Keine Genusunterscheidung beim Personalpronomen. Wie?

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    • Keine Genusunterscheidung beim Personalpronomen. Wie?

      Gesetzt den Fall, man bastelt eine Sprache, die keine Genusunterscheidung für maskulin/feminin kennt - und zwar konsequent, soll heißen, es gibt auch bei Pronomen nur eine einzige Form für alle (meinetwegen auch eine für belebt, eine für unbelebt "es"). Der Wegfall dieser Unterscheidung hat kulturelle Ursachen, war einfach nicht wichtig, es steht jedenfalls fest, dass dem so ist.

      Man möchte nun eine Geschichte in dieser Kultur schreiben, die im Original nunmal "sie" und "ihn" mit genau dem gleichen Wort, ich nenne es mal beispielsweise "sad", bezeichnet. Es geht um Geschlechterverwirrungen, Person A spricht mit Person B über Person C und redet dabei die ganze Zeit von sad, sad, sad. Person B nimmt aus Gewohnheit und ohne zu hinterfragen an, dass C männlich ist. Ist aber nicht.

      Wie könnte man diese Verwirrung auf Deutsch rüberbringen?
    • Hmm... indem auf deutsch statt er/sie/es konsequent nur der Name der Person verwendet wird, den B dann für männlich hält.

      Aber: Wenn in dieser Kultur, wie du schreibst, geschlechtliche Unterschiede keine Rolle spielen, dann kann es B doch völlig egal sein, ob damit Männlein oder Weiblein gemeint ist. Wie kommt B denn "aus Gewohnheit" dazu, etwas männliches anzunehmen? :weissnicht:
    • Es wird wohl das selbe Phänomen sein, wie bei uns, wenn jemand von "Ärzten" oder "Lehrern" redet - im ersten Moment denken viele dabei an männliche Ärzte und männliche Lehrer.

      Ich nehme an, dass die Kultur bei dir eher patriarchalische Züge hat, Nevada? Daher wohl der vermutete männliche Bezug. Denn wenn es in der Kultur wirklich völlig egal wäre, ob Mann oder Frau, dann schließe ich mich Jerrons Frage an, wieso nimmt B dann automatisch an, C wäre ein Mann?
    • Auch wenn eine Sprache keinen Genus-Unterschied kennt, der Verstand tut es. Beim Sprachgebrauch findet unbewußt immer eine Vorentscheidung über den Genus des Objektes statt - diese wird jedoch weder von der verwendeten Sprache, noch dem Verstand grundsätzlich getroffen, sondern unterliegt dem Konsens des allgemeinen Sprachgebrauch in einem Kulturkreis - einem engen Kreis. Dieser kann in der nächsten Stadt, dem nächsten Viertel, sogar der nächsten Bevölkerungsschicht anders sein.
      Wenn ich aus einer genuslosen Sprache übersetzen sollte, würde ich das Geschlecht der Objekte zwar immer sinngemäß setzen, soll aber diere Eigenart selbst herausgestellt werden, dann wähle geschlechtslose Pronomen - es. Und zwar konsequent. Die Leute tun dies in der Sprache ja auch.
      Wird bei dir in dieser Sprache aber traditionell der ehemals männliche Fall verwendet, solltest du auch weibliche Dinge mit 'er' betiteln. Du müßtest das dann aber durch entsprechend viele und eindeutige Beispiele in der Geschichte zuvor klar machen, daß dies eine sprachliche Besonderheit ist.

      Persönlich würde ich solche Stolpersteine vermeiden und stattdessen vor dem 'übersetzten' Teil darauf Hinweisen. Ist der Unterschied gerade von Bedeutung, kann man auch immer wieder einen kleinen Nebensatz dazu einschieben.
      Du stellst dir da eine nicht geringe erzählerische Herausforderung:)
      Wär mal auf das Ergebnis gespannt.
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    • Eine spannende Idee - und ein kniffeliges Problem :)

      Nevada schrieb:

      Person B nimmt aus Gewohnheit und ohne zu hinterfragen an, dass C männlich ist. Ist aber nicht.
      Nochmal zum Mitschreiben: Person A spricht mit Person B über eine B unbekannte Person C. B missinterpretiert den Gebrauch eines genus-unspezifischen Pronomens hinsichtlich des Geschlechts von C. Okay. Die erste Frage, die sich mir stellt ist, wie A das Thema eröffnet. Nennt er einen Namen oder eine Tätigkeitsbezeichnung (wie etwa "seh ich da einen Bäcker stehen")? Wenn die Sprache im pronominalen Bereich nicht zwischen natürlichem Geschlecht unterscheidet, wird sie das mutmaßlich auch nicht bei nomina agentis tun. Also auch am Anfang kein Hinweis. Oder wie hast du dir das gedacht?

