[Interview] Fragt Jotan

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    • [Interview] Fragt Jotan

      Bevor wir unseren nächsten Gast begrüßen, wollen wir ihn Ihnen kurz vorstellen.

      Jotan Sadayan ist der ranghöchste Kapitän von Alleroog, auch wenn er sich strikt weigert, sich als Admiral bezeichnen zu lassen. Hier sieht man ihnin der Kleidung eines belidischen Matrosen, so wie er gerne in seiner Freizeit herumläuft.

      [IMG:http://www.aurhim.net/test/permanent/Jotan.gif]

      Eine kurze Biographie:
      Jotan wird am 17.9.1817 in der Nähe von Kallarn in Nordbelida. Die Familie wurde vor zwei Generationen in den niederen Adel erhoben. Sein Vater ist ein reicher Fernhändler, Schiffseigner und Kapitän. Die Mutter hat vor allem zu repräsentieren und ansonsten nicht viel zu sagen - wie das in diesen Kreisen so üblich ist. Jotan wird von einem Hauslehrer unterrichtet - auf Wunsch seines Vaters vor allem in Mathematik, Geographie und Navigation.
      1828 - Jotan ist knapp 11 - wird er von seinem Vater zum ersten Mal auf die große Südlandreise mitgenommen. Als Fähnrich soll er nun alles lernen, was ein Seeoffizier wissen muß. Aber obwohl Jotan das Leben an Bord relativ leicht fällt, ist er doch sehr unglücklich, denn zwischen ihm und seinem Vater kommt es zu immer größeren Spannungen. Als sie 1830 heimkehren, eskalieren die Streitereien und Jotan läuft von zuhause weg. Das nächste halbe Jahr verbringt er auf den Straßen Kallarns, bevor er erneut zur See fährt. Ohne Beziehungen bleibt ihm aber nun nur der Posten als Schiffskunge, später als Matrose. Immerhin ist er nun meistens satt.
      Nach zwei Jahren auf See wechselt er in die Mannschaft von Kapitän Silvayas von der belidischen Kriegsmarine, der einen exzellenten Ruf hat. Dieser Ruf ist so gut, daß die Matrosen Schlange stehen, um in die Mannschaft zu kommen und auch Jotan gelingt es nur, weil er behauptet, er hätte Erfahrung als Toppsgast, obwohl das nicht stimmt. Doch schnell findet er sich auch in seiner neuen Aufgabe zurecht und so fährt er nahezu fünf Jahre lang recht zufrieden für Kapitän Silvayas.
      Dann aber muß das Schiff in einem Sturm aufgegeben werden. Bei den Rettungsbooten, die sich schließlich allein auf dem offenen Ozean finden, ist von den Offizieren außer Kapitän Silvayas selbst - der allerdings im Fieberdelirium liegt - nur ein blutjunger Fähnrich, der mit der Situation restlos überfordert ist. Jotan übernimmt die Führung und dank seiner Erziehung gelingt es ihm tatsächlich, die Boote heil in den nächsten Hafen zu steuern. Dort aber wird er der Meuterei angeklagt. Schließlich kommt das Gericht zu dem Schluß, daß zwar der Tatbestand der Meuterei erfüllt war, begnadigt Jotan aber aufgrund mildernder Umstände. Kapitän Silvayas, auf dessen Fürsprache die Begnadigung zurückzuführen war, nimmt ihn als Fähnrich in die Mannschaft seines neuen Schiffs auf. Nach einem Jahr muß sich Jotan der Prüfung an der Sadariner Marineakademie stellen. Danach nimmt er als Leutnant an einer Expedition zur Erforschung Eoconors teil. In dieser Zeit sammelt er viele Erfahrungen und rückt in der Hierarche auf, da die Mannschaft durch Skorbut und andere Krankheiten stark dezimiert wird. Doch als er zurückkommt, muß er erfahren, daß Herzog Girion von Nordbelida sich gegen den rechtmäßigen König Andaro aufgelehnt hat. Unter anderem hat er eine eigene Kriegsmarine gegründet, mit Jotans Vater als Admiral. Jotan selbst wird deswegen als Verräter unehrenhaft aus der (süd)belidischen Marine ausgeschlossen. In diesem Moment bekommt er das Angebot der Allerooger, als Kapitän ein eigenes Schiff zu führen und nimmt an.
      Jotan ist verheiratet und hat eine Tochter.

