundinnen artet in eine kleine Zeremonie aus. Die Begleiterinnen der Damen müssen beschäftigt werden (was Kitani gerne übernimmt und so nicht selten ein gutes Geschäft macht), die Sänftenträger warten zum Glück vor dem Haus und die Leibwächter stehen unauffällig in der Nähe herum, während Riva sich die Wünsche und Hoffnungen ihrer Kundinnen anhört.
      Mit einem Auftrag in der Tasche (oder auch einem kleinen Vermögen) wendet sich die Parfümeurin in der Mittagszeit wieder der Küche zu, wo sie von Kitanis Haushälterin eine Schale Suppe serviert bekommt, der ein kleiner Verdauungsspaziergang in dem winzigen Garten folgt.
      Bis zu Kitanis Feierabend arbeitet Riva in ihrem Labor, welches vom Garten aus zu betreten ist, um aus den Duftölen und Essenzen, die sie den Sommer über hergestellt hat, neue Parfüme zu kreieren.
      Nach Feierabend versammelt sich dann der gesamte Haushalt in der großen Küche, man speist zusammen und lässt gemeinsam den Tag ausklingen.
    • Ein Tag im Leben eines Darku:
      Miro, Lehrling des Schmiedes Tarik aus Siruvar

      Miro wird meist kurz vor Sonnenaufgang wach. Wenn die rote Sonne hinter den Bäumen hervor kommt, ist er schon mit den anderen Frühaufstehern unten am Fluss und wäscht sich. Zusammen mit den anderen jungen Männern und Frauen macht er ein paar Dehn- und Kraftübungen, um seine Muskeln zu lockern und zu stärken. Dann läuft er zur Hütte seines Meisters Tarik und weckt ihn auf. Während der Schmied aufsteht, bereitet Miro schon alles für die Arbeit vor, schichtet Holz ihm Ofen auf, legt die Werkzeuge zurecht und prüft, ob sie alle in Ordnung sind. Richtiges Frühstück gibt es nicht, aber die beiden trinken mit den anderen Mitgliedern aus Tariks Haus einen stärkenden Kräutertee.
      Dann beginnen sie mit der Arbeit. Zuerst entzündet Tarik das Feuer, das Geheimnis jedes Darku-Schmiedes. Miro sieht zu und lernt. Tarik ist Waffenschmied und Miro geht ihm bei der Arbeit helfend zur Hand. Er reicht ihm die Werkzeuge, zieht mal hier und hält mal da. Vor allem aber sieht und hört er aufmerksam zu, wenn Tarik ihn in seine Kunst einweist. So vergeht der Vormittag. Gegen Mittag wird Miro ausgeschickt, um etwas zu essen zu besorgen. Meist bekommt er ein Kaninchen oder ein kleines Hörnchen von einem der Dorfmitglieder geschenkt. Ist im Winter das Nahrungsangebot knapp, essen die beiden Trockenfleisch aus dem Vorratshaus. Dazu gibt es frische Beeren und Waldfrüchte je nach Jahreszeit.
      Mit dem Essen lassen sie sich wenig Zeit, es gibt immer viel zu tun. Wenn Tarik ihn gerade nicht beim Schmieden braucht, repariert und putzt Miro die Werkzeuge, räumt auf oder erledigt Botengänge im Dorf. Am späten Nachmittag beendet Tarik seine Arbeit. Miro macht noch die Werkstatt sauber, geht vielleicht noch in den Wald, um Holz zu schlagen und hat dann frei. Nach der Arbeit trifft er sich oft mit seinen Freunden am Dorfrand, wo sie kämpfen, ringen oder um die Wette laufen und klettern. Als Schmied ist Miro ziemlich stark, die anderen jungen Männer und auch die Frauen sind ihm jedoch an Wendigkeit und Schnelligkeit überlegen.
      Wenn die Mitglieder des Hauses noch kein Abendessen gefangen haben, geht man gemeinsam auf die Jagd. Abends trifft sich dann das Haus, je nach Witterung vor oder in der Hütte. Man erzählt sich gegenseitig die Erlebnisse des Tages, lacht und scherzt zusammen und isst gemütlich zu Abend.
      Nach und nach ziehen sich die jungen Leute alleine oder zu zweit hinter ihre Schlafvorhänge zurück. Auch Miro geht schließlich schlafen, lauscht noch eine Weile dem Schnarchen, Kichern und Stöhnen seiner Hausmitglieder, bevor er müde die Augen schließt.
    • Anran sot Ilevon, Höfling im Palast des Mintarar zu Maarlen

      Mit einem furchtbaren Kater bequemt sich Anran etwa um 2 Uhr nachmittags endlich aus den Federn und klingelt ungeduldig seinen Pagen herbei, ihm in den Morgenmantel zu helfen. Behäbig schlurft er ins marmorgekachelte Badehaus, lässt sich im Dampfbad nieder und unterhält sich mit anderen Schwitzenden über belanglose Themen. Nach einem Sprung ins Wasserbecken hat er endlich wieder einen halbwegs klaren Kopf. Während er sich massieren und am ganzen Körper einölen lässt, nimmt er sein Frühstück ein und hört sich gelangweilt an, was ihm sein Privatsekretär neues vom heimatlichen Anwesen zu berichten hat. Wieder einmal wird das Geld knapp. Anran weist seinen Sekretär an, die üblichen Bettelbriefe an Bankhäuser, Händler, Manufakturen zu verfassen, deren Interessen er im Gegenzuge für gewährte Kredite verspricht, bei Hofe zu fördern.
      Er schlurft in seine Gemächer zurück, wo er sich von Dienern einkleiden, parfümieren, ondulieren und schminken lässt. Währenddessen übt er vor dem Spiegel seine lässige Körperhaltung und einen desinteressierten überheblichen Gesichtsausdruck.

      Gegen 5 Uhr nachmittags ist er endlich fertig hergerichtet. Kritisch beäugt er seine Aufmachung und stellt seufzend fest, dass man mit diesem Aufzug eigentlich heutzutage kaum noch herumlaufen kann. Er muß wohl mal wieder einen Schneider kommen lassen. Einen anderen als letztes mal. Sein letzter Schnieder wartet ja immer noch darauf, daß er die Gehröcke endlich bezahlt.
      Langsam geht die Sonne unter und er bekommt Hunger. In seiner Abendgarderobe stolziert er zu einem der vielen Bankettsäle, in denen gerade ein reichhaltiges Büffet aufgetafelt ist. Er schaufelt sich seinen goldenen Teller voll und stolziert gelangweilt durch die Reihen der anderen Höflinge. Hin und wieder ruht sein Auge auf den nackten Schultern und in den tiefen Ausschnitten der Hofdamen. Gespräche drehen sich ums Wetter und verstärkt um Wetteinsätze bei Kodlurennen. Beim Grafen von Jaharand platziert er einen Einsatz von 500 Goldimperatoren auf ein Tier mit dem schönen Namen "Windfeder". Das Geld hat er zwar nicht, aber die Sache ist ein todsicherer Tip und kann gar nicht schief gehen.

      Gegen 8 Uhr abends - Zeit fürs zweite Abendessen - begibt sich die Gesellschaft in einen Pavillion im Schlossgarten und wohnt gelangweilt einer dieser endlosen Opernauführungen bei. Anran spürt, wie nach dem Essen seine Beinkleider doch reichlich in der Bauchgegend spannen. Vielleicht sollte er doch einmal die Anwendung eines Korsetts in Betracht ziehen. Neben ihm legt eine ganz ansehnliche Hofdame, deren Name ihm gerade entfallen ist, dämmernd ihren Kopf auf seine Schulter. Gelangweilt wandert seine Hand unter ihre Röcke. Er lockert seinen Gürtel, öffnet die Hose und genießt die... Zuwendungen ... der Dame.
      Die Oper ist endlich vorbei, man klatscht höflich. Und als man bemerkt, dass der Mintarar persönlich bei der Aufführung zugegen war, brandet begeisterter Applaus auf. Als der Mintarar sich zum Gehen wendet, stürzt alles in seine Richtung und versucht, ihm ein Spalier zu bilden. Anran schafft es auch heute nicht, vom Mintarar bemerkt zu werden. Niedergeschlagen begibt er sich in den Rauchersalon, setzt sich in einen der zahlreichen Ledersessel, verbringt die restlichen Stunden sinnierend mit qualmenden Zigarren und schweren kathalischen Weinen, bis er um 3 Uhr nachts in sein Bett torkelt, unterwegs noch in die Blumenbeete reihert und schließlich angewidert von sich selbst - noch in voller Montur - in seine Laken fällt.
    • Erwèn Kalwéne enBrojen, Systemadministrator, Balrechet/Valre

      Der Wecker klingelt ungefähr um 06:00 Uhr. Erwèn und die 10 bis 15 anderen Leute im Schlafsaal schälen sich aus den Decken und begeben sich -- nach persönlicher Veranlagung morgenmufflig bis gut gelaunt -- ins Clanbad. Unter der Dusche scherzt Erwèn ein wenig mit Magil, der Frau, mit der er in dieser Nacht das Lager teilte. Die beiden sind schon seit etwas über 10 Jahren recht monogam zusammen und Magil hat in dieser Zeit zwei Kinder bekommen. Vermutlich ist Erwèn der Vater, was jedoch niemanden wirklich interessiert.