      Wenn du mit einem neutralen nomen agentis anfängst (bzw. Person A), dann kannst du doch im Deutschen das Problem durch unser generisches Maskulinum simulieren, da wir mit "er" ja auch generell auf eine Person verweisen, die theoretisch auch feminin sein könnte. Das wäre aber sicher nicht besonders elegant. Eine andere Idee wäre, evtl. sad als Pronomen einzuführen und das dann tatsächlich auch in der Übersetzung zu verwenden. Könnte ich mir interessant vorstellen. Oder du nennst immer wiede statt des Pronomens die allererste Referenz von A, also wenn zuerst ein Name genannt wird, nimmst du den in jedem Satz von A neu als Subjekt. Oder halt das nomen agentis.

      Aber ganz allgemein eine Idee, die sicher nicht eins zu eins übertragbar ist (wie so viele Sprachwitze ja auch). Übrigens würde ich obiges Zitat nicht ganz unhinterfragt lassen. Ich kenne nur eine solche Sprache näher (Indonesisch) und bin mir da ziemlich sicher, dass das Pronomen nicht default-mäßig als maskulin oder feminin interpretierbar ist - das Geschlecht muss tatsächlich pragmatisch erschlossen werden und bleibt manchmal auch unklar.
      "Aye, horsemen for companions,
      Before the merchants and the clerk
      Breathed on the world with timid breath.
      Sing on: somewhere at some new moon,
      We'll learn that sleeping is not death,
      Hearing the whole earth change its tune"
    • Jerron schrieb:

      Hmm... indem auf deutsch statt er/sie/es konsequent nur der Name der Person verwendet wird, den B dann für männlich hält.
      Das ist eine Möglichkeit, die sich sprachlich nicht umsetzen lässt, es wäre jedenfalls ein sehr merkwürdiger Schreibstil. "Sarah sieht heute gut aus, weil Sarah heute morgen Sarahs neuen Lippenstift aufgetragen hat." Nee. :-/

      Jerron schrieb:

      Aber: Wenn in dieser Kultur, wie du schreibst, geschlechtliche Unterschiede keine Rolle spielen, dann kann es B doch völlig egal sein, ob damit Männlein oder Weiblein gemeint ist. Wie kommt B denn "aus Gewohnheit" dazu, etwas männliches anzunehmen? :weissnicht:

      Rabenschwinge schrieb:

      Ich nehme an, dass die Kultur bei dir eher patriarchalische Züge hat, Nevada? Daher wohl der vermutete männliche Bezug. Denn wenn es in der Kultur wirklich völlig egal wäre, ob Mann oder Frau, dann schließe ich mich Jerrons Frage an, wieso nimmt B dann automatisch an, C wäre ein Mann?
      Patriarchalisch, check. Der Kontext ist Militär, und das ist aus Gewohnheit die Domäne der Männer. Nehmen wir für B einen anderen kulturellen Hintergrund mit Genusunterscheidung an, dann kann er wohl denken, C wäre männlich (weil meinetwegen auch in Bs Kulturkreis das Militär nur Männer hat).
      Aber auch wenn alle dem gleichen Kulturkreis der geschlechterlosen Pronomina zugehörig wären, würde das passieren. Ich weiß diese seltsame Art von Gleichberechtigung und gleichzeitiger Ungleichheit gerade nicht zu beschreiben.

      Lord Finster schrieb:

      Auch wenn eine Sprache keinen Genus-Unterschied kennt, der Verstand tut es. Beim Sprachgebrauch findet unbewußt immer eine Vorentscheidung über den Genus des Objektes statt - diese wird jedoch weder von der verwendeten Sprache, noch dem Verstand grundsätzlich getroffen, sondern unterliegt dem Konsens des allgemeinen Sprachgebrauch in einem Kulturkreis - einem engen Kreis. Dieser kann in der nächsten Stadt, dem nächsten Viertel, sogar der nächsten Bevölkerungsschicht anders sein.
      Ich denke, ja. Das wird der Bezug sein, den Person B nicht hinbekommt.