      Meine Homepage ist aurhim.net
      Die Jahrestafel ist nicht ganz aktuell (der Ablauf stimmt, aber nicht die Jahreszahlen), und die Formen der Kontinente Diconor und Eoconor sind nicht aktuell, wohl aber ihre Lage. Außerdem gibt es hier im Forum noch einige Threads
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Herzlich Willkommen zu diesem Interview, Jotan Sadayan!

      Darf ich zunächst fragen wie wir Dich/Euch/Sie ansprechen sollen? Was wäre die korrekte Anrede, und wie ist es Dir/Euch/Ihnen persönlich am liebsten?

      Eoconor... das klingt exotisch. Wie sieht es denn dort aus, und was bleibt einem davon am besten in Erinnerung?

      Wir sind gespannt auf die Antworten :D!
    • Einfach "Du, Jotan". Üblicher wäre ja eigentlich "Ihr" und "Herr Jotan" oder "Kapitän Sadayan", aber ich hab's nicht so mit den Förmlichkeiten.

      Eure andere Frage ist schwerer zu beantworten. Ich kenne von Eoconor auch nur einen Teil der Nordküste, sowie ein Stück im Westen - und weiß damit schon um einiges mehr als die meisten meiner Zeitgenossen. Soweit ich es beurteilen konnte, ist dieser Teil des Landes mit dichtem Urwald bewachsen. Ohne die Hilfe der Eingeborenen kommt man kaum 100 Schritte weit. Doch auch die Stämme, die ich kennengelernt habe, wagen sich nicht weit von der Küste weg. Im Landesinneren sollen sehr kriegerische Völker leben. Dort war meines Wissens erst ein Weißer und auch wenn ich ihn gut kenne, wäre das eine Erzählung, um die ihr ihn selbst bitten müßtet.

      edit: ich hab die förmliche Anrede nochmal geändert. Das habe ich bis jetzt noch nie gebraucht, wie man einen belidischen Adligen mit Nachnamen aber ohne Ländereien anspricht ;)
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Ich aeeh... verstehe die politische Situation nicht ganz, in der du dich befindest.
      Du bist urspruenglich fuer die Suedbelider gefahren, wurdest da aber aufgrund des Verrates deines Vaters entlassen und hast dich nun wem angeschlossen? Den Feinden, den Nachbarn, den Verbuendeten, etc? der Belider?
      Roald Dahl, Revolting Rhymes, Little Red Riding Hood and the Wolf:
      The small girl smiles. One eyelid flickers. / She whips a pistol from her knickers. / She aims it at the creature's head / And bang bang bang, she shoots him dead.
      A few weeks later, in the wood, / I came across Miss Riding Hood. / But what a change! No cloak of red, / No silly hood upon her head.
      She said, "Hello, and do please note / My lovely furry wolfskin coat."
    • Du, Jotan, du hast ganz am Anfang ein wenig über dich erzählt und dabei folgendes gesagt:
      Jotan wird am 17.9.1817 in der Nähe von Kallarn in Nordbelida.

      Das hat mich doch ein wenig verwirrt. Wie werdet ihr bei euch? Ich meine, ihr seht aus wie ein ganz normaler Mensch, allein vom Bild her würde ich sagen, dass ihr genauso geboren wurdet wie ich hier auch, aber das klingt so, als wäret ihr einfach nur geworden... ;)

      Aber ich würde auch noch recht gern ein wenig mehr über die Allerooger hören, denen ihr euch angeschlossen habt. Ihr steht in eurer Position wie es scheint eurem Vater, der die Flotte Nordbelidas befehligt, gleich. Wie sind denn die Flotten beschaffen? Sind sie ähnlich groß? Über welche Schiffe verfügen sie?
    • Du bist urspruenglich fuer die Suedbelider gefahren, wurdest da aber aufgrund des Verrates deines Vaters entlassen und hast dich nun wem angeschlossen? Den Feinden, den Nachbarn, den Verbuendeten, etc? der Belider?