      Nach der morgendlichen Dusche und dem Anziehen -- Erwèn hat sich ein Paar Schnürsandalen, einen knielangen Rock und ein Hemd gegriffen. Da er beabsichtigt, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, gibt's ausnahmsweise auch ein Paar Unterhosen -- begibt sich Erwèn in den Speisesaal. Magil hat den Kopf mit ein paar Freundinnen zusammengesteckt und kümmert sich nicht weiter um ihren Lebensgefährten, was dem -- alter Morgenmuffel, der er ist -- ganz gut in den Kram passt.

      Eine Schüssel kaun -- der Clan lebt nahe genug an Cee, um dem dortigen Wort den Vorzug vor das valresche cómnè zu geben -- mit ausgelassenem Speck, dicken Würstchen und zerlassenem Käse bildet zusammen mit Brot und etwa einem halben Liter styra die erste Mahlzeit des Tages. Nach dem Frühstück steckt sich Erwèn eine Zigarette an und unterhält sich noch ein wenig mit Bekannten und Freunden. Etwas länger nimmt der Abschied von Magil in Anspruch -- sie wird heute mittag mit der "Kjabén", dem großen Fischfang-Mutterschiff des Clans, in den Isten auslaufen und erst in etwa zwei Wochen wieder an Land kommen.

      Kurz nach 07:00 schnappt sich Erwèn ein Fahrrad und radelt los. Sein Weg führt an Feldern und Wiesen vorbei, wo er immer wieder Grüße mit anderen Leuten austauscht. Nach ein paar strammen Kilometern bergauf und durch ein Stück des Jiélnä-Waldes rollt Erwèn samt Fahrrad gemütlich die lange Steigung nach Kindsahwas, einer kleinen Gemeinde von 1.500 Einwohnern, hinunter. Wie üblich, überholt ihn auf dieser Steigung der Clanbus. Gegen 07:30 bremst Erwèn auf dem kleinen Marktplatz von Kindsahwas das Fahrrad und setzt sich auf eine Tasse styra achíse dénvò und eine weitere Zigarette in das Straßencafe von Usimdè enKanjac. Bietet auch hin und wieder eine der Tageszeitungen reichlich Stoff zum Politisieren, so drehen sich die Gespräche in Usimdès Café meistens um die Ernte und Aussaat, den Fischfang, die Jagd und die kleinen Erlebnisse des Alltags. Vielleicht -- vorallem, wenn gerade Wochenmarkt ist -- kauft Erwèn noch dies und das ein. Mitnehmen oder zahlen muß er nichts: Die Händler werden die Waren beim Clan abliefern und dort auch ihr Geld bekommen.

      Gegen 08:00 schwingt sich Erwèn wieder auf das Fahrrad und folgt dem Alten Treidelpfad entlang der Prime in Richtung des 3.000-Einwohner-Städtchens Isch. Etwa gegen 08:30 sitzt Erwèn am Schreibtisch und stellt sich seinen heutigen Arbeitsplan zusammen. Natürlich wird sich der Plan im Laufe des Tages ändern -- mehrfach sogar und die erste Änderung findet schon um 09:00 Uhr auf dem Tagesmeeting der Arbeitsgruppe statt: Ein wichtiger Kunde braucht dringend zwei neue Server. Die kamen auch gestern an, jedoch war die Nachtschicht wegen eines Störfalls nicht in der Lage, die Maschinen planmäßig in Betrieb zu nehmen. Gegen 11:00 startet Erwèn schließlich eine Reihe Testprogramme auf den neuen Maschinen und wendet sich anderen Aufgaben zu.

      Wegen einer Kundenbeschwerde braucht der Support dringend eine Expertise, für die Erwèn zunächst Material sammelt und die er schließlich schreibt. Die erste Fassung schickt er an seine Gruppenleiterin zur Abnahme. Bis deren Einverständnis zurückkommt, bereitet Erwèn den Tagesbericht vor und schimpft mal wieder leise vor sich hin, weil nie genug Zeit ist, die Berichte endlich sauber zu automatisieren. Gegen 12:30 verschwindet Erwèn schnell in der Kantine, um eine Tasse Brühe und ein Brötchen zu essen. Anschließend guckt er nach, ob die Testprogramme durchgelaufen sind -- sind sie nicht -- und ob das Einverständnis seiner Gruppenleiterin mit der Expertise vorliegt. Auch das ist nicht der Fall. So verschwindet er für die nächsten zwei Stunden in einem Meeting über eine Restrukturierung des firmen-internen Netzes. Kurz vor 15:00 kann er dann noch die Expertise an den Support schicken und die Spätschicht auf die laufenden Testprogramme hinweisen.

      Einige Minuten nach 15:00 schwingt sich Erwèn wieder auf das Fahrrad und radelt die knapp 12 km zum Wohnsitz seines Clans zurück. Diesmal gibt er etwas mehr Dampf als auf dem Hinweg und trifft so kurz vor 16:00 am Clangebäude ein. Eine schnelle Dusche im Badehaus, eine Tasse styra und ein Schokoladenbrötchen später trifft er mit drei der Clan-Erzieher und einer Gruppe von 12 5- bis 10-jährigen zusammen. Gemeinsam geht es auf in den nahen Wald, wo Erwèn die Rolle des Erzählers übernimmt, während die Kinder die Schlacht von Warunne nachspielen. Kurz nach 19:00 trifft die Gruppe wieder am Clan-Gebäude ein. Erwèn hilft den Erziehern, die quirrlige Bande Kinder zu duschen und zum Abendessen zu bringen. Er selbst ißt einen grünen Salat mit Tomaten und Käse, geschmortes Fleisch mit Pilzen, Gurkengemüse und Süßkartoffeln.

      Gegen 20:30 trifft er sich in einem Nebenraum der Clanküche mit 3 anderen Clanmitgliedern, um gemeinsam die Mathematik-Aufgaben für ihr Fernstudium durchzuarbeiten. Zwei andere Arbeitsgruppen verwenden den Raum ebenfalls, doch außer dem gelegentlichen Klirren von styra-Tassen und einem leisen Murmeln der Arbeitsgruppen-Teilnehmer ist es sehr still.

      Gegen 22:00 Uhr beenden Erwèn und seine Mitstreiter ihre Arbeit. Erwèn begibt sich noch auf ein Pfeifchen in den Speisesaal. Dort guckt er einem erotischen Tanz einiger Clanmitglieder zu, überlegt kurz, ob er in Magils Abwesenheit mit jemand anderem schlafen will, und wird schließlich von ein paar Bekannten in ein Gespräch über Holzschnitzen -- eines seiner Hobbies -- verwickelt.

