Spielarten der Magie

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    • Spielarten der Magie

      Hi.

      Den folgenden Text habe ich eigentlich in einer Reihe zum Rollenspieldesign geschrieben, aber ich denke der Teil könnte auch hier interessant sein.



      RPG-Bau schwer gemacht - Teil 3
      Eene, meene, miste - I

      Heute soll es um Merlin gehen, um Dädalus und Professor X. Magie steht auf dem Programm und die Magie der Science-Fiction: Die Technik. Denn in der Phantastik gilt nicht nur der bekannte Ausspruch, „Jede entsprechend hoch entwickelte Technik erscheint als Magie.“, sondern auch dessen Umkehrung: „Jede entsprechend erklärbare Magie erscheint als Technik.“
      Ganz nach dem Motto „Wichtisch is was hinten rauskummt.“ werde ich heute zuerst einmal ein paar Anwendungen von Magie in der Phantastik beleuchten. Dieser eher allgemeine Teil ist schon so lang, dass ich besondere Überlegungen zum Rollenspieldesign auf den nächsten Teil auslagere.

      Der Elf
      Als die erste Fantasy-Welt dem Gehirn ihres Erfinders entsprang, war da der Elf . Der Elf ist die Essenz der Fantasy, das personifizierte Wunder. Es interessiert nicht, wo der Elf die Magie her hat, es interessiert nicht, was er damit tut, es ist nur wichtig, dass er sie hat, damit wir staunen können.
      Der Elf ist der erste Grund warum wir phantastische Literatur lesen - und warum andere überhaupt nichts damit anfangen können. Daher findet sich auch in fast allen der folgenden Typen ein bisschen Elfenblut.

      Der Superheld
      „With great power comes great responsibility.“ Dieser wohl bekannteste Ausspruch von Spiderman drückt aus, worum es beim Superhelden geht: Was würdest du tun, wenn du die Macht hättest? In der Forge-Theorie ist der Superheld bzw. der Superschurke die Verkörperung einer narrativistischen Prämisse. Warum greift man dazu auf Magie zurück? Die Macht eines Superhelden ist direkt und unkompliziert. Ein Superheld muss seine Macht nicht erhalten oder verwalten und der Ursprung seiner Macht ist meist ziemlich hanebüchen, also fachlich ausgedrückt: handgewedelt. Die Magie erlaubt es hier also, das Problem ohne irgendeinen Ballast zu erforschen.

      Der Dämonenbeschwörer
      Auch der Beschwörer hat eine Hauptinkarnation in der Literatur: Faust. Und auch dieser Typ von Magie hat sein Credo: „Drum hab ich mich der Magie ergeben, / Ob mir durch Geistes Kraft und Mund, / nicht manch Geheimnis würde kund.“ Der Beschwörer ist quasi die Kehrseite des Superhelden. Die Frage ist nicht primär, was der Beschwörer mit seiner Magie tut, sondern wie er sie bekommt und was er dafür zu opfern bereit ist.

      Der Mutant
      Der Ursprung des magischen Mutanten, ist die Marvels Comic-Serie über die X-Men, die in den 60ern die Diskrimierung gegenüber den Schwarzen in Amerika in ein Superheldensetting übertrug.
      Hätte das Schicksal es anders gewollt, wäre der Mutant ein Elf geworden. Seine Magie ist einfach da und was er damit tut, spielt beim Mutanten erstmal keine Rolle. Die Fantasy, die durch die Adern des Mutanten fließt, wird jedoch von der Ablehnung der Gesellschaft kontrapunktiert. Der Mutant ist ein Außenseiter. - Dabei muss man sagen, dass selbst bei den X-Men der reine Mutant unter den Protagonisten selten ist: Die meisten Charaktere sind vornehmlich Superhelden, aber Jubilee wäre z.B. ein Kandidat.

      Das Stargate
      Kein Charakter? Nein, diesmal nicht. Diese Spielart der Magie spielt häufig weniger eine Rolle für die Handlung als viel mehr eine tragende für das Setting: Stargates ermöglichen das Setting in einer bestimmten Form überhaupt erst. So ist etwa ohne überlichtschnelle Fortbewegung eine Handlung auf mehren Planeten gar nicht möglich.
      Die in diese Form der Magie Eingeweihten, die Scottys, Carters und Solos, treten zusammen mit ihrer Kunst zurück. Hier zählen wirklich primär die Auswirkungen und weniger die Magie selbst, obwohl ein wenig Elf häufig trotzdem zu finden ist.