      Das kann man so einfach nicht sagen. Belida ist ein Königreich, das aus mehreren Herzogtümern, Grafschaften, etc besteht, die alle dem König lehenspflichtig sind. Das größte Herzogtum ist Nordbelida und Herzog Girion hat sich vor einigen Jahren gegen den König aufgelehnt. Er verweigert seine Lehenspflicht und nimmt sich allerlei Rechte, die nur einem König zustehen, wie eben die Bildung einer Kriegsflotte. Als ich meine Prüfung abgelegt hatte, gab es nur EINE belidische Flotte, die allerdings von Südbelida (so nennt man mittlerweile alle Gebiete außer Nordbelida) dominiert wurde. Mittlerweile kann man aber eher von zwei belidischen Königreichen reden, auch wenn der südbelidische König das nie anerkennen würde und Herzog Girion sich zumindest noch nicht offiziell gekrönt hat. Aber de facto sind es zwei Länder, die im Krieg liegen.
      Alleroog ist dagegen ein kleine Insel so weit draußen im Meer, daß wir zu gar keinem Land direkt gehören. Man könnte auch sagen, wir sind ein eigenes Land, aber das streichen wir nicht so raus, sonst kriegt noch einer unserer größeren Nachbarn Appetit. Alleroog war ursprünglich nicht mehr als ein Versorgungsstützpunkt für die Walfänger, aber mittlerweile ist es auch das Hauptquartier einer recht aktiven Söldnertruppe sowie einer erfolgreichen Handelsflotte. Sollten wir angegriffen werden (was Girion bis jetzt einmal versucht hat), dann werden Söldner und Flotte die Insel natürlich verteidigen, aber anders als ein "normales" Heer operieren sie hauptsächlich außerhalb des Staatsgebiets. Die meisten Leute denken sowieso, daß wir zu Südbelida gehören.
      Ach ja, aufgrund einiger schlechter Erfahrungen die so manche unserer Leute mit Girion gemacht haben - es ist nicht wirklich schwer, mit Girion schlechte Erfahrungen zu machen - stehen wir traditionell auf südbelidischer Seite und unsere Söldner haben sich in den Kämpfen zwischen Süd- und Nordbelida schon so einiges verdient.

      Das hat mich doch ein wenig verwirrt. Wie werdet ihr bei euch? Ich meine, ihr seht aus wie ein ganz normaler Mensch, allein vom Bild her würde ich sagen, dass ihr genauso geboren wurdet wie ich hier auch, aber das klingt so, als wäret ihr einfach nur geworden...

      Jaja, zieh mich nur auf. Tut mir leid, das war ein Schreibfehler. Das "geboren" fehlte natürlich.

      Aber ich würde auch noch recht gern ein wenig mehr über die Allerooger hören, denen ihr euch angeschlossen habt. Ihr steht in eurer Position wie es scheint eurem Vater, der die Flotte Nordbelidas befehligt, gleich. Wie sind denn die Flotten beschaffen? Sind sie ähnlich groß? Über welche Schiffe verfügen sie?

      Jetzt doch wieder ihr? ;D
      Nein, da täuschst du dich. Mein Vater ist Admiral, er befehligt Flotten, hat aber kein eigenes Schiff mehr. Ich bin Kapitän und auch wenn ich aufgrund meiner größeren Erfahrung und besseren Ausbildung so etwas wie das letzte Wort unter den Allerooger Kapitänen habe, sind wir doch prinzipiell gleichgestellt.
      Auch ist unsere Flotte viel kleiner. Neben einigen kleineren Schiffen, die hauptsächlich den Warenverkehr mit dem nächstgelegenen Festland regeln, sowie einigen Fischerbooten, haben wir nur drei Schiffe. Meine Falke, Timalos Taube und Tanos Meerbraut. Alle drei fahren als Handelsschiffe auf den langen Strecken zu den Eobragi und bis nach Dhaharran und Perhenien, sind aber zumindest schwer genug bewaffnet, um ein kleineres Gefecht bestehen zu können. Und dank dem Geschick der Allerooger Werft sind sie schneller und wendiger als nahezu alles andere, was auf den Weltmeeren herumschwimmt.
      Die Flotte meines Vaters besteht dagegen aus über 20 echten Kriegsschiffen und die nordbelidische Handelsflotte ist nochmals um einiges größer. Die meisten dieser Schiffe sind deutlich größer als unsere - aber eben auch langsamer
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Da eure Flotte doch recht übersichtlich ist, fürchtet ihr in Alleroog nicht, mal von den einträglichen Handelsrouten abgeschnitten zu werden? Herzog Girion und sicher auch einige andere in Handelsgeschäften wichtige Leute würde euch doch bestimmt nur zu gern in eine rechtlose Position von Schmugglern drängen... Ohne einen Staat im Hintergrund stelle ich mir schwierig vor, Alleroog zu halten.