      Kurz nach 23:00 Uhr begibt sich Erwèn in den Schlafsaal, sucht ein freies Einzelbett, zieht seine Kleider aus und legt sich hin. Der Tag war lang und arbeitsreich und Erwèn schläft schnell ein.
      "There are two major products that came out of Berkeley: LSD and UNIX. We don't believe this to be a coincidence. "
      Jeremy S. Anderson
    • Gowyn Gâllowây, Ritter des Königs von T'Arachil, Graf der Mittlande

      Gowyns Tag beginnt schon sehr früh, gegen sieben. Das erste was er tut ist hinter dem Vorhang verschwinden und sich erleichtern. Dann zieht er sich an und tappst in die Küche hinunter auf der Suche nach was essbarem.
      Das Essen nimmt er meist mit in den Stall, wo er dann gleichzeitig nach dem Pferden gucken kann. Sein eigenes sattelt er sogleich, und beginnt den Tag mit dem ersten Ausritt, der ihn meist auf die Hügel Daleans führt, wo er sich nunmal gerne aufzuhalten pflegt.
      Nachdem er total verschwitz ist von reiten, führt er sein Pferd zu einem kleinen Bach, wo sie sich beide erfrischen (im Winter nicht). Und dann legt Gowyn sich meist in die Sonne, liest ein Buch oder ist irgendwie faul, ehe es dann kurz vor neun richtig stressig losgeht.
      Dann muss er nämlich zur Burg zurück, und mit dem König frühstücken, wobei sie beide festlegen, was Gowyn tun soll. Meist reitet er nur die Städte ab, kassiert Steuern, achtet darauf, dass alles in Ordnung ist. Manchmal hat er auch lange Ritte vor sich, wenn er die Grenzen beobachten muss.
      Gowyn wird also mit einem weiteren Ritter losgeschickt und sie streifen durch die Wälder, als Patroullie sozusagen. Das geht den ganzen Tag. Und es ist kaum jemals vergebens, denn immer finden sich Diebe oder Landesfeinde, die hops genommen werden.
      Mittags darf der Ritter aber zum Essen einkehren, bevor es weitergeht.
      Gegen Abend kommt er wieder an die Burg des Königs, erstattet Bericht, und darf dann erneut mit dem König speisen.
      Nun hat er Feierabend. In dieser Zeit sieht er sich meist nach seinem Augenstern Cadhlain um, die oft auf des Königs Burg zu finden ist. Findet er sie, so verbringt er etwas Zeit mit ihr (einen kleinen Plausch, oder auch ein Schäferstündchen im Wald), und macht sich dann vielleicht sogar noch auf dem Weg zu seiner eigenen Burg, die weiter weg liegt.
      Gowyn geht entsprechend spät zu Bett. Wenn er in den Abendstunden nichts besseres zu tun hat, dann besucht er gerne die Dirnen der Stadt. Er ist dort ein gerngesehener Gast, obwohl das ganze etwas imageschädlich ist, auf Dauer.

      Bei Gowyn "Tag" muss man unterscheiden: Sommer/Winter, Krieg/Frieden, ob er auf seiner eigenen Burg ist oder auf der des Königs.
      Davon hängts ja ab. ;D
      We are born naked, wet and hungry. Then things get worse.
    • Shani Tiasayar, Hausschreiberin, Madheriant

      Shani wacht kurz nach Sonnenaufgang auf, wenn der Torwächter des Hauses die Morgenglocke läutet. Da sie bereits vierzehn und damit seit zwei Jahren eine Frau ist, hat sie eine eigene Kammerfrau: Mesua, die Tochter eines Holzfällers, der für die Familie Tiasayar arbeitet. Mesua hat bereits alles zum Waschen vorbereitet und frische Kleider herausgelegt. Während Shani aufsteht, sich wäscht und anzieht, räumt Mesua den Nachttopf weg und erzählt ihrer Herrin den neuesten Klatsch aus Küche und Stall. Im Nebenraum gibt es Geschrei; dort zanken sich Shanis kleinere Brüder, aber die Kinderfrau hat sie gut im Griff, und bald ist wieder Ruhe.

      Nachdem Shani fertig angezogen ist, verläßt sie ihre Kammer und geht zum Schrein. Dort sind bereits ihr älterer Bruder Irian und ihre Tante Shirava anwesend. Shani verbeugt sich vor beiden, die ihr kurz zunicken, dann tritt sie zum Schrein, kniet nieder, entzündet als Dank für den vergangenen Tag eine Kerze für die Ahnen und spricht leise ihr Gebet. Es ist eine Bitte um Schutz vor den Waldgeistern und den schrecklichen Wolfsmenschen, und aus eigenem Antrieb fügt Shani eine Bitte um Schutz vor den Sumpfgeistern hinzu. Vor denen hat sie nämlich mehr Angst als vor dem Waldvolk, das seit Jahrhunderten unter die Erde gebannt ist.

      Nach dem Besuch bei den Ahnen klettert Shani in den Turm des Hauses hinauf. Dort residiert die madan, das Oberhaupt der Familie: die Großmutter Arina Tiasayar, vor der Shani noch mehr Angst hat als vor den Sumpfgeistern. Die alte Frau ist berühmt für ihre Bosheit und ihre scharfe, verletzende Zunge, und sie verschont niemanden, nicht einmal Onkel Jelan, der als Ratsherr des Königs eine der wichtigsten Persönlichkeiten im Land ist und nur selten zu Besuch kommt. Als Shani das Gemach ihrer Großmutter betritt, liegt die alte Frau noch im Bett. Shani verbeugt sich tief vor ihr und erledigt nun all die Dinge, die Mesua für sie tut: heißes Wasser holen, Kleidung zum Anziehen herauslegen, den Nachttopf ausleeren. Außerdem hilft sie der Großmutter beim Waschen und Ankleiden und erntet statt eines Morgengrußes nur einen Strom bissiger Bemerkungen über ihre Dummheit und Ungeschicklichkeit, bis sie den Tränen nahe ist.

      Doch dann gibt es eine kurze Ruhepause. Eine Dienerin bringt das Frühstück, und die alte und die junge Frau setzen sich zusammen auf die Kissen am Fenster, trinken Tee, essen Brot und Käse und einen süßen Brei aus Mehl, Milch und Honig. Beim Frühstück ist die madan freundlicher und fragt Shani sogar nach den Träumen dieser Nacht. Am Ende des Frühstücks hat Shani ihre Großmutter beinahe gern.

      In dieser Stimmung gehen sie nun beide an die Arbeit. Als Oberhaupt des Hauses Tiasayar entscheidet Arina über alle wichtigen und viele unwichtige Angelegenheiten des Hauses. Im Laufe des Vormittags kommen alle Familienmitglieder einmal herauf, begrüßen die madan und besprechen die Dinge, die erledigt werden müssen. Shanis Vater hat ein Problem mit einem Pächter, ihre Mutter bringt eine Liste mit den Pachteinnahmen des Frühjahrs, Irian will ein Ilyarswalder Zuchtpferd kaufen, Onkel Adyar wird heute nach Valnskell reiten und mit den Priestern über die Holzlieferungen verhandeln, Tante Shirava macht sich Sorgen um eine kranke Kuh, und Shanis ältere Schwester Ilana plant ihre Reise in die ferne Hauptstadt Arithia, wo sie als Hofdame der Kronprinzessin leben wird. Shanis Aufgabe ist es, alle Angelegenheiten und die Entscheidungen der madan in das große Familienbuch zu schreiben - und wehe, die alte Frau findet nachher einen Fehler oder einen Klecks verspritzter Tinte.

      Gegen Mittag sind alle wichtigen Entscheidungen getroffen. Die Dienerin bringt das Mittagessen, und danach ist Shani entlassen. Erleichtert rennt sie die Treppe hinunter und hat nun zwei kostbare Stunden für sich. Oft reitet sie mit ihrem Bruder aus, aber weil Sommer ist, geht sie heute ins Badehaus, wo sie Ronan zu treffen hofft. Ronan ist der Sohn des Schmiedes, fünfzehn Jahre alt. Leider ist er heute nicht da; der Schmied hat ihn auf einen Botengang geschickt. Enttäuscht verbringt Shani ihre Zeit allein, später mit einigen Küchenmädchen und Dienerinnen.