      Lord Finster schrieb:

      Wenn ich aus einer genuslosen Sprache übersetzen sollte, würde ich das Geschlecht der Objekte zwar immer sinngemäß setzen, soll aber diere Eigenart selbst herausgestellt werden, dann wähle geschlechtslose Pronomen - es. Und zwar konsequent. Die Leute tun dies in der Sprache ja auch.
      Wird bei dir in dieser Sprache aber traditionell der ehemals männliche Fall verwendet, solltest du auch weibliche Dinge mit 'er' betiteln. Du müßtest das dann aber durch entsprechend viele und eindeutige Beispiele in der Geschichte zuvor klar machen, daß dies eine sprachliche Besonderheit ist.

      Persönlich würde ich solche Stolpersteine vermeiden und stattdessen vor dem 'übersetzten' Teil darauf Hinweisen. Ist der Unterschied gerade von Bedeutung, kann man auch immer wieder einen kleinen Nebensatz dazu einschieben.
      Du stellst dir da eine nicht geringe erzählerische Herausforderung:)
      Wär mal auf das Ergebnis gespannt.

      Zwei weitere Möglichkeiten, das Problem zu behandeln. Die Variante mit "es" würde ich ausschließen. Das ist nicht nur vom Genus abgehoben, sondern sogar versächlicht - erscheint mir einfach nicht angemessen, um damit grundsätzlich einen Menschen zu bezeichnen.

      Wie würdest du darauf hinweisen? In einer Fußnote vom Autor, oder im Text selbst die sprachliche Besonderheit erklären?

      Das Problem ist noch hypothetisch, ich hab nie tatsächlich ein Wort darüber geschrieben. Auch, weil ich nicht weiß, wie.


      @ Falayon: Genau, es gibt keine Trennung im natürlichen Geschlecht. "Frau" und "Mann" wären beide "Mensch", der Eigenname "Sowieso" kann sich komplett auf beide Geschlechter beziehen. Alles, was es dafür gibt, ist ein kleines absolut nicht obligatorisches Suffix für weibliche Personennamen. Was in diesem Fall nicht angewendet wird, weil es Person A gleich-gültig ist (wie oben erwähnt die komische Gleichheit).

      Zum Hinterfragen: Vielleicht findet innerlich bei Person B ein Hinterfragen statt, was B aber nicht nach außen trägt. Die Gründe können verschieden sein. B bekommt von A keine weiteren Hinweise, also nimmt B das an, was am nächsten liegt.

      Danke für den Hinweis auf Indonesisch. Hier gibts in der englischen Wikipedia einen Absatz dazu. *denk* So könnte es auch in meiner Kultur funktionieren. Wenigstens ist die Idee also nicht ganz unglaubwürdig, sondern es hat schon jemand vor mir erfunden. ;D


      Lösungsansätze:

      • auf jegliche Pronomen verzichten und immer neutrale Referenzen verwenden
      • konsequent "es"
      • konsequent "er". Für den umgekehrten Fall entsprechend konsequent "sie"
      • "er" und "sie" wie im Deutschen natürlich benutzen, Hinweis setzen
      • neues neutrales Pronomen einführen


      Ich stelle mir auch die Frage, ob eine Sprache diesen Zustand überhaupt überlebt - ob es nicht tatsächlich, rein von der menschlichen Psyche, gleich in welcher kulturellen Umgebung, wieder zu einer Differenzierung kommt. Dieses kleine unterscheidende Suffix gibt es ja schonmal.

      Danke für den Input bis hierhin :)
    • Nevada schrieb:

      Jerron schrieb:

      Hmm... indem auf deutsch statt er/sie/es konsequent nur der Name der Person verwendet wird, den B dann für männlich hält.
      Das ist eine Möglichkeit, die sich sprachlich nicht umsetzen lässt, es wäre jedenfalls ein sehr merkwürdiger Schreibstil. "Sarah sieht heute gut aus, weil Sarah heute morgen Sarahs neuen Lippenstift aufgetragen hat." Nee. :-/