      Kann sich die Insel eigentlich selbst versorgen? Und bietet sie eigene Handelsgüter oder macht ihr eure Geschäfte hauptsächlich mit den Transport von fremden Waren?
      Mir hatten doch nüscht! Damals, kurz nach dem Krieg!
    • Wenn ich das richtig mitbekommen habe, bist du ja jetzt schon 190 Jahre alt, wofür du allerdings noch recht jung aussiehst ;)
      Ist es in deinem Volk normal, so alt zu werden? Gibt es irgenwelche körperlichen Probleme bei der Arbeit auf See?

      Was ist mir deiner Frau und deiner Tochter? Leben sie auf der Insel? Oder begleiten sie dich auf deinen Resien? Ist es üblich, dass nur Männer mit den Schiffen segeln oder tun das auch Frauen?
      ... gibt es keine Tür, geh ich durch die Wand.
    • Da eure Flotte doch recht übersichtlich ist, fürchtet ihr in Alleroog nicht, mal von den einträglichen Handelsrouten abgeschnitten zu werden? Herzog Girion und sicher auch einige andere in Handelsgeschäften wichtige Leute würde euch doch bestimmt nur zu gern in eine rechtlose Position von Schmugglern drängen... Ohne einen Staat im Hintergrund stelle ich mir schwierig vor, Alleroog zu halten.

      Es gibt mehrere profitable Reiserouten. Neben der bekannten Südlandfahrt zu den - nicht nur an Gewürzen - reichen Inseln der Eobragi, gehört dazu der Handel mit Sabema, mit Dhaharran und neuerdings auch mit Perhenien und Talilla. Aber auf jeder dieser Routen sind verschiedene Völker aktiv und meistens auch mehr als nur eines. Es würde zu lange dauern, und wäre wohl auch ziemlihc langweilig, das jetzt im Detail aufzudröseln. Dazu kommen noch einige andere Faktoren wie die Piraten auf den Eobragi und das schlechte Wetter im Eismeer, dem nur wenige Schiffe gewachsen sind. Kurz könnte man sagen, daß es noch keiner Flotte gelungen ist, eine Handelsroute zu monopolisieren. Bei Häfen ist das etwas anderes, da muß man dann eben mal mehr mal weniger Zoll zahlen. Für die meisten Länder aber sind die Allerooger nur ein kleiner Fisch. Zwar sind wir recht gut darin, uns die profitabelsten Stücke von Kuchen zu sichern, aber es sind eben immer nur kleine Stücke.
      Nur in Nordbelida ist unsere Situation teilweise schwierig, da hängt es immer wieder davon ab, wie gerade die politische Wetterlage ist. Immerhin bin ich selbst so mal als Pirat verhaftet worden - und verdanke dieser Geschichte das Wiedersehen mit meinen Eltern nach fast 15 Jahren. Aber wie man sieht - auch dieses Missverständnis konnte gelöst werden. Girion würde uns liebend gerne an den Kragen gehen, aber solange er die Insel nicht erobern kann, muß er uns größtenteils dulden, denn sollten wir uns entschließen, den Allerooger Hafen für nordbelidische Schiffe zu schließen, wäre seine Walfangflotte am Ende.

      Kann sich die Insel eigentlich selbst versorgen? Und bietet sie eigene Handelsgüter oder macht ihr eure Geschäfte hauptsächlich mit den Transport von fremden Waren?

      Die eigentliche Inselbevölkerung könnten wir wohl gerade noch so versorgen, aber nicht die ganzen fremden Schiffe, die für Reparatur und Proviant bei uns anlegen. Insofern sind wir auf den Einfuhr von Nahrungsmitteln und vor allem Holz angewiesen. Aber diese Kapitäne sind froh darüber, daß sie überhaupt etwas kriegen und zahlen auch einen entsprechend hohen Betrag. Ansonsten sind wir hauptsächlich im Handel von Luxusgütern tätig, denn unsere Schiffe haben keine große Ladekapazität. An eigenen Handelsgütern - wenn man es so nennen will - bieten wir vor allem unsere Söldner und die Informationen, die wir aus unseren weitreichenden Beziehungen erhalten.