      Der Fabel-Trick
      Gemerkt? Mir sind die Namen ausgegangen. Dieser Aspekt tritt in - soweit ich weiß - in keinem bekannten Setting primär auf, auch wenn sich immer wieder Anklänge finden. Wie oben angemerkt, weisen Magie und Technik unter bestimmten Bedingungen gewisse Ähnlichkeiten auf. Damit lässt sich nun ganz Stile der klassischen Fabel arbeiten: Die Magie in einem phantastischen Setting kann genutzt werden, um realweltliche Probleme mit der Technik zu thematisieren wie Umweltzerstörung oder wissenschaftliche Ethik.


      Anregungen willkommen.
    • Die in diese Form der Magie Eingeweihten, die Scottys, Carters und Solos, treten zusammen mit ihrer Kunst zurück. Hier zählen wirklich primär die Auswirkungen und weniger die Magie selbst, obwohl ein wenig Elf häufig trotzdem zu finden ist.

      Der Elf hat mich ein wenig an Spock erinnert. ;D

      Ein toller Text uns sehr interssant. :)
    • Hi

      wirklich faszinierend (wenn man hier das erste mal ist, fühlt man sich wie in einem Himmel voller Wunder)

      Ich geb mal meinen Senf dazu ab:

      Der Elf

      Ich hatte mal eine ähnliche Einstellungen zu den Elfen...
      Auch Tolkien sieht in den Elben die "Essenz"
      Dann kam ein Mitspieler in meiner früheren DSA-Runde und hat meine Vorstellungen völlig zu nichte gemacht.

      Im Elfenbuch von DSA steht nämlich in etwa folgendes:

      Man kann die Elfen als "Spieler" auf zwei Arten sehen:

      Entweder sind sie die myteriösen, magischen, wunderschönen, friedlichen, überhaupt nicht gierigen Ureinwohner des Fantasyreiches, die nie, absolut nie mit ihrer Macht angeben würden, die sogar an Kraft verliehren wenn sie sich "menschlich", "bardok" geben (wenn man mal von Pandora absieht)
      Sie sind die Essenz der Magie.

      Die zweite Meinung um es kurz zu machen und so ist es da auch abgedruckt und leider leider auch in vielen Köpfen drin:
      Sie sind besser.

      Genauso sah sie dieser Mitspieler und hat seinen zu tiefsten bardoken Elfen auch so gespielt. Er hat dieses wunderbare Wesen so erbärmlich ausgenutzt.... mir wird jetzt noch geistig schlecht davon.

      Also unabhänig von meiner (gebrochenen) Meinung:
      Was haltet ihr von den Elfen?
      Essenz der Magie oder einfach nur plumpe Überwesen?


      Der Superheld

      dazugibs wohl nichts hinzuzufügen. Superheldenmythologien sind so wunderbar simpel und doch tiefgründig. Macht und Verantwortung... aus wenig anderem kann man soviel machen.


      Der Dämonenbeschwörer

      Mh, so habe ich Faust nie gesehen... ich muss es wohl doch einmal richtig lesen.

      Der Mutant

      Die kenne ich eigentlich entweder auch nur als Superhelden bzw. -schurken
      oder als recht dumme Monster in der Siencefiction.
      Ich finde, das wichtige an den Mutanten ist, dass sie mal Menschen waren und sich das durch irgendetwas geändert hat.
      Das hat natürlich Ähnlichkeiten mit einer Superheldenmythology.
      Es ist der Mensch, der vor eine Wahl gestellt wird, nicht ein Elf.
      Ein Elf ist die Magie, der Mensch erhält die Magie.


      Das Stargate

      Zum einen ist es wohl eine wunderbare Möglichkeit, genau wie das Beamen an kostenspielige und langweilige Schiffsreisen und Planetenlandungen zu verzichten.
      Zum anderen bewirkt es aber, dass die Orte, die man mit diesen "magischen" Mitteln besuchen kann und meist nur durch diese auch zu etwas "magischen" werden, zu etwas fernen, zum Elfen.


      Der Fabel-Trick

      Ich glaube ich weiß was du meinst, aber kannst du mal ein Beispiel nennen?


      So... ist es in Ordnung soviel dazu zu schreiben? Ich bin einfach meinem Drang gefolgt das zu schreiben, was ich dazu zu sagen habe.
      "Was ist das?" - "Blaues Licht!" - "Was macht es?" - "... es leuchtet blau!"
      :rofl:
      -Rambo III
    • Original von Klinge
      So... ist es in Ordnung soviel dazu zu schreiben? Ich bin einfach meinem Drang gefolgt das zu schreiben, was ich dazu zu sagen habe.