      "Sarah sieht heute gut aus, hat heute morgen neuen Lippenstift aufgetragen." - Geht doch. ;)
    • Ehrlich gesagt passt es für mich nicht zusammen, ein strikt patriarchalisches System zu haben, bei dem es keine Unterscheidung zwischen männlich und weiblich bei Pronomen und Berufsbezeichnungen gibt. Oder gibt es für Frauen einfach überhaupt keine Bezeichnungen, weil die nichts machen, was es überhaupt wert macht, darüber zu reden? Oder was?
      Grundsätzlich halte ich jedenfalls nicht viel davon, beim Schreiben den Lesefluss durch irgendwelche seltsamen, sprachlichen Konstrukte zu stören. Manche "Sprachwitze" sind dann vielleicht einfach nicht möglich, bei einer kurzen Szene könnte ich mir aber auch vorstellen, dass du versuchst, es so zu formulieren, dass nur der Name der Person verwendet wird.
      Im ersten Band der Reihe "Codex Alera" von Jim Butcher gibt es eine ganz ähnliche Szene, wie du sie beschreibst. Dort werden in einem Volk, das starke Verbindungen zu bestimmten Tieren hat alle Kinder wie Jungen dieser Tierart bezeichnet, in diesem konkreten Fall als Welpe. Da geht dann der Held auch ziemlich lange davon aus, dass er es mit einem männlichen Wesen zu tun hat, was aber nicht der Fall ist. Dort ist das meiner Meinung nach ganz gut geregelt.

      Meine Sariler haben auch keine Genunsunterscheidung bei den Pronomen, das liegt aber daran, dass es für sie wirklich keinen erwähnenswerten Unterschied macht, ob eine Handlung von einem Mann oder einer Frau durchgeführt wird. Falls das anders ist, sollte es sich meiner Meinung nach auch in der Sprache widerspiegeln.
      Ich "übersetze" dann trotzdem mit "er" oder "sie" genauso wie ich das englische "the" auch als "der", "die" oder "das" übersetze. Eventuell wird aber mal eine der mehrsprachigen Figuren eine Bemerkung dazu machen. Ansonsten merkt man den Sarilern am Namen an, ob sie männlich oder weiblich sind.
    • Das ist auf jeden Fall eine interessante Frage. Wahrscheinlich wäre es gut, wenn du einfach tatsächlich von einer maskulinen Form der Berufsbezeichnung ausgehst und entsprechend tatsächlich dann in der maskulinen Form bleibst. Dadurch verwirrst du wahrscheinlich auch deinen Leser, was aber in diesem Fall denke ich durchaus gewollt ist.

      Rabenschwinge schrieb:

      Es wird wohl das selbe Phänomen sein, wie bei uns, wenn jemand von "Ärzten" oder "Lehrern" redet - im ersten Moment denken viele dabei an männliche Ärzte und männliche Lehrer.

      Da muss ich dir teilweise widersprechen. Es ist durchaus so, dass bei Ärzten eine männliche Komponente angenommen wird, bei Lehrern denken aber deutsche Muttersprachler tatsächlich zunächst an weibliche Lehrer (weiß ich aus einem Seminar über Sprache und Gender). Es ist also tatsächlich abhängig, welches Geschlecht die Domäne beherrscht, weniger, ob wir ein patriarchalisches oder sonstiges System haben.
      In anderen Sprachen, wie etwa Polnisch dürfte es deutlich schwieriger sein, diesen Verwirrungsfall zu erklären, da es dort eine klare Trennung ohne generativem Maskulinum gibt.
      -10,5 23 ∑ π
    • Jerron schrieb:

      "Sarah sieht heute gut aus, hat heute morgen neuen Lippenstift aufgetragen." - Geht doch. ;)
      Stimmt. ???
      Das bringt mich auf die Idee einer Sprache ohne Pronomen. Die deutsche "Übersetzung" muss so hingebogen werden, dass auch darin keine Pronomen vorkommen. Ich Depp hab natürlich keinen Beispieltext, an dem ich das ausprobieren kann. *mir vornehm*

      Amanita schrieb:

      Ehrlich gesagt passt es für mich nicht zusammen, ein strikt patriarchalisches System zu haben, bei dem es keine Unterscheidung zwischen männlich und weiblich bei Pronomen und Berufsbezeichnungen gibt. Oder gibt es für Frauen einfach überhaupt keine Bezeichnungen, weil die nichts machen, was es überhaupt wert macht, darüber zu reden? Oder was?
      Das ist ja der Clou: das gleiche Wort. (Oder: Nicht-Wort, wenn Pronomen ganz wegfallen).
      Nicht strikt patriarchalisch. Patriarchalisch, aber durchlässig für Frauen. Im Grunde genommen und gar nicht mal salopp ausgedrückt ist es denen schnuppe, wer was erreicht, ob derjenige Mann oder Frau ist, die Leistung wird gleichermaßen anerkannt (und wenns Brotbacken war oder als Heerführer die feindliche Hauptstadt zu erobern). Wiederum wird der Familienname des Vaters weitergegeben und es ist sicher kein Zufall, dass die Führungspositionen fast immer mit Männern besetzt sind. Ich verknote gerade selbst mein Gehirn auf der Suche nach einer Erklärung, wie ich mir die Kultur vorstelle. Vielleicht ist hier eine ganz andere Art von Denken notwendig.
      Das am Rande.

      Amanita schrieb:

      Im ersten Band der Reihe "Codex Alera" von Jim Butcher gibt es eine ganz ähnliche Szene, wie du sie beschreibst. Dort werden in einem Volk, das starke Verbindungen zu bestimmten Tieren hat alle Kinder wie Jungen dieser Tierart bezeichnet, in diesem konkreten Fall als Welpe. Da geht dann der Held auch ziemlich lange davon aus, dass er es mit einem männlichen Wesen zu tun hat, was aber nicht der Fall ist. Dort ist das meiner Meinung nach ganz gut geregelt.
      Der Held wird verwirrt, weil von dem Kind als "der Welpe, er" gesprochen wird? Im Original auf Englisch müsste das nicht "it" sein..? Wenn das deutsche "Welpe" feminin wäre, müsste der Held dann rein von der Textsprache davon ausgehen, dass das Kind weiblich ist..? [/rhetorische Fragen

      Heinrich schrieb:

      Das ist auf jeden Fall eine interessante Frage. Wahrscheinlich wäre es gut, wenn du einfach tatsächlich von einer maskulinen Form der Berufsbezeichnung ausgehst und entsprechend tatsächlich dann in der maskulinen Form bleibst. Dadurch verwirrst du wahrscheinlich auch deinen Leser, was aber in diesem Fall denke ich durchaus gewollt ist.
      Wie ist das im Erzähltext und in der wörtlichen Rede, wenn Person C z.B. auch selbst handelt: Wechselnde Pronomen? Im Erzähltext "sie", in der wörtlichen Rede "er", ist das akzeptabel wenn irgendwann früher diese Geschlechterverwirrung von irgendwelchen Personen selbst zur Sprache gebracht worden ist?

      Heinrich schrieb:

      Da muss ich dir teilweise widersprechen. Es ist durchaus so, dass bei Ärzten eine männliche Komponente angenommen wird, bei Lehrern denken aber deutsche Muttersprachler tatsächlich zunächst an weibliche Lehrer (weiß ich aus einem Seminar über Sprache und Gender). Es ist also tatsächlich abhängig, welches Geschlecht die Domäne beherrscht, weniger, ob wir ein patriarchalisches oder sonstiges System haben.
      Im Englischen, wo es weniger movierte Formen gibt als im Deutschen (Beispiel teacher - Lehrer / Lehrerin) halten nicht immer die maskulinen Pronomen dafür her. Ich meine die Beobachtung gemacht zu haben, dass z.B. in Rollenspielregelwerken der Paladin immer als "she" genannt wird. Welchen Dynamiken das folgt, :weissnicht:
    • Heinrich schrieb:


      Rabenschwinge schrieb:

      Es wird wohl das selbe Phänomen sein, wie bei uns, wenn jemand von "Ärzten" oder "Lehrern" redet - im ersten Moment denken viele dabei an männliche Ärzte und männliche Lehrer.

      Da muss ich dir teilweise widersprechen. Es ist durchaus so, dass bei Ärzten eine männliche Komponente angenommen wird, bei Lehrern denken aber deutsche Muttersprachler tatsächlich zunächst an weibliche Lehrer (weiß ich aus einem Seminar über Sprache und Gender). Es ist also tatsächlich abhängig, welches Geschlecht die Domäne beherrscht, weniger, ob wir ein patriarchalisches oder sonstiges System haben.
      In anderen Sprachen, wie etwa Polnisch dürfte es deutlich schwieriger sein, diesen Verwirrungsfall zu erklären, da es dort eine klare Trennung ohne generativem Maskulinum gibt.