      Wenn ich das richtig mitbekommen habe, bist du ja jetzt schon 190 Jahre alt, wofür du allerdings noch recht jung aussiehst
      Ist es in deinem Volk normal, so alt zu werden? Gibt es irgenwelche körperlichen Probleme bei der Arbeit auf See?

      lacht Auf Aurhim schreiben wir das Jahr 1853, ich bin also gerade mal 36 Jahre alt. Wie alt werden die Menschen? Das hängt natürlich ganz davon ab. Ich denke, die meisten schätzen sich von den Göttern gesegnet, wenn sie die 60 überschreiten, auch wenn einige über 80 Jahre alt werden. Aber viele sterben auch viel früher.
      Und ob es körperliche Probleme bei der Arbeit auf See gibt? Seid ihr schonmal zur See gefahren? Natürlich gibt es sie. Die Arbeit ist hart und gefährlich. Wenige Seeleute werden wirklich alt, ohne nicht zumindest einen Finger an eine Winde oder ähnliches zu verlieren. Dazu kommen Skorbut und verdorbene Nahrung, Wassermangel... Das Leben an Bord ist nicht einfach, und selbst ich, der ich mir wirklich Mühe gebe, schaffe es nicht, daran viel zu ändern. Aber man muß auch sehen, daß die Leute an Land auch nicht viel besser stünden. Wer ist schon reich genug, daß er sich einen Arzt leisten kann? An Bord müssen sie wenigstens für medizinische Versorgung nichts bezahlen, und der Hunger hält sich in Grenzen.

      Was ist mir deiner Frau und deiner Tochter? Leben sie auf der Insel? Oder begleiten sie dich auf deinen Resien? Ist es üblich, dass nur Männer mit den Schiffen segeln oder tun das auch Frauen?

      Niki und unsere gemeinsame Tochter begleiten mich an Bord. Dabei ist Niki als Navigator ein ganz normales Mitglied meiner Mannschaft - zugegeben, ich habe ihr das alles beigebracht, DAMIT sie mich begleiten kann. Unsere Tochter ist dagegen eine Ausnahme. Sie ist erst fünf und deswegen noch bei uns, aber sie wird wohl nicht ewig bei uns bleiben können. Wahrscheinlich werden wir sie bei einem befreundeten Paar auf der Insel unterbringen, die einen Sohn im gleichen Alter haben.
      Auf Aurhim ist es übrigens alles andere als normal, daß Frauen auf Schiffen mitreisen [Anm. von Shay: das Volk, bei dem das normal wäre, kennt Jotan zu dem Zeitpunkt noch nicht]. Schon Timalo, der erste Kapitän der Allerooger, hat da - aus persönlichen Gründen eine Ausnahme gemacht und ich fand das dann sehr überzeugend. Eine Mannschaft, die auch Frauen enthält, ist einfach irgendwie... zivilisierter. Natürlich gibt es auch immer mal wieder Streit, aber wenn man vernünftige Leute hat, dann hält sich der Ärger im Rahmen und gewalttätige Übergriffe auf die Frauen meiner Mannschaft gab es noch nie. Aber durch die gute Stimmung an Bord der Falke, und den guten Ruf, den ich mittlerweile habe, bin ich auch in der glücklichen Lage, mir meine Leute aussuchen zu können - und das verbessert wiederum die Stimmung an Bord. Genau an dieser guten Stimmung sind aber die Frauen nicht unschuldig. Ein Teufelskreis, aber einer, der mir sehr gelegen kommt.
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Ihr habt geschrieben, dass Nordbelidia Walfang betreibt. In welchem Umfang geschieht dies? Würde es Nordbelidia so hart treffen, wenn die Walfangflotte still stünde? Wie groß ist diese Flotte? Betreibt Alleroog selbst ebenfalls Walfang oder wird dieses Geschäft gänzlich anderen überlassen? Wie groß ist das Geschäft überhaupt, immerhin ist es recht gefährlich, wenn mich nicht alles täuscht?
      Und ihr habt geschrieben, dass Handesrouten sehr weit in den Norden hinaufführen. Gehen diese bis ins Eismeer? Wie sind die Schiffe gebaut, damit sie solchem Unbill standhalten können?
    • Nun ja, es geht nicht nur um den Walfang, sondern auch um den Fischfang im größeren Stil. Beides zusammen wird in den letzten Jahren immer wichtiger. Vor allem Sabema, aber auch Perhenien verlangen nach immer mehr Fisch und die Fanggründe in den kalten Gewässern sind einfach besser als in den wärmeren, küstennahen Gegenden.
      Wir Allerooger haben keine eigene Walfangflotte, betreiben aber etwas Fischfang, der allerdings größtenteils dem Eigenbedarf dient. Aber es kann sich ja nicht jedes Handelshaus so wie wir im Geschäft mit Luxusgütern betätigen.
      Alleroog und Iskog auf Aronan sind mit die nördlichsten Häfen, die regelmäßig von belidischen Schiffen angefahren werden. Weiter nördlich, so zum Beispiel der zweite wichtige Hafen auf Aronan, Beska, finden sich nur noch die naskyrischen Schiffe, die dort schließlich zu Hause sind. Die Naskyrik kontrollieren auch den Verkehr um das Verlorene Kap herum zu den perhenischen Häfen. Diese Route kann durchaus knifflig werden, denn das Kap zwingt die Schiffe weit nach Norden und da kann es dann im Herbst recht überraschend Treibeis geben. Ansonsten ist das Eismeer aber mitnichten ständig eisbedeckt. Das haben nur die verfrorenen sabessischen Kartographen gedacht, als sie den Namen geprägt haben.
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Wie muß man sich das Leben auf eurer kleinen Insel vorstellen? Es sind nicht all zu viele Menschen? Die leben in der Hafenstadt?