      Nach zwei Stunden ruft wieder die Pflicht. Shanis Mutter ist die Heilerin des Hauses. Im Hof finden sich Pächter, Holzfäller und ihre Kinder ein, und Shani hilft beim Austeilen der Kräutertränke gegen Fieber, Übelkeit, Magenschmerzen, unerwünschte Empfängnis und so weiter. Dabei lernt sie nicht nur, welches Mittel gegen welche Krankheit hilft, sondern sie lernt auch die Menschen kennen, die für ihre Familie arbeiten. Als alle versorgt sind, begleitet Shani die Mutter bei ihrem Ritt zu denjenigen, die zu krank sind, um selber laufen zu können. Das ist eine Arbeit, die sie fast noch mehr fürchtet als die erste Stunde morgens bei der madan, aber auch sie muß getan werden. Gebrochene Arme, ausgerenkte Schultern, Frauen im Kindbett, ein Mann, der sich mit der Axt in den Fuß gehauen hat - zum Glück gibt es keine Anzeichen von Wundbrand. Auch ist niemand von dem gefürchteten Sumpffieber befallen, und es gibt keine Hinweise auf Verbrennungen oder andere Ausbrüche der Magie. Gegen Abend kehren Shani und ihre Mutter nach Hause zurück, und die Familie findet sich zum Abendessen zusammen. Dazu kommt auch die madan aus ihrem Turm herunter. Sie wird von allen mit größtem Respekt begrüßt. Diesmal ist es die Aufgabe von Shanis Vater - dem Zweitältesten -, die madan zu bedienen. Shani unterhält sich mit Ilana über die Reise nach Arithia und das Leben am Königshof.

      Nach dem Abendessen bringt die Kinderfrau die beiden jüngeren Brüder ins Bett. Die Familie unterhält sich noch eine Weile; einige nähen oder sticken, andere reden über den Holzhandel, von dem der Reichtum der Familie abhängt. Dann zieht sich die madan zurück. Eine Dienerin kümmert sich um sie. Shani bleibt noch eine Weile bei ihrer Schwester und geht dann auch ins Bett. Sie liegt noch eine Weile wach und überlegt, wie sie selber es schaffen kann, als Hofdame der Kronprinzessin an den Königshof zu gelangen. Sie kommt zu dem Schluß, daß sie keine Chance hat. Erstens wird sie zu Hause gebraucht und soll später die Heileraufgaben der Mutter übernehmen, und zweitens hat Ilanas Ausstattung die Familie ein Vermögen gekostet. Mit bitterem Neid auf die Schwester im Herzen schläft sie ein.

      Rabenzeit 1 gibt's bei Amazon für den Kindle und als gedrucktes Buch im Buchhandel. Als epub bei mir.
      Und Glitzi 8 ist fertich.
    • Samira Djar, Diaskol Djar im Hause Asronerr, Helartan

      Samira wacht wie ueblich vom Turmgelaeut zur fuenften Nachtstunde auf. Sie erhebt sich und macht sich bereit fuer ihren Arbeitstag. Die Kuechenuhr schlaegt zeigt eine halbe Stunde spaeter an, als sie in der Kueche auftaucht. Mebed, die freie Koechin, werkelt bereits mit Gevrik Kaster-Djar in der Kueche, Gevrik selber ist ebenfalls wie Samira ein Leibeigener auf Lebenszeit, wie alle Djar, allerdings gehoert er einem weiter entfernten Zweig der Familie an und steht lediglich im regionalen Register. Die Koechin, die selber nur im zweiten Register steht, und der Leibeigene begruessen die im Rang hoeherstehende Samira jedoch nur außerhalb des Hauses formell, hier im Haus ist das Gesinde, zu dem Samira durch ihre Geburt gehoert, eher zwanglos im Umgang.

      Das Fruehstueck fuer die Vorsteherin des Hausgesindes, Samira, steht schon bereit und es toent draussen der einmalige Schlag fuer die erste Tagesstunde, in der Kueche sind es zwei Schlaege, als Zeichen, dass es Zeit wird durch das Haus zu gehen.
      Die Diaskol verlaesst die Kueche mit ihrem Broetchen in der Hand und hat es wie ueblich verspeist, als sie schliesslich vor der Tuer ihres Herren stehen bleibt und die Haende an der Hausschuerze sauber wischt um nach einem kurzen Anklopfen einzutreten.

      Sie zieht die Vorhaenge zurueck und oeffnet die Fenster, klappt die Fensterlaeden auf, damit frische Luft in das Zimmer gelangt. Ihre Herrschaften, Hasek und Fedreka Asronerr, wachen nach und nach auf und die Diaskol Djar verneigt sich tief, waehrend sie den Beiden einen Guten Morgen wuenscht. Ihre Besitzer sind selber Mitglieder des grossen Registers, angesehene Buerger der Hauptstadt Ardaitars, Helartan, und Haendler. Hasek erhebt sich wie ueblich als Erster, seine Frau zieht noch einmal die Decke ueber den Kopf und auf die Frage, ob sie zum Fruehstueck ebenfalls nur Tee wuenscht, winkt sie nur kurz unter der Decke hervor ab. Samira verneigt sich wieder und verlaesst das Zimmer um draussen auf Dabi zu treffen, das Maedchen, dass dem Herren und der Herrin beim morgendlichen Prozedere beisteht. Das Maedchen ist noch jung und Samira wirft ihr einen abschaetzigen Blick hinterher als die Kleine schliesslich ihrem Herren hinterherhuscht und begibt sich zurueck zur Kueche um Anweisungen fuer das Fruehstueck zu geben. Es ist allgemein bekannt, dass der Herr des Hauses bei manchen Dingen einen unerschoepflichen Appetit besitzt, seine Frau erwartet das zwoelfte Kind inzwischen.


      Der Tagesablauf selber ist fest geregelt bzw. hat sich in den letzten zehn Jahren eingespielt:

      Sobald die Herrschaften ihr Fruehstueck zu sich genommen haben wird Hasek Asronerr noch eine halbe Stunde mit seiner Frau, die derzeit im vierten Monat ist, verbringen und dann aufbrechen zu seinem Handelshaus, dass zu den groessten der fuenf Nationen zaehlt. Seine Frau wird danach erst einmal mit Samiras Hilfe ihre heutige Garderobe waehlen, waehrend die beiden Frauen darueber debattieren wie ein Mann nur so unersaettlich sein kann. Auch wenn die Auswahl der Tageskleidung eine kleine Weile dauert, es ist mehr ein althergebrachtes Ritual, denn eine wirkliche Auswahl, Samira ist immer sehr stolz auf ihre Herrin, die eher schlichtes traegt und kaum aufwendige Kleidung besitzt, wie andere Frauen ihres Standes.

      Dann sind auch die Kinder endlich wach und die Hausherrin wird ihnen Gesellschaft beim Fruehstueck leisten. Samira ueberlaesst es einem freien Bediensteten acht zugeben und begibt sich wieder in die Kueche, in der nun nach und nach die anderen Bediensteten sich eingefunden haben und die Vorsteherin des Gesindes geht den heutigen Tagesplan mit den Maennern und Frauen durch, die teilweise frei, teilweise Leibeigene sind.

      Wenn das besprochen ist, erklingt auch schon die Hausglocke und zwei der Maedchen eilen nach oben, um der Hausherrin die Baelger abzunehmen und diese, so denn sie alt genug sind, einzukleiden fuer den Schulbesuch. Waehrenddessen zieht sich Samira ebenfalls um, als hochrangige Leibeigene ist es eine ihrer Aufgaben die Kinder zu der Schule zu bringen. Samira wirft noch einen kurzen Blick in den Spiegel und rueckt den schmalen eisernen Halsreif zurecht, der sie als Diaskol, also Leibeigene ausweist, und eilt nach unten um die schulfaehigen Kinder in Empfang zu nehmen. Die Koechin drueckt ihr noch schnell einen Einkaufskorb in die Hand und die Liste der Besorgungen ,die Samira auf ihrem Weg z.T. erledigen kann, dann geht es schon los.

      Wie jeden Tag um diese Uhrzeit, die Hausuhr zeigte halb neun an, sind die Strassen zusaetzlich zum normalen Betrieb voll, bringen Erwachsenen Kinder zur Schule.

      Samira steht im Severe-Register und damit gehoert sie zu den angesehenen Personen der Stadt, sie ist auch eine stolze Traegerin des Halsreifes. Unterwegs trifft sie bekannte Gesichter und gemeinsam scherzt man wieder ueber die Herde an Kindern, die man vor sich hertreibt. Schliesslich wird die Schule erreicht, die Kinder werden abgeliefert und Samira schliesst sich zwei weiteren Leibeigenen an, um einzukaufen. Ihre Begleiter sind selten nur Frauen, heute sind es zwei Maenner, ebenfalls wie sie Vorsteher des Hausgesindes und man tauscht sich ueber die ueblichen Probleme aus, hoert sich um, ob jemand etwas ueber neue Angestellte und Bedienstete die in den Haushalt kamen weiss, etc.