      Echt? Ich bin jetzt von mir persönlich ausgegangen, wenn ich "Lehrer" höre, denke ich an männliche Lehrer - interessant, dass das doch so variiert! :o
      Hm... ich versuche grad, eine Bezeichnung zu finden, die im Genus männlich ist, aber bei mir überwiegend weibliche Assoziationen auslöst... mir fällt grad nichts ein.
      Es ist so, dass zumindest mir bei der Bezeichnung im weiblichen Genus immer nur Frauen in den Sinn kommen: Lehrerinnen sind für mich ausschließlich Frauen, nicht Männer und Frauen gemischt. Trifft eigentlich auf alle weibliche Mehrzahlformen zu... also, das dürfte aber doch ein Hinweis auf die maskulin geprägte Sprache sein. Auch wenn jemand sagt "Automechanikerinnen" sehe ich automatisch lauter Frauen mit blauer Latzhose, aber keinen einzigen Mann dazwischen.

      Edith sagt: es sei denn, es steht "AutomechanikerInnen", mit großem Binnen-"I". Dann ists klar.
    • Ich verknote gerade selbst mein Gehirn auf der Suche nach einer Erklärung, wie ich mir die Kultur vorstelle. Vielleicht ist hier eine ganz andere Art von Denken notwendig.

      Ich glaube, das muss man das als Außenstehender auch (noch) nicht verstehen. ;D
      Bei der Stelle mit dem Welpen gehe ich wirklich davon aus, dass es auf Englisch "it" hieß, ich hatte das Buch aber in der Übersetzung. Die Assoziation war aber eher, weil er gegen diese Person in einen Wettkamf treten sollte, und da wohl selbst aus einer relativ patriarchalischen Kultur kommend nicht mit einer Frau gerechnet hätte.
    • So am Rande: Das Chinesische unterscheidet die Pronomen auch im Singular nicht nach Geschlecht bzw. es gibt zwar unterschiedliche Schreibweisen, die Aussprache ist aber exakt dieselbe ("ta" = er, sie, es). Für mich hat dieses Pronomen aber auch heute noch eine männliche Konnotation, teilweise ist es sehr verwirrend, wenn Subjekte mehrerer Geschlechter sich abwechseln. Erschwerend kommt noch hinzu, dass auch Gegenstände dasselbe Pronomen verwenden...

      Meine Frau bringt übrigens häufig die deutschen und englischen Pronomen durcheinander, interessanterweise aber nicht die italienischen :-/
    • Manno, da will ich nur mal eben kurz eine PN lesen und dann so ein Thread, ihr seid doof :P

      Es gibt auf unserer schönen Welt reichlich Sprachen, die weder ein Genus noch geschlechtliche Markierung bei Pronomen oder Substantiven kennen. Das ist für Deutsche ein ziemlich merkwürdiger Gedanke, aber für ziemlich viele Leute völlig normal. Finnisch etwa kennt für die 3. Person singular nur "hän", das entspricht meines Wissens "er/sie". Für "es" werden eher Demonstrative benutzt (aber mein Finnisch ist ziemlich eingerostet). Auch sonst macht die Sprache keine Genusunterschiede.

      Ich würde jetzt nicht die gesellschaftliche Struktur von der sprachlichen Struktur abhängig machen. Zwar sehe ich auch einen Zusammenhang zwischen maskulin dominierter Sprache und traditionell maskulin dominierter Kultur, aber das heißt für mich im Umkehrschluss keinefalls, dass eine genuslose Sprache eine gleichberechtigte Kultur bedingt - sondern schlicht, dass die Sprache kein Genus hat. Durch Konstruktionen wie "Frau Bundeskanzler" kann das Geschlecht einer Person trotzdem problemlos gekennzeichnet werden.
      Bitte verwechselt nicht Genus und Geschlecht. Genera sind grammatische Kategorien, die Sprachen haben können, aber nicht müssen. Geschlecht ist von der Natur vorgegeben und hat nichts mit Sprache zu tun. Schließlich können im Deutschen weibliche Personen sächlich sein (Mädchen), Gegenstände weiblich (Platte) oder Emotionen männlich (Hass). :) Genus hat mit Geschlecht nichts zu tun, schließlich haben andere Sprachen auch Genera, die anders klassifizieren (z.B. belebt - unbelebt).