      Das Leben auf Alleroog ist das einer jeden kleinen Landgemeinde. Gut, durch den Hafen kommen immer wieder Fremde, aber die bleiben meistens in der Hafengegend, und wer nichts mit ihnen zu tun haben will, geht dort eben nicht hin. Allerheim, die Hafenstadt selbst, entspricht sonst in sehr vielem einer einfachen, kleinen belidischen Stadt. Es gibt ein paar Handwerker, ein paar Wirte, ein paar Kaufleute, aber das war's dann auch schon. In zwei Dingen unterscheidet es sich allerdings, es gibt keinen adligen Herrn und es gibt keine Stadtmauer.
      Neben Allerheim gibt es dann noch drei kleine Dörfer, in denen sich vor allem Bauern, aber auch Fischer finden. Aber nur das Flachland auf der Südseite der Insel ist für Ackerbau geeignet. Mindestens drei Viertel der Insel sind nahezu unbewohnt.
      Gibt es da irgendwelche Feste? Unterhaltung anderer Art neben der doch sicher harten Arbeit?

      Feste und Unterhaltung gibt es sicherlich. Wo immer zwei Menschen zusammenwohnen, werden bald Feste gefeiert. *lacht* Im Großen und Ganzen folgen wir den belidischen Gepflogenheiten, aber wir haben auch einige feste anderer Völker "importiert". Man kann schließlich nie genug feiern, oder? ;D Besonders beliebt ist das Mittwinterfest. Da sind dann auch die meisten Schiffe zuhause, und auf den Äckern gibt es nichts zu tun. Da kann man prima feiern.

      Und wie kommen all diese Menschen miteinander aus? Da gibt es doch sicher starke kulturelle Unterschiede, oder? Was ist da das am häufigsten auftretende Problem?

      Die Kultur der - ich nenn sie jetzt einfach mal so - normalen Einwohner ist überwiegend belidisch, die sind ein ziemlich homogener Haufen. Die Seeleute und die Söldner sind dagegen bunt gemischt, aber die bleiben eher unter sich. Man darf jetzt aber nicht denken, daß die Gruppen strikt getrennt wären. Man hat nur einfach im täglichen Leben eher wenig miteinander zu tun. Es gibt aber durchaus Freundschaften und sogar verwandtschaftliche Beziehungen, die diese Grenzen überwinden. Das heißt, auch wenn der normale Bauer wohl keinen direkten Kontakt mit den Söldnern hat, kennt er sicher jemanden, der einen kennt, der mit einem befreundet ist.
      Und was die Konflikte angeht... Reibereien unter Nachbarn gibt es natürlich, wie könnte es anders sein. Die Stadtbewohner beschweren sich auch immer mal wieder, daß die Matrosen am Hafen zu lockere Sitten hätten. Naja, aber wirklich große Konflikte sind das nicht. Nachdem Alleroog erst vor 17 Jahren von der - wenn auch kurzen - Gewaltherrschaft einer Piratenbande befreit wurde, und einige Jahre später ein Angriff Girions abgewehrt werden mußte, sind wir Allerooger im Großen und Ganzen doch eine verschworene Gemeinschaft. Wir gegen die anderen - das sorgt immer für Einheit. Neuankömmlinge werden dabei weniger als Fremdkörper, sondern eher als Verstärkung für die eigenen Reihen gesehen und noch gibt es auch genug Platz für alle. Man darf an dieser Stelle aber auch nicht vergessen, daß Anirhél, unsere Bürgermeisterin, seit Jahren den Leuten unermüdlich predigt, daß es allen besser geht, wenn wir zusammmenhalten.
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Jotan, ich entnehme eurer Vorstellung, dass ihr einfache Matrosenkleidung bevorzugt. Wäre es eurem Stand, auch um Verwechslungen vorzubeugen, nicht angemessener, jederzeit als Kapitän kenntlich zu sein? Ich nehme an, ein Kapitän kann Ansprüche stellen und auf Privillegien bestehen, die einem gewöhnlichen Matrosen verwehrt sind. Und sei es der Zugang zu besseren Lokalitäten.
    • Da höre ich meinen Vater reden... *lacht*