      Samira erledigt die Dinge auf ihrer Liste, von einfach etwas Naehgarn kaufen ueber Auftraege fuer Lieferungen, ob der Feier die ihre Besitzer demnaechst veranstalten, und erreicht schliesslich, als die Mittagsglocke drei mal schlaegt, den Haushalt wieder. Inzwischen sind die Bediensteten mit dem gewohnten taeglichen Hausputz fast fertig, das Mittagsessen, zu dem Hasek Asronerr ebenfalls im Haus verweilt, ist ebenfalls angerichtet und gemeinsam mit den Herrschaften und den im Haus verbliebenen kleinen Kindern nehmen die oberen Bediensteten ihr Mittagessen zu sich.

      Zwei Stunden spaeter verlaesst Hasek die Familie wieder und kehrt zu seinem Geschaeft zurueck. Die Kinder machen ihren Mittagsschlaf und die Hausherrin entschliesst sich dazu eine Freundin zu besuchen, die einen Kuenstlernachmittag veranstaltet.

      Samira geht derweil die Hauskorrespondenz durch. Ein Teil ist fuer sie, ein Teil fuer die Herrin und den Herr, Briefe die fuer das Gesinde sind, werden dann abends von ihr ausgeteilt. Bis die Kinder aus der Ganztagsschule um zur zehnten Tagesstunde abgeholt werden muessen. hat Samira noch etwas zeit, die nutzt sie um durch ihre eigenen Sachen zuschauen, was sie heute abend flicken oder nähen muss, eigene Briefe zu schreiben und anderes.

      Schliesslich bricht sie wieder auf und holt gemeinsam mit anderen Erwachsenen die Kinder von der Schule ab. Das dauert immer etwas, schliesslich werden eventuelle Vorkommen des Tages noch besprochen und Samira verspricht sich darum zu kuemmern. Die Kinder stuermen nur kurz ins Haus rein, ihre Mutter ist noch nicht da, dann, nachdem sie von der Koechin suesses Gebaeck erbetteln konnten, duerfen sie endlich wieder raus.

      Die Bediensteten haben jetzt Zeit um selber etwas zu essen oder auszuruhen, nur die Kindermaedchen plagen sich mit den Kleinen herum und Samira schickt sie ebenfalls essen, sie kuemmert sich wie sooft selber um die Juengsten. Sie selber hat bereits drei erwachsenen Kinder, mehr hat sie vom Rat der Diaskolfamilien nicht erbeten, aber sie sieht in der Zeit, die sie sich um die Kinder ihrer Herrin kuemmert, mehr eine Freude denn eine Pflicht.


      Es hat zur zweiten Abendstunde geschlagen wenn der Hausherr zurueckkehrt von seinem Arbeitstag. Seine Frau ist bereits frueher dagewesen um ihren Mann wie es sich aus ihrer Sicht heraus gehoert an der Tuer zu begruessen.

      Es bleibt eine halbe Stunde bis das Abendessen bereitsteht und die gesamte Familie beisammensitzt und speist. danach verbringen die Eltern ihre Zeit bis zur dritten Abendstunde mit den Kinder, man erzaehlt vom Tag, Samira berichtet kurz von den Beschwerden oder Loben der Lehrer. Nach und nach werden die Kinder ins Bett gebracht, bis spaetestens zur vierten Abendstunde liegen sie alle im Bett und Samira kann das restliche Gesinde, bis auf die im Haus Wohnenden, entlassen.

      Wie nun seit ueber vierzehn Jahren und fuer sie kaum mehr als ein muedes Grinsen wert, kann man im Stockwerk des Herren und der Herrin sich ausmalen, warum Masek es mal wieder so eilig hatte, mit seiner Frau im Schlafgemach zu verschwinden.
      Samira selber wird noch einen Kontrollgang durch das Haus machen und sich dann in die Kueche begeben, wo die im Haus wohnenden Bediensteten noch zusammensitzen. Sie ueberlegt kurz noch auszugehen, allerdings war sie schon die letzten Abende außer Haus und zulange unterwegs, heute will sie etwas zeitiger zu Bett und nicht erst drei Glockengelaeute bevor sie wieder aufstehen muss.
      m vi: Dis Praisfrake was rehließd ander se Dschäneral Puplik Laizenz.
    • Sonnenwinter Stachling, Hirte auf der Wolfsplatte, Noila

      Sonnenwinters Familie beginnt den Tag etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang. Dann steht seine Frau auf und bringt zunächst das Feuer wieder in Gang. Sobald es flackert, schält sich Sonnenwinter aus seinen Decken, um die Milchschafe und die paar Pferde zu tränken und füttern, die in einem Pferch bei der Hütte stehen. Seine kleine Tochter kommt mit, um gleich zu melken. Danach wird schnell gefrühstückt: ein Becher Kräutermilch für jeden und ein wenig Dörrfleisch.

      Die sonst nun fälligen zwei Stunden Lese- und Rechenunterricht für die achtjährige Seeauge müssen zur Zeit ausfallen, denn weil ihre Mutter endlich wieder schwanger ist, kann sie nicht so viel arbeiten wie sonst. Sie bleibt also im Zelt und kümmert sich um die Flickarbeiten, die Essenszubereitung und überwacht das Fleisch des drei Tage zuvor geschlachteten Hammels, das als Vorrat in einer steinernen Vorrichtung neben der Hütte geräuchert wird. Seeauge dagegen muss nun mit einer aus Hartgras geflochtenen Kiepe auf dem Rücken losziehen und neues Brennmaterial einsammeln - getrockneten Pferde- und Schafkot. Nachmittags wird sie dann Beeren, Wurzeln und Kräuter sammeln.

      Sonnenwinter zieht nur wenig später los als seine Tochter. Er reitet nach Norden, dorthin, wo seine Herde gestern abend stand. Von dort aus folgt er ihren Spuren und kann schon wenig später die gelblichen Punkte der Schafe und die nur wenig dunkleren der Pferde entdecken. Er nähert sich der Herde im Schritt, um die manchmal schreckhaften Tiere nicht aufzustören, und reitet langsam herum, bis er seine Schwester findet, die auch nach der durchwachten Nacht noch gerade und aufmerksam auf dem Pferd sitzt. Sie wechseln ein paar wenige Worte - es ist eine ruhige Nacht gewesen, keine Wölfe, keine Viehdiebe aus verfeindeten Familien, keine Nachtvögel, die die Tiere hätten erschrecken können -, dann reitet seine Schwester nach Hause, um sich hinzulegen.
      Sonnenwinter patroulliert einmal um die Herde, versucht zu zählen und schätzt den Gesundheitszustand der Tiere ein. Ein Schaf hinkt auffällig, Sonnenwinter fängt es mit seinem Lasso ein, steigt ab und betrachtet das Bein. Erleichtert zieht er den langen Dorn aus der empfindlichen Hufspalte und reitet weiter. Keine Seuche.
      Mittags holt er geräuchertes Trockenfleisch, Käse und eine Rispe Eisbeeren aus der Satteltasche, isst und trinkt Wasser aus dem Lederbeutel, alles ohne abzusteigen.

      Als es am späten Nachmittag zu dämmern beginnt, kommt Vielfreude, seine Schwester, auf dem großen Falbhengst Hufsturm angeritten. Obwohl Sonnenwinter weiß, dass der Hengst Bewegung braucht und wieder in die Herde muss, weil zwei Stuten rossig sind, ist er etwas ungehalten. Eigentlich hatte er seinen ganzen Stolz selbst am nächsten Morgen holen wollen. Er kommt aber nicht mehr dazu, etwas zu sagen, denn gerade in diesem Augenblick ruft sie laut auf und deutet hinter ihn, und als er sich umdreht, sieht er mehr als ein dutzend gelbgrauer Schatten, die in die Schafherde hineinfahren, die blökend auseinanderstiebt.
      Bis Sonnenwinter und Vielfreude am Ort des Geschehens ankommen, ist es schon zu spät - ein Schaf ist gerissen und in Stücken davongetragen worden. Sonnenwinter kann aber noch einen Wolf mit seiner kleinen Armbrust erlegen.