      (Sorry fürs Hijacking, aber für irgendwas muss das blöde Studium ja gutgewesen sein - nennt mich das Handbuch des nutzlosen Sprachwissens ;D )
    • Zum Thema Finnisch werd' ich mal meine Frau Interwiefen und dich dann ggf. bestätigen oder auch nicht :lol:

      Sprachen sind komisch, manchmal mehr, manchmal weniger. Es gibt, zB, auch Sprachen ohne Tempi.
      Ist wohl alles eine Frage der Gewöhnung. Allerdings darf man davon ausgehen, daß der alltägliche Sprachgebrauch sich solchen Bedingungen dahingehend anpaßt, daß es wenig 'Unfälle' damit gibt.
      Andererseits zeigte uns Loriot (Gott hab ihn selig) auf so vortreffliche Art, wie unvollkommen der Deutsche mit seiner Sprache dasteht und umgeht :)
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    • Ich sehe alles wie doch, doch...

      Dorte schrieb:

      weibliche Personen sächlich sein (Mädchen)


      Das hat Sprachliche Gründe. Nämlich das -chen. Chen ist immer das, wens eine Verkleinerungsform ist. Das Kindchen, das Bürschchen, das Jüngchen, das Männchen, das Weibchen...


      Mädchen ist eine Verkleinerungsform von die Magd - die Mägdchen oder einfach nur Mädchen. Eine kleine Magd. ;D

      Aber sonst stimmt es. Die Gesellschaftliche Struktur muss nichts über die Sprache aussagen. Wie man es in einem Buch lösen würde. Einfach nur die Berufsbezeichnung und er, wäre eine Möglichkeit. Im Deutschen ist ein weiblicher General auch general (Du sagtest was von Militär?)

      Dann wäre es auch:

      "Man unser General ist schlimm. Er ist ein absoluter Teufel, dem keiner entkommt. Wen er dich hat, dann bgist du tot."

      Würde sicherlich jeder vermuten, es wäre ein Mann. Da es sich aber auf den General bezieht, welcher auch weiblich sein kann, kann es sich ebenso auf eine Frau beziehen.
    • Sicher liegt das am -chen. Aber das ändert nichts daran, dass eine weibliche Person als Neutrum gekennzeichnet wird. "Weib" hat übrigens kein -chen ;)
      Genus ist einfach eine willkürliche Kategorie. Zumindest hat meines Wissens noch kein Linguist logische Gründe dafür gefunden, warum Katzen weiblich und Hunde männlich, Säugetiere aber generell sächlich sein sollen. Genus ist ungleich Geschlecht. Ehrlich. Isso, kann ich auch nix für.
      Und Genus ist zudem optional - keine Sprache braucht es. Es gibt genug Sprachen, die ohne wunderbar funktionieren. Mehr wollte ich eigentlich nicht sagen :)
    • Lord Finster schrieb:

      Es gibt, zB, auch Sprachen ohne Tempi.
      *hust* Tempora.

      Veria
      Don't diagnose and drive.

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    • Danke, Dorte. Schön, dass du mal da warst :wink:

      Thure schrieb:

      Im Deutschen ist ein weiblicher General auch general (Du sagtest was von Militär?)

      Dann wäre es auch:

      "Man unser General ist schlimm. Er ist ein absoluter Teufel, dem keiner entkommt. Wen er dich hat, dann bgist du tot."
      Sehr richtig. :lol:
      Jetzt fehlt mir wieder der Beispieltext um herauszufinden, wie das am Ende komplett wirkt. Ich lege euch hoffentlich nochmal etwas zum Drüberlesen vor.

      Dorte schrieb:

      Finnisch etwa kennt für die 3. Person singular nur "hän", das entspricht meines Wissens "er/sie". Für "es" werden eher Demonstrative benutzt (aber mein Finnisch ist ziemlich eingerostet). Auch sonst macht die Sprache keine Genusunterschiede.
      Die Finnen, Indonesier und Chinesen und noch andere haben ohne Hilfskonstruktionen die literarische Freiheit, das Geschlecht von Personen unklar zu lassen? Neid!