      Ja, das wäre es tatsächlich. Die Frage ist, ob ich das will. Bei meiner Mannschaft brauche ich solche Äußerlichkeiten nicht. Die wissen, wer ich bin, und außer ein paar Neulingen stellt da auch keiner meine Autorität in Frage. Ähnliches gilt in Alleroog selbst. Interessant wird es in fremden Häfen. Ihr habt schon recht, als Kapitän gekleidet habe ich Zugang zu besseren Lokalen, und mein Wort wird von den örtlichen Autoritäten zumindest gehört. Aber die Stimmung ist in den Matrosenkneipen besser und viele einfache Leute reagieren verschlossen oder geradezu feindselig, wenn sie einem Kapitän gegenüber stehen. Schließlich sind viele meiner Berufsgenossen üble Leuteschinder, die für Ruhm und Profit auch mal über Leichen gehen.
      Ich sehe das ganze positiv. Ich habe die Wahl und kann mich je nach Situation mal so, mal so geben. Schließlich ist es nicht gelogen, wenn ich erzähle, daß ich vor einigen Jahren als einfacher Matrose zur See gefahren bin. Wenn man dann mitten in der Situation doch erklären muß, daß man eigentlich mittlerweile Kapitän ist, ist das zwar manchmal etwas umständlich, aber noch bin ich jedesmal heil wieder da raus gekommen.
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • [etwas verspätet, aber here goes… ;)]

      Ich würde gerne wissen, wie häufig es denn zu Seegefechten kommt, und wie deine Einstellung dazu ist, sich auf ein Gefecht einzulassen. Ihr habt ja nicht so viele Schiffe und sie sind auch keine schweren Kriegsschiffe. Ich nehme an, bei direkter Konfrontation mit der nordbelidischen Flotte würdet ihr ein sehr hohes Risiko eingehen? Ist es schonmal dazu gekommen?

      Und wie sieht es mit den Piraten aus, gibt es da häufiger Gefechte? Und wie ist das Kräfteverhältnis zwischen euren Schiffen und denen der Piraten?

      Du sagtest auch, dass eure Tochter bei euch auf dem Schiff ist. Ist es nicht viel zu gefährlich für ein Kind auf so einem Schiff?

      Hast du eigentlich Geschwister oder sonstige Verwandte außer deinem Vater, die in deinem Leben eine größere Rolle spielen?
      „Destruction is a form of creation. So the fact that they burn the money is ironic. They just want to see what happens when they tear the world apart. They want to change things.” — Donnie Darko
      ionfluxda.deviantart.com
    • Hast du eigentlich Geschwister oder sonstige Verwandte außer deinem Vater, die in deinem Leben eine größere Rolle spielen?

      Geschwister habe ich keine. Das ist vielleicht etwas ungewöhnlich, aber mein Vater war eben schon immer mehr auf See als daheim. An sonstigen Verwandten habe ich natürlich noch eine Mutter, der ich sehr zugetan bin, auch wenn ich sie selten sehe. Ansonsten gibt es seit dem Tod meiner Großmutter sicher noch einige entferntere Verwandte, mit denen ich aber wenig zu tun habe. Und dann sind da natürlich noch die Schwiegereltern, Nachbarn meiner Eltern, aber auch die sehe ich selten, und das ist auch gut so. Ich bin eben so etwas wie ein schwarzes Schaf in der Familie.