      Eine Weile bewachen noch beide Reiter die Herde, dann lässt Vielfreude den Hengst laufen, nachdem sie sich eine Fuchsstute aus der Herde geholt hat. Sie ist eine gute Reiterin, aber wenn eine rossige Stute in der Nähe ist, lässt sich Hufsturm nicht mehr bändigen. Sonnenwinter nimmt dem geschossenen Wolf noch den Pelz ab, dann macht er sich auf den Heimweg. Inzwischen ist es tiefste Nacht.

      Zu Hause angekommen sitzt die kleine Familie nach dem Abendessen, einer fetten Suppe, noch eine kleine Weile beisammen, unterhält sich und erzählt Geschichten, dann kriechen alle drei unter die Decken, während Seeauges Tante draußen bei der Herde wacht. Wenn die Woche um ist, wird Sonnenwinter die Nachtwache übernehmen.
      I'm one of many, I speak for the rest, but I don't understand... (Genesis - Man Of Our Times)
    • Cadhlain NiBreagh, Herzogstochter und Gattin des Prinzen von T'Arachil
      Cadhlains Tag beginnt gegen 10 Uhr früh, denn sie schläft gerne lang aus, und hat ja ohnehin keine berufliche Beschäftigung, da das eben nicht üblich ist bei Frauen. Sie frühstückt nach dem Aufstehen mit ihrem Gemahl, dem Prinzen und dessen Vater dem König, und eventuell noch anderen Leuten.
      Danach geht sie entweder in die Bibliothek der königlichen Burg, die sie unter ihre Fittiche genommen hat, und regelt dort die Ausleihe oder den Bestand, oder liest selbst ein Weilchen. Oder sie geht gleich in ihren Garten, der eigentlich nicht ihr gehört, aber in dem sie das ein oder andere angepflanzt hat. Oder sie geht in die Falknerei des Prinzen und beschäftigt sich ein wenig mit seinen Raubvögeln, weil sie so ein Vogelnarr ist.
      Anschließend reitet sie gerne in die Stadt um private Einkäufe zu erledigen, oder unterwegs wie zufällig einem gewissen Ritter zu begegnen.
      Den Rest des tages bis zum Abend verbringt sie dann meist auf der Burg, wo sie sich mit dem Damen an den Webstuhl setzt, obwohl sie das eigentlich nicht ausstehen kann (aber es wird halt von ihr erwartet).
      Cadhlains liebste Ausreitezeit ist der Abend kurz vor Sonnenuntergang. da auch das Zeichnen ihr Hobby ist, hat sie schon zig Zeichnungen von der Landschaft um die Burg angefertigt.
      Wenn ihr Gemahl nicht zuhause ist, kommt sie nicht mal vor Mitternacht zurück. Ist er aber da, so nehmen sie ein gemeinsames Abendessen ein, verbringen vielleicht noch ein Stündchen in der Bibliothek oder bei einem Spaziergang, und begeben sich dann recht früh zu Bett. cadhlain findet das äußerst unangenehm, weil sie so früh einfach nicht schlafen kann, und so halt wachliegt. Aber der Prinz würde es auch nicht dulden, wenn sie irgendwas anderes tun würde, während er schläft. %-)
      We are born naked, wet and hungry. Then things get worse.
    • Wie? Will keiner? ;D

      Dann hätte ich noch einen Piraten anzubieten:
      Briecelan M'hunnuy, Pirat (alle Weltmeere)

      Der blonde Seeräuber steht kaum je vor der Mittagszeit auf, weil er sich jeden Abend hemmungslos zu betrinken pflegt. Eigentlich hat er selbst auch schon festgestellt, dass er ein Problem hat, denn inzwischen hält er keinen Tag mehr ohne Alkohol aus. So also lässt man ihn seinen Rausch ausschlafen, denn seine zahlreiche Besatzung ist ja meistens wenigstens halbwegs nüchtern (oder zumindest nicht besoffen genug um zu vergessen, wie man ein Schiff steuert).
      Wenn Briece aufwacht, wird ihm gleich das Mittagsmenü vorgesetzt, was meist eh aus Fisch besteht, es sei denn es konnten noch andere Lebensmittel geplündert werden (oder die Reise ist noch nicht zu lang, und es ist noch anderes übrig). Zum Nachtisch pflegt Briece Kräuter zu rauchen, die bewusstseinsverändernde Substanzen beinhalten. Schließlich ist das monatelange Leben auf See ziemlich dumpf, wenn nicht gerade was zu beklauen rumschwimmt.
      Aus purer Langeweile pflegen Briece und seine Leute in den Abendstunden mit den Raubfischen der Meere um die Wette zu schwimmen, wobei es besonders angesehen ist, wenn man sich mit einem Bein weniger aus dem Maul der Bestien befreien kann. Matrosen, die sich vollständig verschlingen lassen, gelten als Spielverderber.
      Dann folgt das Abendessen, nicht viel anders als das Mittagsessen, bloß dass Briece dieses im Kreise seiner Männer einnimmt, und nicht alleine wie das Mittagsessen. Nach dem Abendessen bespricht er sich mit seinen Männern, und verzieht sich dann in seine Kabine, um in sein Logbuch zu schreiben (ja, das tut er) oder sich zu besaufen ehe die Sonne überhaupt untergegangen ist.

      Angenommen er ist nicht auf See, sondern irgendwo an Land (meistens ist das Pannas, weil es sein liebster Aufenthaltsort ist)
      dann erwacht er schon mal viel früher. Hier schläft er nicht in seiner luxuriösen Kabine, sondern in einer Holzhütte nah am Strand. Er schätzt es so sehr, nach langen Monaten wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, dass er früh morgens schon um die Insel läuft, und die Einheimischen besucht, bei denen er gern gesehen ist, weil er gute Tauschware aus fernen Ländern bringt (ja er klaut nicht nur). Bei den Einheimischen bekommt er Milch und Getreideflocken zu essen, außerdem Gemüse und Brot mit Honig, was er so selten sieht. Alle schätzen diese Abwechslung.
      Den Einheimischen hilft Briece den ganzen Nachmittag über bei der Jagd in den Wäldern oder auch zu Wasser (da kennt er sich ja besser aus), und "verdient" sich so sein Abendessen.
      Abends gibt es auf Pannas immer eine große Feier wenn die Piraten kommen, und es wird viel getanzt und getrunken. Obwohl er sich schwört, sich zurückzuhalten, langt Briece hier auch tüchtig zu.

      Angenommen er hat gerade ein anderes Schiff ausgemacht, das sich zum entern irgendwie geradezu anbietet, dann steuert er es an, und liefert sich ein Katz-und-Maus spiel mit deren Besatzung (das beginnt mit Warnungen, Drohungen und Beleidigungen, geht über in gegenseitige Bombardierung, und endet mit dem entern von Seiten Brieces). Einmal auf dem fremden Schiff plündern Brieces Leute alles was geht (wobei Lebensmittel fast schon höher im Kurs stehen als Edelsteine und Gold) und lassen die armen Opfer ohne weiteres ins Wasser springen, wo sie dann entweder vor Hunger/Durst sterben, oder sich dann einfach nicht mehr über Wasser halten können, oder schon eher von den Raubfischen angeknabbert werden.
      Frauen und Mädchen werden zum Amusement der Besatzung als "Gäste" aufgenommen. Man erzählt sich, dass auf Brieces Befehl auch mal kleine Kinder gebraten wurden, um die hungrige Besatzung zu ernähren... solche Berichte sind aber nicht ernst zu nehmen – solche Dinge sind Briece eigentlich zuwider. Er isst höchstens dann und wann einen Hund. (Das ist üblich).
      Das geenterte Schiff wird eine Weile mitgeführt, und schließlich versenkt.
      In solchen Nächten schläft Briece viel besser, weil die Stimmung der Mannschaft entsprechend euphorisch ist. Wenn die ganze Mannschaft nach langen Monaten auf See schlecht gelaunt ist, dann geht es dem Kapitän natürlich nicht besser.
      We are born naked, wet and hungry. Then things get worse.
    • *wühl* Nur so eine Idee, die mir heute Nachmittag mal gekommen ist...