      *lach* Das ist voll OK :)

      @Fabeltrick: Erinnert mich an Discworld...
      Roald Dahl, Revolting Rhymes, Little Red Riding Hood and the Wolf:
      The small girl smiles. One eyelid flickers. / She whips a pistol from her knickers. / She aims it at the creature's head / And bang bang bang, she shoots him dead.
      A few weeks later, in the wood, / I came across Miss Riding Hood. / But what a change! No cloak of red, / No silly hood upon her head.
      She said, "Hello, and do please note / My lovely furry wolfskin coat."
    • Ich fasse das einfach nochmal zusammen, um sicherzugehen, dass ich´s richtig verstanden habe:

      Der Elf
      Der Elf (/Jedi/Gandalf/etc.) hat Magie, und diese ist mystisch und mächtig. Der "Elf"-Charakter sorgt mit seiner Magie vor allem für einen "Sense of Wonder".

      Der Superheld
      Die Magie und mithin Macht des Superhelden bringt die Last der Entscheidung mit sich. Es geht um Verantwortung, Moral und "was würdest du tun, wenn...".

      Der Dämonenbeschwörer
      Hier geht es weniger um den Einsatz von Magie (Macht), sondern ihre Erlangung. Was ist man bereit zu tun und wieviel ist man bereit zu opfern, um zu erreichen wonach man strebt?

      Der Mutant
      Seine übermenschlichen Fähigkeiten machen ihn zum Außenseiter. Die Magie selbst ist weniger wichtig als der Umgang der Gesellschaft mit dem Mutant und wie er sich daraufhin persönlich entwickelt.

      Das Stargate
      Funktionelle, nicht personengebundene Magie. Es steckt ein bisschen Sense of Wonder drin, aber vor allem dient es als Bindeglied zwischen normaler und magischer Sphäre oder schlicht, um als Teleporter oder Ähnliches Dinge zu ermöglichen, die sonst halt nicht gehen.

      Der Fabel-Trick
      Magie als Analogie zur Technik, um parabelartig auf deren Gefahren hinzuweisen.

      Hab ich das soweit richtig verstanden?
      Dann... bin ich mal gespannt worauf du letztlich raus willst. ;D

      Original von Klinge
      Was haltet ihr von den Elfen? Essenz der Magie oder einfach nur plumpe Überwesen?

      Kommt ganz auf die Art der Elfen an. ;D Siehe auch Elfenhass und Zwergenliebe?
      Je größer der Begriff, desto kleiner bekanntlich sein Inhalt – und er hantierte mit Riesenbegriffen.
      - Kurt Tucholsky über Rudolf Steiner
    • Insofern stelle ich mir den Zweck des Textes jetzt mal als eine einfache Aufzählung möglicher Spielarten von Magie vor, wie sie in verschiedenen Settings vorkommen können, wobei die Kategorisierung eine sehr eigene ist, die ich auf diese Weise nicht vollzogen hätte, da sie mir ein paar Sachen eindeutig bunt durcheinander würfelt, die ich lieber getrennt haben wollen würde.

      Was nun konkret?

      Da wäre einmal zu nennen, dass ich manche auf bestimmte Typen, Klassen konzentrieren, während sich andere wieder bei Herkünften Anleihen nehmen, auf Literatur bezug nehmen oder auch nicht, so dass diese Einteilung möglicher Magieherkünfte oder Begründungen für mich eine scheinbar oberflächliche bleibt. Interessant ist allerdings der Aspekt, dass es settingübergreifend ist, versucht zu beschreiben, warum es Magie geben könnte und was ein Autor damit bezweckt. Vor allem gibt es meistens mehrere der hier genanntem Zugänge zu Magie innerhalb einer einzelnen Welt.

      Bleibt noch immer die Frage, was du nun eigentlich mit dieser Einteilung bezwecken wolltest. :)
    • Sollen halt Anregungen für angehende Autoren sein, was man alles machen kann. (Und dabei ein bischen witzig zu lesen.)
      Das es vielleicht ein wenig oberflächlich ist, mag sein. Ist ja auch keine größere literaturwissenschaftliche Arbeit.

      @Klinge: Du musst das natürlich übertragen sehen. Auch der typische Magier eines Fantasy-Settings ist in diesem Sinne ein Elf und magische Schwerter können auch Stargates sein.

      @Snapshot: Du hast es total erfasst, obwohl Luke Skywalker schon einen Hauch von Superheld hat.