      Ich würde gerne wissen, wie häufig es denn zu Seegefechten kommt, und wie deine Einstellung dazu ist, sich auf ein Gefecht einzulassen. Ihr habt ja nicht so viele Schiffe und sie sind auch keine schweren Kriegsschiffe. Ich nehme an, bei direkter Konfrontation mit der nordbelidischen Flotte würdet ihr ein sehr hohes Risiko eingehen? Ist es schonmal dazu gekommen?

      Im Normalfall sind unsere Schiffe schneller und wendiger als alle Gegner. Insofern können wir den meisten Gefechten ausweichen. Wir sind aber auch besser bewaffnet als die meisten. Dazu müßt ihr wissen, daß von allen Völkern Aurhims nur die Mai San das Geheimnis kennen, Kanonen zu gießen und Schießpulver herzustellen. Doch dieses Geheimnis hüten sie eifersüchtig und nur die Dhaharraner, die den Fernhandel für die Mai San abwickeln, bekommen ab und zu Kanonen und können auch auf halbwegs regelmäßige Lieferungen von Schießpulver zählen. Jetzt ist es den Mai San zwar bei Todesstrafe verboten, ihr Land zu verlassen, aber einige unserer Söldner haben einen Mai-San-Dissidenten dort herausgeholt. Erst später stellte sich heraus, daß er wußte, wie man Schießpulver macht. Danach mußten wir nur noch ein Dhaharranisches Schiff besiegen, das Kanonen besaß. Das war allerdings alles andere als einfach.
      Lange Rede, kurzer Sinn. Wenn es sich um einzelne Schiffe handelt, müssen wir uns meistens nicht verstecken. Gegen einen Flottenangriff haben wir aber natürlich schlechte Karten. Dazu ist es bis jetzt aber erst einmal gekommen, als Girion versucht hat, Alleroog zu erobern. Da haben wir es auch nicht geschafft, alle Schiffe von der Insel fernzuhalten, weswegen es auch zu Kämpfen auf der Insel kam.
      Wie häufig solche Gefechte sind, kann man schlecht sagen. Wirklich selten sind sie nicht, aber es können schonmal mehrere Monate dazwischen liegen.

      Und wie sieht es mit den Piraten aus, gibt es da häufiger Gefechte? Und wie ist das Kräfteverhältnis zwischen euren Schiffen und denen der Piraten?

      Mit den Piraten haben wir die meisten Gefechte, da wir Allerooger eine Art Fede mit Muraq, dem mächtigsten Piraten der Eobragi führen. Seit wir über Kanonen verfügen, haben wir da schon einen recht deutlichen Vorteil, davor mußten wir uns auf die besser ausgebildete Mannschaft verlassen.

      Du sagtest auch, dass eure Tochter bei euch auf dem Schiff ist. Ist es nicht viel zu gefährlich für ein Kind auf so einem Schiff?

      Wo ist das Leben nicht gefährlich für ein kleines Kind? Ja, es gibt Gefahren auf dem Schiff, die es an Land nicht gäbe. Aber die meisten Kinder sterben noch immer an Krankheiten. Wir haben sie lieber bei uns, dann können wir uns selbst um sie kümmern und haben etwas von der Zeit mit ihr.
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Das ist eine längere Geschichte und würde in allen Details den Rahmen hier sprengen. Aber kurz kann ich es ja erzählen.
      Nikela ist die Tochter der Nachbarn meiner Eltern, ebenfalls eine Familie von reichen Händlern. Sie sagt immer, ich sei ihr aufgefallen, weil sie bei einer Wette mit mir einmal in einen Ententeich gefallen ist. Damals war ich 11, das war direkt vor meiner ersten Reise mit meinem Vater, sie war erst 5.
      Danach haben wir uns jahrelang nicht gesehen, bis ich mich endlich mit meinem Vater ausgesöhnt habe. Verliebt haben wir uns dann auf dem "Unser-Sohn-ist-zurückgekehrt"-Fest meiner Eltern. Mein Schwiegervater war dann zuerst nicht so wirklich glücklich über unsere Beziehung. Er hätte sich einen Mann mit weniger "dunkelgrauen" Flecken in der Biographie und weniger radikalen Ansichten gewünscht, aber zu dem Zeitpunkt habe ich mir schon lange nichts mehr nehmen lassen, was ich wirklich wollte. Und Niki war auch schon immer ein kleiner Rebell, nur hatte ihr die Kraft gefehlt, sich gegen die gesellschaftlichen Zwänge zu behaupten. Sie hat mein Angebot, nach Alleroog zu gehen gern angenommen und ist dort richtig aufgeblüht.
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
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