      Shara Tejam, Tochter eines Pumpenbauers aus Tanha*

      Shara hat als eine der wenigen Bewohner von Tanha das Glück, in eine Familie hineingeboren worden zu sein, die eine Art „Lizenz zum Gelddrucken“ zu haben scheint. Ihr Vater ist - wie auch ihr Großvater und Dutzende weiterer Vorväter vor ihm - Pumpenbauer. Er stellt aber nicht nur irgendwelche Gerätschaften zum Fördern und Transportieren von Wasser her, sondern die weitaus besten, aber auch teuersten der ganzen Gegend. Oft kommen auch ausländische Boten, die im Namen ihrer Herren Anfragen nach einer Sonderanfertigung stellen. Geld spielt in der Familie Tejam somit kaum eine Rolle.

      Shara hat deshalb auch einen entsprechend entspannten Alltag. Sie steht dann auf, wenn sie von den Sonnenstrahlen in ihrem Zimmer geweckt wird, wäscht sich –sauberes Wasser zur täglichen Körperreinigung können sich in der Wüste nur betuchtere Bürger leisten -, kleidet sich an und begibt sich in den Aufenthalts- und Essraum des schönen Hauses. Dort haben sich meist bereits ihre Eltern und ihre Brüder versammelt, um die Geschäfte des Tages zu besprechen. Anders als die meisten Wüstenbewohner nimmt man auch etwas mehr zu sich als nur Milchprodukte oder einfaches Brot – meist gibt es zusätzlich teure Nahrungsmittel wie Früchte, Sauerteigbrot oder gar Honig, die aus fremden Ländern importiert werden müssen. Nach dem Frühstück machen sich Sharas Vater und ihr ältester Bruder daran, Pumpen zu bauen.
      Das Geheimnis ihrer besonderen Effektivität wird streng gehütet und nur vom Vater an denjenigen seiner Söhne weitergegeben, der das größte Talent zum Pumpenbau zu haben scheint. Die anderen arbeiten ebenfalls mit, fertigen aber nur einzelne Teile, so dass daraus die Funktionsweise des Ganzen nicht abgeleitet werden kann.

      Shara ist im Familienbetrieb zunächst für die Besichtigung bereits gebauter und in Betrieb genommener Pumpen zuständig. Bei starker Beanspruchung geht hin und wieder ein Teil kaputt, was meist zum Totalausfall der Pumpe führt, und das ist für den Besitzer natürlich eine Katastrophe. Sharas Aufgabe ist dabei in erster Linie, den aufgebrachten Kunden zu beschwichtigen und davon zu überzeugen, dass die Pumpen ihrer Familie dennoch von hoher Qualität sind und dass man sich so schnell wie möglich um eine Reparatur kümmern werde. Ihre Brüder und die anderen Angestellten sind dazu nämlich eher weniger geeignet – weibliche Anmut und Schönheit wirken schneller versöhnend als grobe Hände und eine rauhe Stimme. Shara kümmert sich daher auch um die Akquise neuer Kunden. Zudem hilft sie gelegentlich denjenigen ihrer Geschwister, die nicht mit dem Pumpenbau beschäftigt sind, bei der Führung des Geschäfts.

      Im alltäglichen Stress dürfen natürliche Bedürfnisse selbstverständlich nicht vernachlässigt werden. Das Mittagessen wird in der Familie Tejam dann eingenommen, wenn man gerade Zeit und Hunger hat, in der Regel wird also getrennt gespeist. Das Essen wird von Hausangestellten zubereitet, ein Luxus, den sich nur wenige leisten können – in anderen Familien Tanhas übernimmt dies entweder die Mutter oder eine unverheiratete Tochter. Zu letzteren ist übrigens auch Shara zu zählen – trotz ihrer fünfundzwanzig Jahre. Alle Tejam-Töchter heiraten recht spät, weil sich potentielle Schwiegersöhne erst dem harten väterlichen Auswahlverfahren stellen müssen, das dazu dient, windige Charaktere „auszufiltern“ – schließlich müssen der gute Ruf der Familie und das Geheimnis, das mit den einzelnen Schritten der Pumpenherstellung verbunden ist, gewahrt bleiben.
      Shara hat trotz ihrer Aufgaben im Familienbetrieb regelmäßig Zeit, um sich zu vergnügen. Sie trifft sich dann entweder mit Freundinnen – was schwierig sein kann, weil diese meist bereits verheiratet sind und schon Kinder haben – oder schlendert über die Märkte der Stadt.

      Abends trifft sich die ganze Familie zum gemeinsamen Mahl. Im Gegensatz zu den anderen Mahlzeiten wird hier meist alles aufgetischt, was die Küche hergibt. Nicht selten lädt man auch Gäste oder potentielle Handelspartner ein. Gespeist wird dann nicht im Haus, sondern im Innenhof, wo ein großes Feuer entzündet wird, an dem man anschließend noch sitzt und gemeinsam singt, tanzt oder Schauwettkämpfen und Geschicklichkeitswettbewerben frönt – solange, bis allgemeine Müdigkeit einsetzt oder die Tatsache, dass mit dem Anbruch des nächsten Tages auch wieder die Arbeit beginnt, das Zubettgehen fordert.


      * Tanha (zur Abwechslung mal kein stummes H ;D) ist eine Wüstenstadt im Osten der öden Ebene, die das Nordland und Okro trennt, liegt also grob in der Mitte des Südkontinents. Es handelt sich um den einzigen größeren Ort in der Gegend.
    • Leider habe ich für einiges noch keine Namen, deshalb beschreibe ich es einfach so wie es ist.

      Ähm... ist ein wenig länger geworden und hört sich streckenweise ein wenig wie eine Geschichte an, aber das änder ich jetzt nicht mehr ;D

      Grog, Orkbauer aus den roten Lande

      Grog ist einer der rothäutigen Orks aus dem Süden des Kontinents der Stürme. Er wohnt in Grun, nicht mehr als einer kleinen Ansammlung von schäbigen Holzhütten, in der Nähe einer orkischen Hauptstadt.
      Wie viele Orks ausserhalb der Stadt gehört er keinem Clan an, was sie auf die unterste Stufe der orkischen Gesellschaft der roten Lande stellt.

      Grog besitzt nicht mehr als die paar Bretter seiner Behausung, die staubige Kleidung an seinem Leibe und ein paar schlecht gearbeitete Werkzeuge für den Ackerbau.

      Morgens weckt ihn das Scheppern des Dorfeigenen Gongs Gruns, das auf das tiefe Grollen des morgendlichen Glockendonners der Stadt antwortet.

      Schwer fluchend erhebt er sich vom staubigen Boden. Nicht nur wegen der Kopfschmerzen, die der Misklang des Dorfgongs in seinen Ohren und den Folgen der gestrigen Nacht verursachen, sondern auch um den Dämonen zu huldigen, die in den schwarzen Kirchen der Stadt angebetet werden. Nicht weil er sich etwas davon erhofft. Es ist mehr eine Mischung aus Gewohnheit und der Angst vor den mächtigen Dämonenpriestern, die Ungläubige gern durch ihr qualvolles Opfer zum Glauben verhelfen.

      Grog scharrt in einer Ecke zunächst eine dort vergrabende Kiste frei und entnimmt ihr einen kurzen Streifen der ledernden Schwarzpilze. Es ist ein kostbarer Besitz. Das Gewebe des Pilzes ist zwar zäh und vertrocknet im toten Zustand schnell zu einer schwarzen pulvrigen Masse, aber kann gleich nach dem Schnitt des Pilzes große Mengen Wasser speichern. Solche Pilzschämme vertrocknen erst nach Jahren. Nur unter Druck geben sie das lebendsspendene Naß in kleinen Tropfen ab. Um Wasser aufzunehmen müssen sie stundenlang im selbigen verbringen.

      Grog steckt sich den Streifen in den Mund und grunzt befriedigend, als sich sein trockender Mund sich wieder mit Feuchtigkeit
      Kauend greift er sich die paar Geräte, die er besitzt und verlässt seine Hütte. Er begrüsst die paar Nachbarn, die sich zwischen den Hütten sammeln mit einem kurzen "Hack" und gesellt sich zu ihnen.
      Während sie auf die anderen warten reiben sie sich ihre Körper mit dem rotem Staub des Bodens ein- die morgendliche Wäsche.
      Einige nießen oder husten, gereizt durch den roten Atem, einer in den Roten Lande weitverbreiteten Volkskrankheit.

      Wenn dann alle erschienen sind, maschieren sie wortlos los, richtung Stadt. Eine große glühende Sonne scheint ihnen auf die rotebraune dicke ledrige Haut und verbrennt Schicht um Schicht. Ihre Nacken, Arme und Beine sind bereits schwarz verkohlt als sie endlich ankommen und zu einer großen Menge von ein paar Hundert Orks stoßen, die sich dort bereits versammelt haben.

      Die westlichen Ausläufer des gewaltigen Stadtberges erheben sich vor ihnen. Sie können die Tausenden von Säulen und Dächern erkennen, das Chaos ihrer Anordnung und das Gewimmel der Millionen von orkischen Seelen darin. Ganz oben erhebt sich die sechseckige Dämonenkathedrale und die Kuppeln des Palastes des Kriegsherrs dieses Orklandes.

      Zwischen den Gebäuden kommen ihnen einige Wargreiter entgegengeritten. Hinter ihnen rollt knarrend ein großer Bargkarren heran, auf dem ein undefenierbares Gemetzel aus dem Fleisch aller möglichen Wesen, darunter auch Orks, heran. Grog und einige andere beginnen bei diesem Anblick zu fluchen. Ihre heutige Aufgabe ist eine der unbeliebtesten. Der gewaltige Gestank dieses Leichenhaufens brennt ihen sofort in den Lungen und Augen. Die Wargreiter hetzen ihre Hyaenenhaften Reittiere mitten in die Menge und brüllen mit erhobenen Äxten und Peitschen den heutigen Zielort.

      Grummelnd setz sich alle Orks langsam in Bewegung, den Karren mit dem riesigen Stierhaften Wolf, dem Barg, in ihrer Mitte. Ihr Weg führt sie wieder weg von der Stadt in südliche Richtung. Sie begegnen immer mehr anderen Gruppen, die bereits auf den Feldern arbeiten, angespornt durch die grausamen Aufseher auf ihren Wargs.
      Sie erreichen ein ansehnliche Kollonie der Orkgroßen Graupilze und beginne mit der Arbeit unter der immer höher stehenden Sonne.

      Grog nimmt sich einen rostigen Harken von seinem Gürtel und beginnt mit der Arbeit. Bis zum Mittag sind er und die anderen Orkbauern damit beschäftigt unter den scharfen Augen der Aufseher die gesamte stinkende Ladung des Karrens zwischen die Pilze zu hiefen und dort zu verscharren.
      Wenigstens bieten die größeren Pilze ein wenig Schatten, doch sowohl die Orkbauern als auch die Aufseher sind am Ende erschöpft und ausgetrocknet.

      Grog versammelt sich mit den anderen um die Aufseher und empfängt seinen Lohn, eine kleine schwarze stumpf glitzernde Kugel- das kleinste Zahlungsmittel der Orkstadt. Grog verstaut sie in einem Beutel um seinen Hals und tritt mit den anderen den Rückweck an. Vor der Stadt haben sie die Wahl und manche auch das Pech, eine weiter Aufgabe auf den Feldern zu übernehmen.

      Grog hat keine Lust und Glück. Er hat frei für den Rest des Tages.
      Erschöpft und schwarz gebrannt betritt er den Schatten spendenden Schutz der Stadt. Bald verlässt er die großen Lagerviertel und wandert durch die engen Straßen des Viertels der Arbeiterklasse. Er steigt viele Stufen hinauf und wieder herab. Hin und wieder muss er sogar klettern. Die Stadt der Orks ist kein Ort, an dem es viele Straßen gibt.

      Nach etwa einer Stunde hat der sein Ziel erreicht, sein Lieblingstrinkhaus.
      Es ist ein gemauertes Gebäude, keine Säulenhalle, wie viele andere hier.
      Mit einem Nicken lässt ihn der Clanork an der Tür herein. Grog ist einer der wenigen Clanlosen, die hier Zutritt haben. Er betritt den großen schattigen Saal, der vom Geruch billigen Alkohols, stinkenden Orks und verbranntem Fleisch erfüllt ist. Das Haus ist um diese Zeit noch nicht sehr gut besucht. Es ist noch zu früh am Tag.

      Grog bestellt ein Wasserfass, für das er mit zwei der schwarzen kleinen Kugeln bezahlen muss. Er nimmt einen tiefen genussvollen Schluck und spuckt dann den schwarzen Pilzstreifen hinein. Er macht es sich in einer Ecke einer langen Steinbank gemütlich und lauscht ein wenig den Geräuschen der Stadt. Langsam füllt sich das Trinkhaus und die ersten Kämpfe beginnen in der kleinen Haus eigenen Arena.
      Grog nimmt manchmal an diesen Kämpfen teil um ein wenig dazu zu verdienen und macht sich dabei nicht schlecht. Zudem erweckt man als guter Kämpfer die Aufmerksamkeit der Clans.

      Durch die Kämpfe und die üblichen Streitereien vertreibt sich Grog die Zeit bis zum Abend und erkauft sich dann mit einer zweiten schwarzen Perle ein Stück fettiges halb verbranntes Fleisch, das er grunzent verschlingt. Bald darauf beginnt dann das Trinkgelage, das von den meisten Trinkhäusern zu kleinen Teilen spendiert wird, um Kundschaft an zu locken. Es gibt ein billiges hochprozentiges Gebräu, dass sich Grog und die anderen Orks unter lautem Gröllen einige Zeit die Kehle hinunter schütten. Der Alkohol betäubt die Trostlosigkeit in ihren Gedanken. Einige holen sich gegen weiter schwarze Kugeln Nachschub und beginnen schallende Lieder zu singen.

      Grog nutzt, wofür er und andere häufig Überschichten einlegen. Er betritt die Hinterzimmer des Hauses. Dort leben die Grash Van, die unterste Klasse der orkischen Frauen, Huren und Sklavinnen. Sie werden von den Orkinnen der Clans verachtet, da sie sich den Männern unterwerfen. Aber für Grog ist es die einzige Möglichkeit seinen Trieben nach zu gehen, die nur durch den Beischlaf mit einer Orkin befriedigt werden können.
      Der orkische Beischlaf gleicht einem Kampf und Grog trägt oft Narben und andere Blessuren davon. Allerdings bedeuten mehr Narben auch ein längeres Spiel und mehr Kosten. Die Grash Van hier kennen ihn. Meist sucht er sich eine schwächer, die weniger kostet.

      Danach verlässt er das Trinkhaus meist sofort. Die schwüle Luft der Nacht und der beissende Geruch der unzählbaren Fackeln schlägt ihm entgegen.
      In einem Spurt baut er die so gerade aufgebaute Erregung ab und erreicht bald den Fuss der Stadt. Dort schließt er sich einen der Nachttrupps an, die unter Geleit durch ein paar Wargreiter der Clans zu den Hunderten von Dörfern geleitet werden, die die Stadt umgeben. Die Clankrieger schützen sie vor den den gefräßigen Raubtieren der roten Lande, indem sie große Fakeln bei sich tragen. Doch sie verhindern nur größere Verluste. Immer wieder werden auf solchen Nachtwanderungen wieder einige Orks angefallen und getötet, bis die Trupps die von Fackeln beleuchteten Dörfer erreichen.

      Wenn Grog dann endlich seine Holzhütte erreicht verscharrt er wieder seine Habseeligkeiten in der Ecke und streckt sich auf dem staubigen Boden seiner Behausung aus, die ihn nicht nur vor den Raubtieren sondern vorallem vor unerwarteten aber häufig auftretenen nächtlichen Sandstürmen schützt.
      "Was ist das?" - "Blaues Licht!" - "Was macht es?" - "... es leuchtet blau!"
      :rofl:
      -Rambo III
    • Nein ;D

      das war keine Absicht, das war Müdigkeit... ich pberleg auch schon die ganze Zeit, woher ich den Namen hab... er klingt ja wie Ogrim, einen Oger aus dieser Welt, Taahn... Egal... Der Rotork ist Grog ;D

      ähm... und warum ist das ydylysch? ;D
      "Was ist das?" - "Blaues Licht!" - "Was macht es?" - "... es leuchtet blau!"
      :rofl:
      -Rambo III
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